Steu­er­er­klä­rung soll ein­fa­cher wer­den

Im­mer mehr Rent­ner müs­sen Steu­ern zah­len. In Meck­len­burg-Vor­pom­mern kön­nen sie nun auf ei­ne Steu­er­er­klä­rung ver­zich­ten. Auch NRW will es den Bür­gern leich­ter ma­chen. Was Rent­ner jetzt schon wis­sen müs­sen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON ANTJE HÖNING

DÜSSELDORF Oh­ne Steu­er­er­klä­rung zum Steu­er­be­scheid: Das ist für Se­nio­ren in Meck­len­burg-Vor­pom­mern seit Mai mög­lich. Dort tes­ten die Fi­nanz­äm­ter das so­ge­nann­te „Amts­ver­an­la­gungs­ver­fah­ren für Rent­ner“: Se­nio­ren, die nur Ein­nah­men aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung er­zie­len, brau­chen kei­ne Steu­er­er­klä­rung zu ma­chen. Die Fi­nanz­äm­ter er­stel­len den Steu­er­be­scheid al­lein auf Ba­sis von Da­ten, die ih­nen oh­ne­hin zur Ver­fü­gung ste­hen – wie der Ren­ten­be­zugs­mit­tei­lung der Ren­ten­ver­si­che­rung und per­sön­li­che An­ga­ben.

Nord­rhein-West­fa­len bie­tet den Ser­vice nicht an. Doch auch Fi­nanz­mi­nis­ter Lutz Lie­nen­käm­per will et­was tun: „NRW hat sich Ver­ein­fa­chung auf die Fah­ne ge­schrie­ben. Die Fi­nanz­äm­ter wol­len mit bür­ger­na­hem Ser­vice den Bür­gern die Steu­er­er­klä­rung er­leich­tern, ganz be­son­ders den Rent­nern“, sag­te er. Seit kur­zem steht be­reits die neue Ver­si­on des In­ter­net­por­tals von „Els­ter“, der elek­tro­ni­schen Steu­er­er­klä­rung, zur Ver­fü­gung. Es las­se sich leich­ter be­die­nen und sei von PC, Ta­blet und Smart­pho­ne nutz­bar, so der Mi­nis­ter. Spä­tes­tens 2019 sol­le das Por­tal den Bür­gern ei­nen di­rek­ten Dia­log mit ih­rem Fi­nanz­amt er­mög­li­chen. Dass kann PCu­n­er­fah­re­nen Bür­gern hel­fen, auf die elek­tro­ni­sche Er­klä­rung um­zu­stei­gen. Bis 2018 will die Fi­nanz­ver­wal­tung zu­dem ih­re Schrei­ben in bür­ger­na­he Spra­che über­set­zen.

