Ode an die Freund­schaft

Ein pri­va­ter Ver­ein küm­mert sich in Mön­chen­glad­bach um die sechs Städ­te­part­ner­schaf­ten. Vom Land NRW gab es da­für jetzt 5000 Eu­ro. Wie wer­den die Part­ner­schaf­ten heu­te noch ge­lebt?

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON MAREI VITTINGHOFF

Das „Fest der Freund­schaft“im nord­fran­zö­si­schen Rou­baix hat An­net­te Coe­nen-Lösch schon im­mer be­geis­tert. „Es gibt Mu­sik­dar­bie­tun­gen, Men­schen ver­schie­dens­ter Na­tio­nen stel­len Es­sen be­reit und prei­sen ih­re Wa­ren an. „Wir wa­ren schon oft zu Be­such und sind von Stand zu Stand ge­zo­gen. Es war je­des Mal schön“, schwärmt die Vor­sit­zen­de des Ver­eins „In­ter­es­sen­ge­mein­schaft Städ­te­part­ner­schaft Mön­chen­glad­bach“. Rou­baix, die Fran­zö­sin un­ter den sechs Glad­ba­cher Part­ner­städ­ten, fei­ert die Viel­falt in Form ei­nes bun­ten Fes­tes und lässt den Ge­schmack Bot­schaf­ter ih­rer Mis­si­on des Zu­sam­men­le­bens sein. Es­sen ver­bin­det – das ist kein Ge­heim­nis. Und trotz­dem ein kla­res Zei­chen in ei­ner Zeit, in der der eu­ro­päi­sche Ge­dan­ke zu­neh­mend in Fra­ge ge­stellt wird. Die­sen Ef­fekt möch­te nun auch die In­ter­es­sen­ge­mein­schaft in Mön­chen­glad­bach für ih­re neue Ak­ti­on nut­zen. „Meet and Eat – ein in­ter­kul­tu­rel­les Koch­pro­jekt“heißt das Kon­zept, das der Ver­ein im Mai für den Lan­des­wett­be­werb mit dem Ti­tel „Eu­ro­pa bei uns zu­hau­se“ein­ge­reicht hat. Am 11. Ju­li gab es schließ­lich die Zu­sa­ge vom nord­rhein-west­fä­li­schen Eu­ro­pa­mi­nis­ter Ste­phan Holt­hof­fP­fört­ner: Glad­bach ist un­ter den 19 Städ­te­part­ner­schafts­ver­ei­nen und Kom­mu­nen, die für ih­re Ar­beit ei­nen fi­nan­zi­el­len Zu­schuss er­hal­ten. Wie aber North Ty­ne­si­de (seit 18. No­vem­ber 1958 Part­ner­stadt von Rhe­ydt) Rou­baix (8. Ju­ni 1969) Thur­rock (5. Sep­tem­ber 1969, Rhe­ydt) Ver­viers (20. Ju­ni 1970) Brad­ford (12. Ju­ni 1971) Ro­er­mond (13. Mai 1972) will der Ver­ein, der zur­zeit um die 50 Mit­glie­der zählt, Eu­ro­pa durch das Ko­chen nach Mön­chen­glad­bach ho­len?

„Wir wol­len Flücht­lin­gen und Zu­ge­wan­der­ten das An­kom­men er­leich­tern, in­dem wir mit ih­nen vom 1. No­vem­ber bis zum 31. Ju­li nächs­ten Jah­res ei­nen Koch­kur­sus durch­füh­ren“, er­klärt Coe­nen-Lösch. „Der Kur­sus soll als Tan­dem statt­fin­den – im­mer ein Mit­glied des Städ­te­part­ner­schafts­ver­eins und ein Flücht­ling oder Zu­ge­zo­ge­ner ko­chen zu­sam­men. „Vor dem Herd kommt man mit­ein­an­der ins Ge­spräch, tauscht sich aus und lernt die Re­zep­te der je­wei­li­gen Län­der aus ers­ter Hand ken­nen“, sagt die Vor­sit­zen­de des Ver­eins. Auf die­se Wei­se sol­len mal ty­pisch deut­sche und mal Ge­rich­te an­de­rer Kul­tu­ren in der Grup­pe zu­be­rei­tet und ge­ges­sen wer­den. „Wir wol­len den Ver­ein öff­nen und auf neue Leu­te zu­ge­hen“, sagt Coe­nen-Lösch. Um die re­gel­mä­ßi­gen Tref­fen fest­zu­hal­ten, wird die Ak­ti­on von Glad­ba­cher Fo­to­künst­lern be­glei­tet. Ein Koch­buch mit den bes­ten Re­zep­ten run­det das Pro­jekt schließ­lich ab.

