Schock-Ro­cker Ali­ce Co­oper zu­rück mit neu­em Al­bum

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON MAR­KUS BALSER

DÜSSELDORF Ei­gent­lich führt Vin­cent Da­mon Fur­nier das Le­ben ei­nes durch­schnitt­li­chen wei­ßen Ame­ri­ka­ners. Der 69-Jäh­ri­ge ist gläu­bi­ger Christ, der, wenn es geht, je­den Sonn­tag in der Kir­che an­zu­tref­fen ist. Er ist seit über 30 Jah­ren ver­hei­ra­tet und lei­den­schaft­li­cher Golf­spie­ler mit gu­tem Han­di­cap.

Seit bald fünf Jahr­zehn­ten je­doch schlüpft der schlak­si­ge Mann mit den im­mer noch dunk­len Haa­ren in die Rol­le ei­ner düs­ter ge­schmink­ten Kunst­fi­gur, die im Be­reich der här­te­ren Rock­mu­sik stil­prä­gend war. Schock- oder Hor­ror-Rock nann­te man das, was Ali­ce Co­oper sei­nem Pu­bli­kum seit den frü­hen 1970er Jah­ren prä­sen­tier­te. Mit Ti­teln wie „School’s Out“oder „Un­der My Wheels“lan­de­te er ve­ri­ta­ble Hits. Vor al­lem be­kannt wur­de er je­doch durch sei­ne Büh­nen­show, die wie ein Trip durch ei­ne Geis­ter­bahn da­her­kommt – bi­zar­res Ma­ke-up, viel künst­li­ches Blut, le­ben­di­ge Schlan­gen und am En­de ei­ne Hin­rich­tung. Da­bei stets im Mit­tel­punkt: Sän­ger Ali­ce Co­oper. Nach sechs Jah­ren Pau­se ist Co­oper nun mit ei­nem neu­en Al­bum zu­rück. „Pa­ra­nor­mal“heißt es und führt zu sei­nen mu­si­ka­li­schen Wur­zeln. Zum ei­nen wur­den für zwei der ins­ge­samt 18 Songs die al­ten Band­kol­le­gen aus der An­fangs­zeit sei­ner Kar­rie­re zu­sam­men­trom­melt. Zum an­de­ren wen­det sich Co­oper auch wie­der dem Sound zu, mit dem er be­son­ders viel Er­folg hat­te: groß­spu­ri­ge Gi­tar­ren, hier und da ein biss­chen dick auf­ge­tra­ge­ner Bom­bast – ei­ne Ton­trä­ger ge­wor­de­ne Ro­cky Hor­ror Pic­tu­re Show. Mit im Boot sind auch Mu­si­ker von ZZ Top, Deep Pur­p­le und U2, au­ßer­dem Bob Ez­rin, der einst Pink Floyd pro­du­zier­te, aber mit Ali­ce Co­oper sei­ne ers­ten Er­fol­ge hat­te. Und auch wenn das Rad hier nicht neu er­fun­den wird, die­se Dop­pel-CD macht Spaß. Vor al­lem im­mer dann, wenn sie vor­her­seh­ba­re Pfa­de ver­lässt, wie et­wa auf „Dy­na­mi­te Road“, dem Stamp­fer des Al­bums. Wer Ali­ce Co­oper li­ve se­hen will: Am 18. No­vem­ber tritt er im Kre­fel­der Kö­nigs­pa­last auf.

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