Spiel­hal­len-Aus: Stadt rech­net mit Kla­gen

Nach dem neu­en Glücks­spiel­ge­setz müss­te die Stadt et­li­che Spiel­hal­len schlie­ßen. Das bringt die Kom­mu­ne in ei­ne schwie­ri­ge La­ge. Denn mit wel­cher Be­grün­dung kann sie ei­ner Spiel­stät­te die Li­zenz ver­wei­gern, der an­de­ren nicht?

Rheinische Post Moenchengladbach - - WEITSICHT - VON GA­BI PETERS UND ANDRE­AS GRUHN

Ein­ar­mi­gen Ban­di­ten geht es an den Kra­gen: Am 1. De­zem­ber tritt der neue Glücks­spiel­staats­ver­trag in Kraft. Und der schreibt vor, dass nach dem Aus­lau­fen ei­ner fünf­jäh­ri­gen Über­gangs­zeit ab dem Stich­tag zwi­schen zwei Spiel­hal­len ein Min­dest­ab­stand von 350 Me­tern lie­gen muss. Das ist zur­zeit in Mön­chen­glad­bach bei nur fünf Spiel­stät­ten der Fall. Al­le an­de­ren 67 Spiel­ca­si­nos lie­gen en­ger bei­ein­an­der. An der un­te­ren Hin­den­burg­stra­ße ist das bei­spiels­wei­se so. Dort müs­sen Spie­lo­the­ken ge­schlos­sen wer­den. Wel­che? Die­se Ent­schei­dung liegt bei der Stadt.

In NRW be­nö­ti­gen die Be­trei­ber von Spiel­hal­len ab dem 1. De­zem­ber zu­sätz­lich zu der bis­he­ri­gen ge­wer­be­recht­li­chen Er­laub­nis ei­ne glücks­spiel­recht­li­che Li­zenz. Die müs­sen die Be­trei­ber bei der Be­hör­de be­an­tra­gen, wenn sie wei­ter im Glück­spiel­ge­schäft blei­ben wol­len. Die Kom­mu­ne muss dann ent­schei­den, ob die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind. Lie­gen drei Spiel­hal­len in ei­nem 350-Me­ter-Ra­di­us, dürf­te nur ei­ne die nö­ti­ge neue Li­zenz er­hal­ten, die an­de­ren bei­den müss­ten ge­schlos­sen wer­den. Frei­wil­lig wird wohl kein Be­trei­ber auf das Ge­schäft mit dem Glück ver­zich­ten. Die Stadt er­war­tet in die­sem Jahr fünf Mil­lio­nen Eu­ro an Ver­gnü­gungs­steu­er. Hier­von ent­fal­len auf Spiel­au­to­ma­ten mit Ge­winn­mög­lich­kei­ten bei ei­nem Steu­er­satz von 20 Pro­zent rund 4,98 Mil­lio­nen Eu­ro. Da lässt sich leicht aus­rech­nen, wie viel Geld in den Spiel­hal­len aus­ge­ge­ben wird.

Dass die Stadt Mön­chen­glad­bach jetzt mit ei­ner Kla­ge­wel­le rech­net, wun­dert nicht. In Hes­sen trat das ver­schärf­te Spiel­hal­len­ge­setz be­reits am 1. Ju­li in Kraft. Fast al­le Spie­lo­the­ken-Be­trei­ber ha­ben dort auf Aus­nah­me­re­ge­lun­gen ge­pocht und Här­te­fall­re­ge­lun­gen be­an­tragt. Ähn­li­ches gilt für Nie­der­sach­sen. Dort gab es we­gen der neu­en Spiel­hal­len-Re­ge­lung eben­falls ei­ne Kla­ge­wel­le. Das Land hat­te ent­schie­den, dass im Zwei­fels­fall das Los dar­über ent­schei­det, wel­che Spiel­stät­te ge­schlos­sen wird und wel­che nicht. Die Fol­ge: Bei den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten häuf­ten sich die EilAn­trä­ge ge­gen die­ses Ver­fah­ren. Das Pro­blem: Es gab un­ter­schied­li­che Ent­schei­dun­gen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ol­den­burg ur­teil­te, das Los­ver­fah­ren sei rech­tens, in Os­na­brück ver­kün­de­ten die Rich­ter, es sei rechts­wid­rig.

Auch in Mön­chen­glad­bach geht man von Aus­nah­me- und Här­te­fall­re­ge­lun­gen aus. „Wie vie­le Spiel­hal­len tat­säch­lich schlie­ßen wer­den, kön­nen wir des­halb zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht be­ant­wor­ten“, sagt Stadt­spre­cher Dirk Rüt­ten. Be­last­ba­re Zah­len könn­ten erst ge­lie­fert wer­den, wenn al­le Er­laub­nis­ver­fah­ren für die 72 Spiel­hal­len in­klu­si­ve der Be­ar­bei­tung der Aus­nah­meund Här­te­fall­an­trä­ge ab­ge­schlos­sen sind.

In der städ­ti­schen Be­ra­tungs­stel­le für sucht­ge­fähr­de­te Men­schen beim Ge­sund­heits­amt wer­den stän­dig 30 bis 50 Kli­en­ten mit ris­kan­tem oder pa­tho­lo­gi­schem Glücks­spiel­ver­hal­ten be­treut und be­ra­ten. Die Zahl der Be­ra­tungs­su­chen­den sei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ins­ge­samt sta­bil ge­blie­ben, sagt Rüt­ten. Deut­lich zu­ge­nom­men ha­be die Zahl der Kli­en­ten mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund.

FO­TOS: MU­RAT (DPA)/RAUPOLD

In Zu­kunft müs­sen zwi­schen zwei Spiel­hal­len min­des­tens 350 Me­ter lie­gen.

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