Den Ver­eins­mit­glie­dern reicht das aber noch nicht. Die Part­ner­städ­te Rou­baix und Ver­viers sol­len in die Koch­ak­ti­on ein­ge­bun­den wer­den, in­dem Ver­tre­ter aus den je­wei­li­gen Städ­ten zu den Ge­mein­schafts­aben­den ein­ge­la­den und die Er­geb­nis­se nach En­de des Pro­jekts in den bei­den fran­zö­si­schen und bel­gi­schen Or­ten prä­sen­tiert wer­den. War­um aber ge­ra­de Rou­baix und Ver­viers? „Die Städ­te ha­ben ei­nen ho­hen Aus­län­der­an­teil und ste­hen dar­um vor der glei­chen Auf­ga­be wie Mön­chen­glad­bach: In­te­gra­ti­on. Durch die ähn­li­che Struk­tur lässt sich das Pro­jekt leicht über­tra­gen. Au­ßer­dem ist der Rei­se­weg für den Aus­tausch recht schnell“, klärt Coe­nen-Lösch auf.

Nun hat es für die Eh­ren­amt­ler den ma­xi­ma­len Be­trag von 5000 Eu­ro vom Land ge­ge­ben: Ei­ne wich­ti­ge Un­ter­stüt­zung, denn die Stadt Mön­chen­glad­bach hat den Haus­halts­pos­ten für Städ­te­part­ner­schaf­ten im Jahr 2000 auf null Eu­ro ge­setzt. Das war mal an­ders – wur­den die Part­ner­schaf­ten doch durch die Ober­bür­ger­meis­ter selbst ge­schlos­sen, als Eu­ro­pa ge­ra­de zu­sam­men­wuchs und Glad­bach sich auf die Su­che nach Freun­den im Wes­ten mach­te. In Rou­baix, Ver­viers und Brad­ford fand man so et­wa Städ­te, die – wie Glad­bach – al­le für ih­re Tex­til­in­dus­trie be­kannt wa­ren. Die Glad­ba­che­rin­nen Irm­gard Kopp und An­ne­lie­se Berndt lie­ßen in den 80er Jah­ren schließ­lich ei­ne In­ter­es­sen­ge­mein­schaft ent­ste­hen, die kos­ten­güns­ti­ge Rei­sen in die Part­ner­städ­te plan­te und sich im Jahr 2003 zu ei­nem ein­ge­tra­ge­nen, ge­mein­nüt­zi­gen Ver­ein ent­wi­ckel­te. The­men­aben­de mit Fil­men über die Part­ner­städ­te wer­den durch­ge­führt, Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen aus­ge­rich­tet, Prak­ti­ka ver­mit­telt, Rei­sen nach Brad­ford, North Ty­ne­si­de und Rou­baix rea­li­siert, Ta­ges­aus­flü­ge nach Ro­er­mond und Ver­viers ver­an­stal­tet und Pro­gram­me für die Ge­gen­be­su­che zu­sam­men­ge­stellt.

An ein En­de der Part­ner­schaf­ten denkt man in Glad­bach noch lan­ge nicht. Die Ver­eins­mit­glie­der sind im­mer auf der Su­che nach jun­gen Ge­sich­tern. Viel­leicht wer­den sie ja durch das in­ter­kul­tu­rel­le Koch­pro­jekt im No­vem

ber fün­dig.

GRA­FIK: FERL

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