Ma­le­rei zwi­schen Le­ben und Tod

To­ten­schä­del – in gro­ßen Men­gen, un­be­schwert spie­len­de Kin­der, freund­li­che Men­schen und net­te Hun­de: Der jun­ge bel­gi­sche Künst­ler Pie­ter-Jan Mar­tyn ver­blüfft mit den Bil­dern sei­ner Aus­stel­lung „Hei­mat“in der Ga­le­rie Börg­mann.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON IN­GE SCHNETTLER

Al­le Ach­tung, der Kerl ist mu­tig. Malt Blu­men­still­le­ben im Stil von Jan Brueg­hel dem Äl­te­ren, sta­pelt To­ten­köp­fe im Re­gal, lässt zwei klei­ne Mäd­chen ver­gnügt im Pl­ansch­be­cken spie­len, malt sich selbst im Ate­lier und Men­schen­mas­sen ir­gend­wo. Auf klei­nen qua­dra­ti­schen For­ma­ten zum Bei­spiel ei­nen Mann und ei­ne Frau mit zwei Hun­den, ei­nen Herrn, der dem jun­gen Hel­mut Kohl ver­blüf­fend äh­nelt, Kin­der, Frau­en, Blu­men – so al­ler­lei. To­ten­köp­fe na­tür­lich auch. Und da­bei spielt er mit den Tech­ni­ken. Zar­te la­sier­te Far­ben hier, kräf­ti­ges Bunt mit hoch­glän­zen­dem Über­zug dort. Pie­ter-Jan Mar­tyn ist ein Ex­pe­ri­men­tie­rer, ein Su­chen­der, ein Tes­ter, ein Fin­der. Klei­ne For­ma­te, gro­ße For­ma­te – al­les geht.

„Hei­mat“nennt er sei­ne Aus­stel­lung in der Ga­le­rie Börg­mann an der Wall­stra­ße. Der Ti­tel passt. Der Künst­ler ist 1986 in Kor­tri­jk ge­bo­ren – Bel­gi­er al­so. Fla­me ge­nau­er. Be- wegt sich al­so mit sei­nen Blu­men­bil­dern in bes­ter nie­der­län­disch­flä­mi­scher Tra­di­ti­on. Auch mit den vie­len Schä­deln. Schließ­lich ist der Va­ni­tas-Ge­dan­ke be­son­ders im 16. und 17. Jahr­hun­dert evi­dent. Le­ben und Tod, das sind die bei­den Po­le, zwi­schen de­nen sich Mar­tyns The­men be­we­gen. Schä­del hier – spie­len­de Kin­der dort.

Und wel­che Frei­hei­ten der Künst­ler sich nimmt. Die Bil­der, die wie über­mal­te und be­ar­bei­te­te Fo­tos wir­ken (es aber nicht sind), dürf­ten an Ger­hard Rich­ter er­in­nern, sei­ne groß­for­ma­ti­gen Wald- und Men­schen­mas­sen­bil­der an Sig­mar Pol­ke. Und doch sind sie kom­plett ei­gen­stän­dig. An­ders und über­ra­schend. So hat der Be­trach­ter in den schö­nen Räu­men der Ga­le­rie auf drei Eta­gen or­dent­lich was zu schau­en.

Und nach­zu­den­ken. Die Ti­tel der Bil­der sind nicht im­mer so­fort er­hel­lend. Die bei­den Kit­tel­trä­ger et­wa, die mit den To­ten­schä­deln han­tie­ren – was sind sie? Ärz­te? For- scher? Men­schen, die die To­ten­ru­he stö­ren? Der Ti­tel lau­tet „Die ver­lo­ren­ge­gan­ge­ne Kunst, ein Ge­heim­nis zu be­wah­ren“. Das Ge­heim­nis des To­des wo­mög­lich? Das groß­for­ma­ti­ge Wald­bild im ers­ten Ge­schoss heißt „Xa­na­du“. So heißt ei­ne fran­zö­si­sche Fern­seh­se­rie, auch ein ame­ri­ka­ni­scher Mu­si­cal-Film des Re­gis­seurs Ro­bert Gre­en­wald trug die­sen Ti­tel, und ein sa­gen­haf­ter Ort in Chi­na heißt so. Pie­ter-Jan Mar­tyn lacht sich wahr­schein­lich ka­putt, wenn er uns rät­seln sieht. Er wird wis­sen, was er tut. So viel ist si­cher.

Im kom­men­den Jahr wird der jun­ge Künst­ler ei­ne Ein­zel­aus­stel­lung im Ost­haus-Mu­se­um Ha­gen ha­ben. Ein gro­ßer Schritt. Ver­dient hat er’s.

„Hei­mat“ist noch am Don­ners­tag, 12. Ja­nu­ar, und Frei­tag, 13. Ja­nu­ar, je­weils von 10 bis 18 Uhr in der Ga­le­rie Börg­man, Wall­stra­ße 7, zu se­hen; au­ßer­dem nach Ver­ein­ba­rung un­ter den Num­mern 02161 9486890 und 0160 3600957.

Die­ses Bild mit den vie­len To­ten­schä­deln nennt Pie­ter-Jan Mar­tyn „Die ver­lo­ren­ge­gan­ge­ne Kunst, ein Ge­heim­nis zu be­wah­ren“.

RP-FO­TOS: ISA­BEL­LA RAUPOLD

Kind­li­che Freu­de am Pl­ansch­be­cken – ein Bild wie aus ei­nem al­ten Fo­to­al­bum.

Viel Le­ben und na­tür­lich To­ten­köp­fe sind auf den klein­for­ma­ti­gen Bil­dern zu ent­de­cken.

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