IHK: Stadt muss Ak­teu­re stär­ker ein­bin­den

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON DE­NI­SA RICH­TERS UND JAN SCHNETTLER

Von der neu­en schwarz-gel­ben Lan­des­re­gie­rung er­hofft sich Jür­gen St­ein­metz, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Mitt­le­rer Nie­der­rhein, viel. Ei­ner der wich­tigs­ten Punk­te ist für ihn, dass end­lich Rechts­si­cher­heit bei den Sonn­tags­öff­nun­gen ge­schaf­fen wird. Ak­tu­ell dür­fen Lä­den nur dann sonn­tags öff­nen, wenn par­al­lel ein Er­eig­nis statt­fin­det, das mehr Be­su­cher zieht als die Sonn­tags­öff­nung. St­ein­metz ist op­ti­mis­tisch, dass es ei­ne kla­re­re, rechts­si­che­re Re­ge­lung ge­ben wird, die in In­nen­städ­ten acht statt bis­her vier ver­kaufs­of­fe­ne Sonn­ta­ge zu­lässt.

In Mön­chen­glad­bach hat­te es we­gen der nicht ganz kla­ren Rechts­la­ge in die­sem Jahr ein be­mer­kens­wer­tes Hin und Her um die ver­kaufs­of­fe­nen Sonn­ta­ge ge­ge­ben. Un­rühm­li­cher Hö­he­punkt war der Plan der Stadt, am 2. Ju­li, dem Tag der Tour de Fran­ce, die La­den­öff­nung zu er­lau­ben. Nur woll­te am En­de kein gro­ßer Händ­ler mit­ma­chen. Zu groß war die Ge­fahr, we­gen der vie­len Sper­ren für Kun­den un­er­reich­bar zu sein.

Fal­scher Ter­min, un­zu­rei­chen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on, so St­ein­metz’ Fa­zit. Künf­tig soll­ten sol­che Ent­schei­dun­gen im Ein­klang mit den Ak­teu­ren ge­trof­fen wer­den. „Der Ober­bür­ger­meis­ter ist ein­ge­la­den, sich mit Han­dels­ver­bän­den, Ge­wer­be und den städ­ti­schen Ver­ant­wort­li­chen an ei­nen Tisch zu set­zen“, so St­ein­metz.

Da­bei soll auch die seit mehr als ei­nem Jahr in ei­nem Pi­lot­pro­jekt prak­ti­zier­te neue Li­ni­en­füh­rung der Bus­se in der In­nen­stadt The­ma sein. Sie fah­ren auf der Hin­den­burg­stra­ße nur noch in Rich­tung Ober­stadt, berg­ab wer­den sie über die St­ein­metz­stra­ße ge­führt. Bei Fahr­gäs­ten, aber auch bei Händ­lern war das auf Kri­tik ge­sto­ßen. Letz­te­re kri­ti­sier­ten, dass sie nicht aus­rei­chend ein­be­zo­gen wor­den sei­en. „Man muss Ide­en nicht ver­ur­tei­len“, sagt St­ein­metz, „aber man muss sie mit den Be­trof­fe­nen be­spre­chen.“

Glei­ches gel­te für die Gestal­tungs­sat­zung, die in Rhe­ydt be­reits gilt und auf Glad­bach über­tra­gen wer­den kann. Es sei rich­tig, im öf­fent­li­chen Raum, al­so bei gas­tro­no­mi­schen Ter­ras­sen, Schau­fens­tern und Wer­be­schil­dern, auf ei­ne ge­wis­se Qua­li­tät zu po­chen. „Man kann aber nicht al­les über ei­nen Kamm sche­ren, son­dern muss auch ein Stück weit Krea­ti­vi­tät und In­di­vi­dua­li­tät zu­las­sen“, be­tont St­ein­metz. Auch da gel­te es, die Be­trof­fe­nen ein­zu­be­zie­hen, um ei­nen „Mit­tel­weg“zu fin­den. Sinn­voll fin­det St­ein­metz Über­le­gun­gen, in der Ober­stadt, wo beim Ein­zel­han­del vie­le Leer­stän­de zu ver­bu­chen sind, die Han­dels­flä­chen zu ver­rin­gern. „Der Ein­zel­han­del ver­än­dert sich im Mo­ment stark, die Zei­ten des quan­ti­ta­ti­ven Wachs­tums sind vor­bei.“Des­halb ge­he es eher dar­um, qua­li­ta­ti­ven, in­ha­ber­ge­führ­ten und in­di­vi­du­el­len Ein­zel­han­del zu stär­ken. „Die Fuß­gän­ger­zo­nen, wie wir sie ken­nen, wer­den sich ver­kür­zen“, be­tont St­ein­metz. Die Chan­ce sieht er für Städ­te mit ei­nem be­son­de­ren An­ge­bot. In der Pflicht sieht er die öf­fent­li­che Hand, nicht nur auf kom­mu­na­ler, son­dern auch auf Lan­des- und Bun­des­ebe­ne, auch beim Breit­band­aus­bau: „Das kann nicht al­lein in der Ver­ant­wor­tung von Pri­vat­in­itia­ti­ven lie­gen.“Der Aus­bau müs­se fi­nan­zi­ell for­ciert wer­den.

FO­TOS: DE­NI­SA RICH­TERS, ANDRE­AS WOITSCHÜTZKE (AR­CHIV)

Seit rund ei­nem Jahr fah­ren die Bus­se auf der Hin­den­burg­stra­ße nur noch Rich­tung Ober­stadt, in der Ge­gen­rich­tung bleibt die Hal­te­stel­le leer. Jür­gen St­ein­metz (IHK) kri­ti­siert das Vor­ge­hen.

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