Nost­al­gie ist kein Ge­schäfts­mo­dell

Rheinische Post Moenchengladbach - - STIMME DES WESTENS - VON MICHA­EL BRÖCKER

Die Ge­schich­te der deut­schen Au­to­in­dus­trie ist ei­ne der In­ge­nieurs­kunst, der Wohl­stands­si­che­rung für Mil­lio­nen, der Ex­port­stär­ke. Das Au­to war seit Carl Benz nie nur ein Fort­be­we­gungs­mit­tel. Es war Iden­ti­tät. Nost­al­gie ist aber kein Ge­schäfts­mo­dell. Und auch ei­ne Au­to­fah­rer­na­ti­on muss nicht ak­zep­tie­ren, dass die gro­ßen Her­stel­ler of­fen­bar über Jahr­zehn­te Ver­brau­cher ge­täuscht, Emis­sio­nen ver­schwie­gen und Auf­sichts­gre­mi­en aus­ge­trickst ha­ben. Sat­te Ge­win­ne auf Kos­ten der Um­welt. Und die Au­to­lob­by in den Mi­nis­te­ri­en und Be­hör­den schau­te zu.

Ei­ne Gra­tis-Um­rüs­tung der Mo­to­ren ist das Min­des­te, ei­ne fi­nan­zi­el­le Ent­schä­di­gung für die Kun­den und ei­ne Ent­schul­di­gung wä­ren beim Die­sel-Gip­fel am Mitt­woch bes­ser. Die Kon­zer­ne kön­nen sich auf emp­find­li­che Stra­fen der EU ein­stel­len, wenn nur Bruch­tei­le der Kar­tell­vor­wür­fe zu­tref­fen.

Be­son­ders dra­ma­tisch ist, dass die Au­to­in­dus­trie die öko­lo­gi­sche Trend­wen­de ver­schläft. Die Welt­nach­fra­ge nach Pre­mi­um-Au­tos mit Ver­bren­nungs­mo­tor wird spä­tes­tens ein­bre­chen, wenn ab­gas­ge­plag­te Schwel­len­län­der wie Chi­na Fahr­ver­bo­te er­las­sen. Au­tos „Ma­de in Ger­ma­ny“wür­den zum La­den­hü­ter. Das ist das ei­gent­li­che Ri­si­ko für die 800.000 Be­schäf­tig­ten. BERICHT

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