Ge­richt ver­han­delt Be­trugs­ma­sche mit Tep­pich

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON IN­GRID KRÜ­GER

Ein 52-jäh­ri­ger Köl­ner muss­te sich ges­tern we­gen Be­tru­ges vor dem Mön­chen­glad­ba­cher Amts­ge­richt ver­ant­wor­ten. Da­bei ging es um ei­nen Tep­pich, ei­nen an­geb­lich sehr wert­vol­len Ori­ent­tep­pich. Dem An­ge­klag­ten warf die Staats­an­wäl­tin vor, im No­vem­ber 2013 ei­ne Mön­chen­glad­ba­che­rin falsch be­ra­ten zu ha­ben. Der Tep­pich, an­geb­lich ein Bu­cha­ra, sei et­wa 15.000 Eu­ro wert, soll er der Be­sit­ze­rin ge­sagt ha­ben. Al­ler­dings müs­se das gu­te Stück vor­her mit ei­ner Edel­wä­sche be­han­delt und auf­wen­dig re­stau­riert wer­den. Das wür­de et­wa 3500 Eu­ro kos­ten. An­schlie­ßend soll­te der Tep­pich von dem Mön­chen­glad­ba­cher Händ­ler, für den der An­ge­klag­te als Aus­hil­fe tä­tig war, in Kom­mis­si­on ver­kauft wer­den. Die Tep­pich­be­sit­ze­rin woll­te sich da­mals erst mal mit ih­rer Fa­mi­lie be­ra­ten. Doch dann hat­te es Är­ger ge­ge­ben. Plötz­lich sei der Tep­pich auch nach Edel­wä­sche und Re­stau­ra­ti­on nur noch höchs­tens 1500 oder gar nur 800 Eu­ro wert ge­we­sen. Dem An­ge­klag­ten wur­de Be­trug vor­ge­wor­fen.

Doch der konn­te sich ges­tern im Ge­richts­saal kaum noch an die Ge­sprä­che mit der Mön­chen­glad­ba­che­rin er­in­nern: „Ich war da nur als Aus­hil­fe be­schäf­tigt.“Ihm wur­de ein Ver­trag vor­ge­legt, den er an­geb­lich un­ter­schrie­ben ha­be. Doch der An­ge­klag­te er­klär­te ge­las­sen: „Ich bin An­alpha­bet. Ich ha­be das nicht un­ter­schrie­ben. Ich ha­be we­der ei­nen Schul­ab­schluss noch ei­ne Aus­bil­dung. Ich bin kein Sach­ver­stän­di­ger. Al­les, was ich über Tep­pi­che weiß, hat mir mein Va­ter bei­ge­bracht. Im Tep­pich­han­del mei­ner Frau bin ich nur ge­ring­fü­gig be­schäf­tigt.“

Da­ge­gen er­in­ner­te sich ei­ne 59jäh­ri­ge Zeu­gin, was sie da­mals in der Woh­nung ih­rer El­tern in Mön­chen­glad­bach von den Tep­pich­be­schrei­bun­gen mit­be­kom­men hat­te. Der An­ge­klag­te ha­be ei­ni­ge Tep­pi­che ih­rer El­tern als wert­voll an­ge­prie­sen. Der Bu­cha­ra, um den es wohl da­mals haupt­säch­lich ging, wür­de Lieb­ha­ber­prei­se er­zie­len, ha­be sie von dem An­ge­klag­ten ge­hört. Doch der 52-Jäh­ri­ge aus Köln blieb un­ge­rührt da­bei: Dar­an kön­ne er sich nicht er­in­nern.

Am En­de be­schloss das Ge­richt, die Ver­hand­lung am 16. Au­gust fort­zu­set­zen. Ei­ne Zeu­gin, die da­mals an den Be­ra­tun­gen in der Woh­nung in Mön­chen­glad­bach be­tei­ligt war, war ges­tern dem Ge­richt fern­ge­blie­ben. Oh­ne de­ren Aus­sa­ge kön­ne der Be­trugs­fall nicht ent­schie­den wer­den, be­grün­de­te der Rich­ter den Be­schluss, den Pro­zess fort­zu­set­zen.

„Ich bin An­alpha­bet. Ich ha­be das nicht un­ter­schrie­ben“

An­ge­klag­ter (52)

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.