Schwei­zer Agen­tur setzt auf den Nord­park

Swiss Mar­ke­ting Sys­tems aus Lu­zern hat sich Glad­bach für sei­ne ers­te Aus­lands­nie­der­las­sung aus­ge­sucht. Die Ex­per­ten für On­line-Mar­ke­ting wol­len an der Hen­nes-Weis­wei­ler-Al­lee zum gro­ßen Play­er rei­fen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE WIRTSCHAFT - VON JAN SCHNETTLER

Berlin hat­te man im Au­ge, Mün­chen und Ham­burg auch – am En­de fiel die Wahl auf den Nord­park. „In den gro­ßen Städ­ten ist die Kon­kur­renz groß, der Markt voll – und es ist schwie­rig, Mit­ar­bei­ter zu fin­den“, sagt Anh Tu Ta. Der 35-Jäh­ri­ge lei­tet die Agen­tur Swiss Mar­ke­ting Sys­tems, die seit Früh­jahr an der Hen­nes-Weis­wei­ler-Al­lee an­säs­sig ist. Denn Mön­chen­glad­bach ver­moch­te mit ei­ner (noch) über­schau­ba­ren Wett­be­werbs­si­tua­ti­on so­wie gu­ter In­fra­struk­tur und Ver­kehrs­an­bin­dung punk­ten. Nun gut – dass Anh Tu Ta Mön­chen­glad­ba­cher ist und die Schwie­ger­el­tern von Tho­mas Wos in der Nä­he woh­nen, mag auch ei­ne Ne­ben­rol­le ge­spielt ha­ben.

Tho­mas Wos näm­lich (31) ist der Mann hin­ter Swiss Mar­ke­ting Sys­tems, ei­ner ur­sprüng­lich im schwei­ze­ri­schen Lu­zern an­säs­si­gen Agen­tur. Im ver­gan­ge­nen Jahr be­rich­te­ten ver­schie­de­ne Me­di­en von Han­dels­blatt über Frankfurt Rund­schau bis N-TV über den Karls­ru­her, als mit­ge­teilt wur­de, dass ihm ein ame­ri­ka­ni­scher In­ves­tor bis zu 30 Mil­lio­nen Eu­ro für sei­ne Start-up-Ak­ti­vi­tä­ten zur Ver­fü­gung stel­le. Zwar ge­schah dies im Rah­men so ge­nann­ter Ad­ver­tori­als, al­so von An­zei­gen, die den Ein­druck ei­nes re­dak­tio­nel­len In­hal­tes er­we­cken – doch das sagt schon zwei­er­lei über Wos aus. Zum ei­nen, dass das Ka­pi­tal für sol­che Ad­ver­tori­als de­fi­ni­tiv vor­han­den sein muss – und zum an­de­ren, dass der Mar­ke­ting-Ex­per­te, der schon seit 15 Jah­ren in der Bran­che tä­tig ist, frag­los weiß, auf wel- cher Kla­via­tur er zu spie­len hat.

Wos und Anh Tu Ta sind gut be­freun­det, seit ge­rau­mer Zeit sind sie auch Ar­beits­kol­le­gen – und ha­ben sich mit dem Schritt, ei­ne ers­te Nie­der­las­sung au­ßer­halb der Schweiz zu er­öff­nen, ehr­gei­zi­ge Zie­le ge­setzt. Mit sie­ben Mit­ar­bei­tern und (seit heu­te) zwei Aus­zu­bil­den­den geht man an den Start, bis nächs­tes Jahr will man be­reits auf 30 Mit­ar­bei­ter auf­ge­stockt ha­ben. „Und in drei bis fünf Jah­ren wol­len wir in Glad­bach bei bis zu 200 Mit­ar­bei­tern sein“, sagt Wos. Und das in den un­ter­schied­lichs­ten Be­rei­chen. Denn Anh Tu Ta Chief Ope­ra­ting Of­fi­cer Swiss Mar­ke­ting Sys­tems sieht sich als Full-Ser­vice-Agen­tur. Wäh­rend Ge­schäfts­be­rei­che wie Grün­der­be­ra­tung und Start-up-In­vest­ments auch wei­ter über Lu­zern lau­fen sol­len, kon­zen­triert man sich im Nord­park zu­nächst auf The­men wie Web-Ent­wick­lung, Pro­gram­mie­ren und On­line-Wer­bung.

Haupt­ziel­grup­pe sind Un­ter­neh­men, die über das In­ter­net Kun­den ge­win­nen möch­ten. „Wir ha­ben ein gro­ßes Wer­be­netz­werk mit vie­len Part­nern im Rü­cken“, sagt Wos. Der Fo­kus lie­ge aber auf ei­ge­nen Pro­jek­ten, die von ex­ter­nen In­ves­to­ren fi­nan­ziert und ent­spre­chend lang­fris­tig ab­ge­si­chert sei­en. Im Kern der Ak­ti­vi­tä­ten steht ei­ne ei­ge­ne News­let­ter-Ver­sand-Soft­ware, die man für den in­ter­na­tio­na­len Markt ent­wi­ckelt ha­be – und die da­für sorgt, dass E-Mails der Kun­den nicht im Spam-Ord­ner, son­dern im Postein­gang lan­den. Da­bei be­tont Wos je­doch, dass man ei­ne strik­te An­ti-Spam-Po­li­tik ver­tre­te. „Wir ach­ten dar­auf, dass wir nur Kun­den ha­ben, die oh­ne ge­kauf­te Adres­sen vor­ge­hen. Al­les an­de­re wür­de auch uns selbst scha­den.“

Des Wei­te­ren sei ei­ne Smart­pho­ne-App in der Ent­wick­lung, mit der sich Or­ga­ni­sa­ti­ons­ab­läu­fe in Schu­len zwi­schen Schu­le, Leh­rern und El­tern ver­ein­fa­chen las­sen; sie soll gra­tis sein und sich über Wer­be­ele­men­te rech­nen. Ei­ne Ra­ting-Web­site zum Be­wer­ten von In­ter­net­sei­ten ist in Pla­nung, für die auch Fern­seh­wer­bung ge­schal­tet wer­den soll, so­bald sie fer­tig ist. So­gar ei­nen Ho­tel­kauf­mann sucht Swiss Mar­ke­ting Sys­tems der­zeit. Denn man sei mit der Ge­mein­de Bö­nen (Kreis Un­na) be­züg­lich des Baus ei­nes Ho­tels im Ge­spräch, sagt Wos – an­ge­dacht sei, das Kon­zept spä­ter zu ei­ner ei­ge­nen Ho­tel­mar­ke wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.

Ein um­trie­bi­ges Ide­en­la­bor al­so ist da im Ent­ste­hen be­grif­fen, in dem Ge­bäu­de­kom­plex, in dem auch das Call-Cen­ter-Un­ter­neh­men Te­le­per­for­mance sitzt. „Die Ar­beits­at­mo­sphä­re ist uns sehr wich­tig, die Mit­ar­bei­ter sol­len Spaß ha­ben. Das soll hier ein rich­ti­ges Start-up wer­den“, sagt Anh Tu Ta, der üb­ri­gens ge­lern­ter Zer­spa­nungs­me­cha­ni­ker ist. 386 Qua­drat­me­ter hat man für zu­nächst fünf Jah­re an­ge­mie­tet, Ex­pan­si­ons­mög­lich­kei­ten sind vor­han­den.

„Das soll hier ein rich­ti­ges Start-up wer­den“

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