Es man­gelt an Re­spekt

Rheinische Post Moenchengladbach - - STIMME DES WESTENS - VON LOTHAR SCHRÖ­DER

Mo­der­ne Kunst ist im bes­ten Sin­ne im­mer ei­ne Art Pro­vo­ka­ti­on: ein Wi­der­stand ge­gen die Kon­ven­ti­on, ei­ne Ir­ri­ta­ti­on im Ge­wohn­ten, ei­ne Stö­rung des schein­bar Rei­bungs­lo­sen. Ein ge­wis­ses Streit­po­ten­zi­al ge­hört zu ih­rem We­sen, das noch ge­stei­gert wird, wenn sich Kunster­fah­rung nicht im ge­si­cher­ten Ter­rain von Mu­se­en er­eig­net, son­dern im so­ge­nann­ten öf­fent­li­chen, un­ge­schütz­ten Raum. Dann kommt es zu Kon­fron­ta­tio­nen, die hef­ti­ger sind als üb­lich und bei de­nen auch Res­sen­ti­ments ge­gen al­les Mo­der­ne zum Aus­druck kom­men. Der zu­neh­men­de Van­da­lis­mus – wie jetzt bei der wie­der­hol­ten Be­schä­di­gung von Kunst­wer­ken in Müns­ter – ver­wei­gert je­den Streit. In der Kunst-Ver­nich­tung steckt die Un­fä­hig­keit zur Ar­ti­ku­la­ti­on, der Man­gel an Re­spekt und die Ver­wei­ge­rung, sich auf An­de­res über­haupt ein­zu­las­sen. Wer Kunst zer­stört, möch­te ih­re Über­lie­fe­rung be­en­den. Man muss nicht je­de Kunst mö­gen. Van­da­lis­mus aber ist ein be­denk­li­ches Sym­ptom für un­se­re Ge­sell­schaft. Weil der Lust an Zer­stö­rung im­mer auch der Ver­lust an Neu­gier, Of­fen­heit und To­le­ranz in­ne­wohnt. BE­RICHT

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