Bo­rus­si­as Rhyth­mus-Stö­run­gen

Das Kar­dio­gramm des Jah­res 2016 ist ein ein­zi­ges Auf und Ab. Bo­rus­sia be­nö­tigt ei­ne kla­re Li­nie.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KEL­LER­MANN

Dass Bo­rus­si­as Jahr 2016 mit ei­nem Trai­ner­wech­sel en­de­te, passt ins Bild. Denn es war ein wech­sel­haf­tes Jahr, ei­nes oh­ne ro­ten Fa­den. Vor al­lem nicht da, wo im Fuß­ball die Wahr­heit lie­gen soll, auf dem Ra­sen: An­dré Schu­bert setz­te auf größt­mög­li­che sys­te­mi­sche und per­so­nel­le Fle­xi­bi­li­tät – das war im Er­folg se­xy, als je­doch der Miss­er­folg kam, war die Wech­sel­haf­tig­keit de­sta­bi­li­sie­rend.

42 Punk­te hat Bo­rus­sia sai­son­über­grei­fend ein­ge­sam­melt, ei­ne mit­tel­mä­ßi­ge Bi­lanz. Das ist an sich un­be­frie­di­gend, doch nur der theo­re­ti­sche Qu­er­schnitt. In der Rea­li­tät war es ein stän­di­ges Hin und Her, ein Auf und Ab. Al­les in al­lem war es sehr an­stren­gend, zu­mal es im Um­feld auch ru­mor­te. Stellt man sich 2016 als Kar­dio­gramm vor, wä­re die Dia­gno­se: Bo­rus­sia hat­te Rhyth­mus-Stö­run­gen. Die Band­brei­te der Emo­tio­nen war ent­spre­chend groß. Die Glad­ba­cher schaff­ten Platz vier und her­nach die zwei­te Qua­li­fi­ka­ti­on für die Cham­pi­ons Le­ague in Fol­ge. Nun ste­cken sie im Ab­stiegs­kampf.

Es gab gro­ße Er­leb­nis­se und bit­te­re Er­kennt­nis­se, ei­ne herr­li­che Heim­bi­lanz in der Rück­run­de der ver­gan­ge­nen Sai­son, zu­gleich aber die mie­se Bi­lanz in der Frem­de mit nur ei­nem Li­ga-Sieg. Es gab die tol­len Heim­spie­le in der Cham­pi­ons Le­ague ge­gen Bar­ce­lo­na und ManCi­ty, doch die Di­enst­rei­sen nach Ka­ta­lo­ni­en und Nord­eng­land ge­rie­ten zu bit­te­ren Lehr­stun­den. Bo­rus­sia wan­del­te zwi­schen Stolz und Ent­täu­schung.

Auch die Bi­lanz der Hin­run­de der ak­tu­el­len Spiel­zeit hat kei­ne ein­deu­ti­ge Rich­tung und fühlt sich da­her un­be­frie­di­gend an: Bo­rus­sia über­win­tert im Eu­ro­pa­po­kal und im DFB-Po­kal, in der Bun­des­li­ga je­doch hinkt sie den An­sprü­chen deut­lich hin­ter­her. So kann man sich für die Rück­run­de al­les vor­stel­len, ei­ner­seits, dass die Bo­rus­sen, wie Os­car Wendt sag­te, Gro­ßes schaf­fen, doch auch das ge­naue Ge­gen­teil. Zu­sam­men­ge­fasst: 2016 war ein un­ru­hi­ges Jahr für Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach. Ei­ne ech­te Wahr­heit ha­ben die ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­te nicht her­vor­ge­bracht. An­dré Schu­bert hat es nicht ge­schafft, Ru­he rein­zu­brin­gen, dar­an ist er letzt­lich auch ge­schei­tert. Nun ist es an sei­nem Nach­fol­ger Die­ter He­cking, Bo­rus­sia wie­der ei­ne kla­re Li­nie zu ge­ben.

Das Team in­des muss sei­nen Teil da­zu bei­tra­gen. Es gab zu vie­le wech­sel­haf­te Leis­tungs­kur­ven im Jahr 2016. Bo­rus­sia muss in­ner­lich zur Ru­he kom­men, dar­aus Kraft schöp­fen. Dann kann sie 2017 auch wie­der ih­ren Rhyth­mus fin­den. Das könn­te ei­ne Ba­sis für den Er­folg sein.

An­dré Schu­bert hat es nicht ge­schafft, Ru­he rein­zu­brin­gen, dar­an ist er letzt­lich ge­schei­tert.

2016 war ein un­ru­hi­ges Jahr

FO­TO: DPA

Sin­gin’ in the Rain: Nach der Spiel­ab­sa­ge in Man­ches­ter fei­ern Bo­rus­si­as Fans ih­re Mann­schaft – ein sel­te­ner Mo­ment der Freu­de auf Aus­wärts­fahrt.

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