Was tun bei der Ei­gen­be­darfs­kün­di­gung?

Gut in der Woh­nung ein­ge­lebt, der Ar­beits­platz ist in der Nä­he und die Fa­mi­lie fühlt sich wohl. Doch dann der Schock: Kün­di­gung we­gen Ei­gen­be­darf. Mie­ter sind in sol­che Fäl­len aber nicht wehr­los.

Rheinische Post Moenchengladbach - - HOCHSCHULE - VON DA­NIE­LA SCHU­MA­CHER

In der Re­gel dür­fen Ver­mie­ter un­be­fris­te­te Miet­ver­trä­ge nicht ein­fach kün­di­gen, wenn der Mie­ter sei­ne Pflich­ten er­füllt und sei­ne Mie­te pünkt­lich zahlt. So steht es zu­min­dest im Bür­ger­li­chen Ge­setz­buch (BGB). Ei­ne Aus­nah­me gibt es je­doch: Wenn der Ver­mie­ter Ei­gen­be­darf an­mel­det, muss der Mie­ter wei­chen, er­klärt Ge­rold Happ vom Ei­gen­tü­mer­ver­band Haus und Grund Deutsch­land. Al­ler­dings gibt es für Ei­gen­be­darfs­kün­di­gun­gen durch­aus Hür­den.

Mög­li­che Grün­de für ei­ne Ei­gen­be­darfs­kün­di­gung: „Die Toch­ter des Ver­mie­ters zieht zum Stu­di­um aus und möch­te ei­ne Wohn­ge­mein­schaft grün­den oder der Sohn grün­det ei­ne ei­ge­ne Fa­mi­lie und braucht Platz“, zählt Happ auf. Grund­sätz­lich darf der Ver­mie­ter für sich selbst oder na­he Ver­wand­te wie Kin­der, El­tern, En­kel, Groß­el­tern, Ge­schwis­ter, Nich­ten und Nef­fen, Part­ner, Ehe­gat­ten und Schwie­ger­el­tern Ei­gen­be­darf an­mel­den. Für ent­fern­te An­ge­hö­ri­ge ist das hin­ge­gen nicht so ein­fach mög­lich.

Was gilt, wenn das AuPair-Mäd­chen des Ver­mie­ters ei­ne ei­ge­ne Woh­nung in der Nä­he der Fa­mi­lie be­kom­men soll? Auch die­se Kün­di­gung ist zu­min­dest nach An­sicht des Bun­des­ge­richts­hofs gül­tig (Az.: VIII ZR 127/08). Denn auch Haus­halts­hil­fen und Pfle­ge­per­so­nal dür­fen Wohn­raum zur Ver­fü­gung ge­stellt be­kom­men. Wird die Woh­nung zum Bei­spiel als Kanz­lei, Pra­xis oder an­der­wei­tig ge­werb­lich ge­nutzt, darf der Ver­mie­ter auch kün­di­gen, um die Räu­me be­ruf­lich zu nut­zen.

Um wirk­sam zu sein, muss die Ei­gen­be­darfs­kün­di­gung ei­ne Rei­he von Be­din­gun­gen er­fül­len: Im Kün­di­gungs- Ge­rold Happ Haus und Grund Deutsch­land schrei­ben muss kon­kret be­nannt wer­den, für wen die Rä­um­lich­kei­ten be­nö­tigt wer­den. „Der Ver­mie­ter muss nach­voll­zieh­bar be­grün­den, war­um ge­ra­de die be­tref­fen­de Woh­nung zu dem ge­nann­ten Zeit­punkt ge­braucht wird“, sagt Happ.

Au­ßer­dem müs­sen die Kün­di­gungs­fris­ten ge­wahrt wer­den: Drei Mo­na­te sind es bei ei­ner Miet­dau­er bis zu fünf Jah­ren. Bei ei­ner Miet­dau­er bis zu acht Jah­ren ha­ben Mie­ter sechs Mo­na­te Zeit bis zum Aus­zug. Bei ei­ner Miet­dau­er von mehr als acht Jah­ren sind es neun Mo­na­te.

Wur­den Woh­nun­gen in ei­nem Miets­haus in Ei­gen­tum um­ge­wan­delt, gibt es wei­te­re Kün­di­gungs­be­schrän­kun­gen. Der Ver­mie­ter darf je nach Re­ge­lung der Ge­mein­de erst drei bis zehn Jah­re nach Er­werb der Woh­nung Ei­gen­be­darf an­mel­den. Happ rät: „Bei der Ge­mein­de kann man nach­fra­gen, wie lan­ge die Kün­di­gungs­be­schrän­kung gilt.“

Oft kön­ne auch ein per­sön­li­ches Ge­spräch mit dem Ver­mie­ter hel­fen. Vie­le Ver­mie­ter sind nach An­ga­ben von Happ be­reit, sich auf ei­nen spä­te­ren Aus­zugs­ter­min zu ei­ni­gen, Um­zugs­kos­ten mit­zu­fi­nan­zie­ren oder bei der Woh­nungs­su­che zu un­ter­stüt­zen.

Wenn das En­de des Miet­ver­hält­nis­ses den Mie­ter, sei­ne Fa­mi­lie oder An­ge­hö­ri­ge un­zu­mut­bar hart tref­fen wür­de, ist es mög­lich, der Kün­di­gung zu wi­der­spre­chen. Mög­li­che Grün­de sind zum Bei­spiel ho­hes Al­ter, Schwan­ger­schaft, Schwer­be­hin­de­rung oder schwe­re psy­chi­sche Krank­heit. Kla­re Richt­li­ni­en für sol­che so­zia­len Här­te­fäl­le ge­be es aber nicht, sagt Chris­toph Herr­mann von der Zeit­schrift „Fi­nanz­test“.

Wer Wi­der­spruch ein­le­gen will, soll­te Rat von ei­nem Fach­an­walt für Miet­recht ein­ho­len. In dem Schrei­ben soll­ten al­le Grün­de auf­ge­führt wer­den, die für ei­ne so­zia­le Här­te spre­chen. In der Re­gel muss der Wi­der­spruch spä­tes­tens zwei Mo­na­te vor Ablauf der Kün­di­gungs­frist er­fol­gen, er­klärt Herr­mann.

„Der Ver­mie­ter muss die Kün­di­gung nach­voll­zieh­bar be­grün­den“ WOH­NEN & RECHT

Wird Mie­tern we­gen Ei­gen­be­darf ge­kün­digt, dür­fen sie noch ei­ne ge­wis­se Zeit in der Woh­nung blei­ben – je nach Miet­dau­er.

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