Voo­doo-Pries­ter vom Deich

Schrill, bunt, laut: Mit ei­ner wil­den Mi­schung aus Licht­spek­ta­kel, fu­tu­ris­ti­schen Ko­s­tü­men und ei­nem mar­ki­gen Büh­nen­bild be­geis­ter­te die Ham­bur­ger Grup­pe Deich­kind im Spar­kas­sen­park 12.000 Kon­zert­be­su­cher.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON MA­XI­MI­LI­AN KRO­NE

Es war das er­war­tet ful­mi­nan­te Fi­na­le ih­rer zwei Jah­re dau­ern­den Tour mit dem 2015 er­schie­ne­nen Al­bum „Ni­veau wes­halb war­um“. Die Ham­bur­ger Grup­pe Deich­kind lie­fer­te am Sams­tag ei­ne bild-, vor al­lem aber ton­ge­wal­ti­ge Show ab, die schon nach we­ni­gen Mi­nu­ten kei­nen der Zu­schau­er im gut ge­füll­ten Spar­kas­sen­park mehr auf den Sit­zen hielt. Zu­min­dest die, die sich Kar­ten für die Tri­bü­nen ge­si­chert hat­ten. Al­le an­de­ren fei­er­ten das Kon­zert im Ju­bi­lä­ums­jahr der Band (seit 20 Jah­ren gibt es Deich­kind schon) mit aus­ge­fal­le­nen Ko­s­tü­men, Hü­ten und al­ler­hand auf­blas­ba­ren Plas­tik­fi­gu­ren so­wie­so ste­hend im In­nen­raum. Bunt ging es aber vor al­lem auf der Büh­ne zu.

Deich­kind setz­ten da­bei auf ihr be­währ­tes Kon­zept, ei­ner Mi­schung aus Licht­spek­ta­kel, fu­tu­ris­ti­schen Ko­s­tü­men und ei­nem mar­ki­gen Büh­nen­bild. Das be­stand aus meh­re­ren Ele­men­ten, die wie von Geis­ter­hand be­wegt über die Büh­ne glit­ten. Mal als gro­ßer Halb­kreis ge­formt, mal eng zu­sam­men, bil­de­ten sie den Rah­men für ei­ne rast­lo­se Per­for­mance, zu der Tre­trol­ler genau­so ge­hör­ten wie Trimm­rä­der: ein grel­ler Kin­der­gar­ten für al­le Deich­kin­der. Wuch­ti­ge Beats in schnel­lem Takt be­sorg­ten den Rest. Stel­len­wei­se glich der Auf­tritt ei­ner ok­kul­ten Ze­re­mo­nie. Auf der ei­nen Sei­te die Voo­doo-Pries­ter vom Deich, die auf­ge­teilt in zwei Grup­pen an den Rän­dern der Büh­ne ei­nen mit Schna­bel­mas­ke und lan­gem Um­gang ver­klei­de­ten Ze­re­mo­ni­en­meis­ter flan­kier­ten. Auf der an­de­ren Sei­te das Pu­bli- kum, das im­mer wie­der Zei­ge­fin­ger und Dau­men bei­der Hän­de an­ein­an­der­press­te und der Band mit dem Deich­kind-Zei­chen, ei­nem Te­tra­eder, hul­dig­te. Fast schon schlicht wirk­ten da­ge­gen die Out­fits, in de­nen die sechs Deich­kin­der zu Be­ginn auf die Büh­ne tra­ten. Al­le tru­gen schwar­ze, breit­schult­ri­ge Ober­tei­le, da­zu schwar­ze Shorts und gleich­far­bi­ge Turn­schu­he. Vorm Ge­sicht und auf dem Kopf, Mas­ken oder leuch­ten­de Hü­te in Te­tra­eder-Form.

Mit Ein­set­zen der Dun­kel­heit nahm die Show noch­mals mehr Fahrt auf. Je spä­ter der Abend, des­to schril­ler der Auf­tritt. Kaum ei­ne Mi- nu­te, in der das Pu­bli­kum – be­son­ders in der In­nen­raum­mit­te – nicht mit­sprang, -sang oder die Ar­me in die Luft warf. Da­für sorg­ten nicht nur ei­ge­ne Songs wie „Bück dich hoch“, „Lei­der Geil“oder „Den­ken Sie groß“, son­dern auch „Sunshi­ne Reg­gae“(Laid Back) und Micha­el Jack­sons „Thriller“, die kurz an­ge­spielt je­weils als In­tro für ei­nen wei­te­ren Deich­kind-Song dien­ten. Be­son­ders der bei­ßend zy­ni­sche Song „Ar­beit nervt“ver­trieb bei den letz­ten „M-Giiis“(Ab­kür­zung für Mön­chen­glad­ba­cher), wie die Band das Pu­bli­kum nann­te, jeg­li­che Hem­mun­gen. Und dann wa­ren da ja noch „Roll das Fass rein“und „Rem­mi­dem­mi“. Ers­te­res Stück wur­de dem Ti­tel ent­spre­chend mit ei­nem über­di­men­sio­nier­ten Bier­fass ge­fei­ert, dass durch den hal­ben In­nen­raum ge­scho­ben wur­de. In und auf ihm, die Band in wei­ßen Ko­s­tü­men, um­hüllt von Ne­bel­schwa­den, die es sich im An­schluss auch nicht neh­men ließ, die Fans mit di­cken Schläu­chen nass zu sprit­zen.

Ge­gen 22 Uhr, nach­dem tau­sen­de Fans ei­ne Zu­ga­be zum an­dert­halb­stün­di­gen Auf­tritt for­der­ten, dreh­ten die Nord­lich­ter noch ein ein­zi­ges Mal rich­tig auf. Die Büh­ne, das reins­te Kin­der­pa­ra­dies. „Dei­ne El- tern sind auf ei­nem Ten­nis­tur­nier. Du machst ei­ne Par­ty, wie nett von Dir“, schall­te es aus den Bo­xen. In ei­ner Hüpf­burg wur­de ge­tobt, auf ei­nem Tram­po­lin sprang ein über­di­men­sio­nier­tes knall-pin­kes Ge­hirn. Über die Köp­fe der zu „Kra­wall und Rem­mi­dem­mi“to­ben­den Mas­se glitt ei­ner der Deich­kin­der im Schlauch­boot sit­zend durch den In­nen­raum, warf mit Fe­dern um sich – der Spar­kas­sen­park stand Kopf. Da­nach war Schluss, die Flut­lich­ter gin­gen an und für Deich­kind-Fans be­gann die Zeit des War­tens – auf das nächs­te Kon­zert. Kul­tur

FO­TO: DET­LEF IL­G­NER

Sie über­zeug­te am Sams­tag mit ei­ner bild-, aber vor al­lem aber ton­ge­wal­ti­gen Show im Spar­kas­sen­park: die Ham­bur­ger Grup­pe Deich­kind.

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