Vor­bei! Boots­tour im Volksgarten

100 Jah­re lang ge­hör­ten Böt­chen zum Volks­gar­ten­wei­her. Jetzt sind sie ver­schwun­den. Still ruht der See. Aber am Ufer bro­delt es bei ei­ni­gen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINO - VON LI­SA KREUZMANN UND GA­BI PE­TERS

Be­reits im zwei­ten Jahr ist Mön­chen­glad­bach um ei­ne Frei­zeit­ak­ti­vi­tät är­mer. Böt­chen fah­ren auf dem Wei­her im Volksgarten ge­hört nicht mehr da­zu. Seit ver­gan­ge­nem Früh­jahr gibt es den Boots­ver­leih nicht mehr. Auch wenn die Käh­ne be­reits in die Jah­re ge­kom­men wa­ren und ei­ni­ge nicht mehr ver­trau­ens­er­we­ckend aus­sa­hen – das Böt­chen­fah­ren auf dem See wird von vie­len Mön­chen­glad­ba­chern ver­misst. Wo­hin die Tret- und Ru­der­boo­te ver­schwun­den sind, das weiß selbst der ehe­ma­li­ge Be­trei­ber nicht ganz ge­nau.

Die Stadt und Mags sa­gen, dass die Käh­ne ein­ge­la­gert wor­den sei­en – auch weil es Be­schwer­den über den schlech­ten Zu­stand der Boo­te gab. Das ha­be man dem Päch­ter aber mit­ge­teilt. Mehr­fach sei ver­sucht wor­den, den ehe­ma­li­gen Ver­lei­her zu er­rei­chen. Doch ver­ge­bens.

Boots­be­sit­zer Jörg Ley­ers’ Darstel­lung ist ei­ne ganz an­de­re: Die Stadt ha­be die Boo­te von ei­nem Tag auf den an­de­ren vom Was­ser ge­nom­men, sagt er. Dar­über in­for­miert wor­den sei er nicht. „Ich ha­be kei­ne Ah­nung, wo die Boo­te jetzt sind.“Der ge­bür­ti­ge Mo­er­ser hat den Boots­ver­leih Bahlo be­reits An­fang der 1990er Jah­re ge­grün­det. Das Ge­schäft mit dem Was­ser ha­be in Ley­ers Fa­mi­lie Tra­di­ti­on. „Ich bin da­mit auf­ge­wach­sen“, er­zählt der 59-Jäh­ri­ge. „Das fehlt mir jetzt sehr. Ich schaue ver­zwei­felt nach ei­ner an­de­ren Mög­lich­keit.“

Am liebs­ten aber wür­de Ley­ers sei­nen Ver­leih in Glad­bach wei­ter­füh­ren. Nur las­sen, wol­le man ihn sei­ner Mei­nung nach nicht. Der Stadt wirft er un­ko­ope­ra­ti­ves Ver­hal­ten vor. Und jetzt wol­le die Ver­wal­tung ihn auch noch aus dem Ver­leih drän­gen.

Ein In­ter­es­sent ha­be ihm das An­ge­bot ge­macht, den Ver­leih samt Steg und 16 Boo­ten zu über­neh­men. Zah­len wol­le der Mann da­für aber nicht. Statt­des­sen ha­be er an­ge­bo- ten, die ver­meint­li­chen Schul­den Ley­ers’ bei der Stadt zu be­glei­chen. Näm­lich die­je­ni­ge Sum­me, die die Stadt dem Boots­ei­gen­tü­mer für die La­ge­rung sei­ner Boo­te in Rech­nung stellt. Seit März 2016 sind die Boo­te nun schon nicht mehr auf dem Was­ser. „Das war mei­ne Idee, das sind mei­ne Boo­te, das ist mein Steg“, sagt Ley­ers. Ei­nem an­de­ren wol­le er das Ge­schäft nicht über­las­sen. Auch wenn für ihn der Ver­leih stets mehr Lei­den­schaft als Geld­ver­dienst ge­we­sen sei. Und ge­nau dar­in könn­te die Ur­sa­che für das Zer­würf­nis lie­gen.

Jörg Ley­ers soll in­sol­vent ge­we­sen sein, heißt es bei der Stadt. Und bei der Mags wird zwar be­stä­tigt, dass es ei­ne An­fra­ge von je­man­dem gab, der den Boots­ver­leih wei­ter­be­trei­ben woll­te. Aber das sei im ver­gan­ge­nen Jahr ge­we­sen. Auch Be­zirks­vor­ste­her Her­mann-Jo­sef Kri­chelMäu­rer hat da­von ge­hört. Et­li­che Ma­le ha­be er nach­ge­hakt, was denn nun aus dem Boots­ver­leih wer­de, wel­che Frei­zeit­ak­ti­vi­tät man al­ter­na­tiv im Volksgarten an­bie­ten kön­ne. Kri­chel-Mäu­rer: „Ich hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr schon den vor­ge­schla­gen, dass die Ka­nu­ab­tei­lung des SSV Rhe­ydt dort an Sonn­ta­gen Schnup­per­fah­ren an­bie­ten kön­ne.“

Ren­ta­bel sei der Boots­ver­leih schon lan­ge nicht mehr ge­we­sen, sagt Ley­ers. Pro­ble­ma­tisch sei vor al­lem die Fra­ge der Über­win­te­rung der Boo­te ge­we­sen. Bis in die 2000er Jah­re ha­be er sei­ne Boo­te bei der Stadt kos­ten­los la­gern kön­nen. Dann ha­be man ihm die­se Mög­lich­keit ge­stri­chen. Doch die teu­re Un­ter­brin­gung bei Pri­vat­an­bie­tern ha­be sich der ge­bür­ti­ge Mo­er­ser nicht leis­ten kön­nen.

POST­KAR­TE: SAMM­LUNG KREUZBERG

Schon in den 1920er Jah­ren wur­de auf dem Volks­gar­ten­wei­her Böt­chen ge­fah­ren.

FO­TO: BET­TI­NA ZIM­MER­MANN

Ei­ni­ge Boo­te auf dem Volks­gar­ten­wei­her wa­ren zum Schluss in ei­nem ziem­lich de­so­la­ten Zu­stand.

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