Das The­ma wird wich­ti­ger, denn im­mer mehr Se­nio­ren rut­schen in die Steu­er­pflicht. Bun­des­weit müs­sen be­reits 4,4 Mil­lio­nen Rent­ner Steu­ern zah­len. Al­lein in NRW sind 1,3 Mil­lio­nen Rent­ner be­trof­fen. Wer muss zah­len? Wer ne­ben der ge­setz­li­chen Ren­te ei­ne Be­triebs­ren­te, Miet- oder Ka­pi­tal­ein­künf­te hat, muss grund­sätz­lich ei­ne Steue­rer- Ma­xi­ma­le mo­nat­li­che Ren­te (in Eu­ro), ge­ord­net nach Jahr des Ren­ten­be­ginns, bei der für 2016 noch kei­ne Steu­er an­fällt* Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le *ge­setz­li­che Ren­te vor Ab­zug von Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung; al­lein­ste­hen­der Rent­ner oh­ne zu­sätz­li­che Ein­künf­te klä­rung ma­chen und meist zah­len. Wer da­ge­gen nur ge­setz­li­che Ren­te be­zieht, muss auf das Jahr der Pen­sio­nie­rung ach­ten. Wer 2005 Rent­ner wur­de, muss 50 Pro­zent sei­ner Be­zü­ge ver­steu­ern. Wer in die­sem Jahr in den Ru­he­stand geht, muss 74 Pro­zent ver­steu­ern. Aber nur, wenn er da­mit über dem jähr­li­chen Gr­und­frei­be­trag von 8820 Eu­ro (Ehe­paar: 17.640 Eu­ro) liegt. Ab wel­cher Ren­te fällt die Steu­er an? Für je­den Jahr­gang schreibt der Fis­kus ei­nen steu­er­frei­en Be­trag fest, den der Rent­ner sein Le­ben lang mit­nimmt. Wer 2005 in Ru­he­stand ge­gan­gen ist, muss dem­nach kei­ne Steu­ern zah­len, wenn sei­ne Brut­to­ren­te nicht hö­her ist als 1604 Eu­ro im Mo­nat (und er kei­ne wei­te­ren Ein­künf­te hat). Wer 2016 aus dem Job aus­ge­schie­den ist, bleibt un­be­hel­ligt, so lan­ge er nicht mehr als 1196 Eu­ro be­kommt (Gra­fik). Bei ge­mein­sam ver­an­lag­ten Ehe­part­nern ist die Sum­me dop­pelt so hoch. Kann man steu­er­pflich­tig wer­den, auch wenn man es bis­her nicht war? Ja. Manch­mal rei­chen für Se­nio­ren mit gu­ter Ren­te schon klei­ne Er­hö­hun­gen aus, um plötz­lich steu­er­pflich­tig zu wer­den, wie der Bund der Steu­er­zah­ler er­läu­tert. Glei­ches gilt, wenn ei­ne Frau Wit­we wird und ne­ben ih­rer ei­ge­nen ei­ne Wit­wen­ren­te er­hält. Sie kann steu­er­pflich­tig wer­den, ob­wohl das Paar es zu Leb­zei­ten des Man­nes nicht war. Doch das Paar hat­te eben zwei Frei­be­trä­ge, die Wit­we hat nur ei­nen. Was kann man ab­set­zen? Wie je­der Bür­ger kann auch der Rent­ner den Wer­be­kos­ten- und Son­der­aus­ga­ben-Pausch­be­trag, Spen­den und Mit­glieds­bei­trä­ge (et­wa für Par­tei­en) gel­tend ma­chen. Wer ei­ne Putz­frau be­schäf­tigt, kann die Kos­ten als haus­halts­na­he Di­enst­leis­tung an­ge­ben. Bei Hand­wer­ker-Rech­nun­gen kann man 20 Pro­zent des Ar­beits- lohns ab­set­zen, ma­xi­mal 1200 Eu­ro. Ha­ben die Se­nio­ren ho­he Ge­sund­heits­aus­ga­ben, kön­nen sie die­se als au­ßer­ge­wöhn­li­che Be­las­tung gel­tend ma­chen. In­fra­ge kom­men et­wa die Selbst­be­tei­li­gung bei Zahn- und Au­gen­arzt. Die­se Mög­lich­kei­ten hat man beim ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren in Meck­len­burg-Vor­pom­mern üb­ri­gens nicht mehr, kri­ti­siert der Bund der Steu­er­zah­ler. Ei­ne Tü­cke. Was tun, wenn man un­si­cher ist? Im Zwei­fel ei­ne Steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben, rät der Steu­er­zah­ler-Bund. Oh­ne­hin teilt die Ren­ten­kas­se dem Fi­nanz­amt die Hö­he der Ren­te mit. Bei Se­nio­ren, die noch kei­ne Er­klä­rung ge­macht ha­ben, prüft es, ob die­se fäl­lig wird. Da­zu muss der Rent­ner min­des­tens Man­tel­bo­gen und An­la­ge R aus­fül­len.

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