Bi­b­lio­thek soll bis 2019 um­ge­baut sein

Die Stadt hat kon­kre­te Vor­stel­lun­gen von Sa­nie­rung und Er­wei­te­rung der Zen­tral­bi­blio­thek für 8,5 Mil­lio­nen Eu­ro. Sie will da­zu ei­nen Ar­chi­tek­ten­wett­be­werb star­ten. Das al­ler­dings sorgt für Miss­tö­ne in der Gro­ßen Ko­ali­ti­on.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KRUSCHEL ERKLÄRT’S - VON ANDRE­AS GRUHN

Die kom­plett sa­nier­te Zen­tral­bi­blio­thek an der Blü­cher­stra­ße – das ist er­klär­tes Ziel der Stadt bis zum Jahr 2019. Der ers­te Schritt, die­sen in­zwi­schen mehr als vier Jah­re al­ten Be­schluss um­zu­set­zen, hat das Rat­haus ge­tan: Die Ver­wal­tung sucht ein ex­ter­nes Pla­nungs­bü­ro, das ei­nen Ar­chi­tek­ten­wett­be­werb durch­führt. Vor­ga­be ist, die Bi­b­lio­thek am Stand­ort Blü­cher­stra­ße bis 2019 kom­plett zu sa­nie­ren – dar­über hin­aus aber auch mit ei­nem neu­en Kon­zept und ei­nem Er­wei­te­rungs­bau ei­ne „Bi­b­lio­thek des 21. Jahr­hun­derts“zu schaf­fen, wie aus der Ver­öf­fent­li­chung im Amts­blatt der Stadt her­vor­geht. Letz­te­res wie­der­um ist noch gar nicht be­schlos­sen – und macht den Fall Stadt­bi­blio­thek um­so in­ter­es­san­ter.

Als vor­aus­sicht­li­che Bau­kos­ten wer­den 8,5 Mil­lio­nen Eu­ro an­ge­ge­ben. Der Groß­teil der Sum­me, näm­lich knapp 5,6 Mil­lio­nen Eu­ro, ist be­reits im Haus­halt in der Lis­te der In­ves­ti­tio­nen be­reit­ge­stellt. Von die­sem Kos­ten­rah­men war die Stadt im Jahr 2013 aus­ge­gan­gen, als Brand­schutz und tech­ni­sche Sa­nie­rung drin­gend be­schlos­sen wer­den muss­ten. Va­ri­an­ten für ei­nen Er­wei­te­rungs­bau wa­ren im­mer wie­der durch­ge­rech­net wor­den, 770 Qua- drat­me­ter zu­sätz­li­che Flä­che im Bü­che­r­ei­ge­bäu­de soll­ten gut 2,1 Mil­lio­nen Eu­ro ex­tra kos­ten. Er­gibt zu­sam­men 7,7 Mil­lio­nen – die stan­den auch 2016 noch im Haus­halt. Nun aber nicht mehr. Weil 2015 erst­mal ein Um­zug ins Vi­tus-Cen­ter durch­dacht, aber wie­der ver­wor­fen wur­de, stock­te die Sa­nie­rung am Stand­ort Blü­cher­stra­ße.

Jetzt soll ein Ar­chi­tek­ten­wett­be­werb fri­schen Wind in die seit 2015 ru­hen­de Ge­schich­te brin­gen. Vor­ge­se­hen ist, das Ge­bäu­de denk­mal­ge­recht zu sa­nie­ren und den Brand­schutz zu er­neu­ern, und gleich­zei­tig das Un­ter­ge­schoss mit Ver­bin­dung zum Erd­ge­schoss in Rich­tung Blü­cher­stra­ße zu er­wei­tern. Au­ßer­dem soll das Atri­um (al­so der In­nen­hof) ein­ge­schos­sig über­baut wer­den. Die Stadt räumt in der Ver­öf­fent­li­chung ein, dass die­se Auf­ga­be „auf­grund der Ge­bäu­de­struk­tur“durch­aus kom­plex ist. Das set­ze ei­ne „trag­fä­hi­ge ar­chi­tek­to­ni­sche Kon­zep­ti­on“vor­aus – eben die soll der Ar­chi­tek­ten­wett­be­werb her­vor­brin­gen.

Die Zen­tral­bi­blio­thek taugt aber zu mehr: Denn die De­bat­te um Neu­bau, Um­bau oder doch nur Sa­nie­rung der in die Jah­re ge­kom­me­nen Bi­b­lio­thek hat schon mehr­mals po­li­ti­sche Be­ben in der Stadt zur Fol­ge ge­habt. Das Am­pel-Bünd­nis im Rat aus SPD, Grü­nen und FDP war dar­an 2013 zer­bro­chen, da­mals auch vor­ge­führt von CDU und FWG.

Und auch jetzt sorgt das Vor­ha­ben für ers­te Miss­tö­ne in der sonst so rei­bungs­los funk­tio­nie­ren­den Gro­ßen Ko­ali­ti­on. En­de ver­gan­ge­ner Wo­che lob­te die CDU in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung die Aus­schrei­bung durch die Stadt – und zwar oh­ne den Ko­ali­ti­ons­part­ner, wie sonst üb­lich. „Ei­ne Sa­nie­rung und Er­wei­te­rung des Ge­bäu­des wird auch ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung des Bi­b­lio­thek- Kon­zep­tes be­inhal­ten“, sagt dar­in der kul­tur­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Frak­ti­on, Die­ter Brey­mann. Das ir­ri­tier­te wie­der­um die SPD: „Es ist schön zu se­hen, dass sich mitt­ler­wei­le al­le Frak­tio­nen im Rat für ei­ne mo­der­ne und er­wei­ter­te Bi­b­lio­thek aus­spre­chen“, be­merkt der Vor­sit­zen­de des Kul­tur­aus­schus­ses, Rein­hold Schif­fers in ei­ner Ant­wort. Da­bei ist ein Er­wei­te­rungs­bau noch gar nicht be­schlos­sen. „Wenn die Pla­nun­gen am En­de mehr vor­se­hen, als 2013 be­schlos­sen wor­den ist, müs­sen wir dar­über früh­zei­tig in den zu­stän­di­gen Gre­mi­en be­ra­ten und die not­wen­di­gen Haus­halts­mit­tel be­reit­stel­len“, warnt SPDFrak­ti­ons­chef Fe­lix Hein­richs.

Wie Stadt­spre­cher Wolf­gang Speen be­stä­tig­te, soll der Wett­be­werb da­zu die­nen, mit­tels ex­ter­ner Ex­per­ten dem Rat ge­eig­ne­te Kon­zep­te für Sa­nie­rung und Er­wei­te­rung vor­zu­le­gen. Der ent­spre­chen­de Be­schluss soll „her­bei­ge­führt wer­den“. Da­zu will die Stadt das Pro­jekt im För­der­vor­ha­ben „In­te­grier­tes Hand­lungs- und Ent­wick­lungs­kon­zept“un­ter­brin­gen – ver­gleich­bar mit dem In­nen­stadt­kon­zept Rhe­ydt. Hein­richs will jetzt ein Kon­zept zur „Bi­b­lio­thek des 21. Jahr­hun­derts“ab­stim­men, be­vor mehr be­schlos­sen wird. Dass ein Aus­bau da­für nur gut sein kann, dar­über sind sich al­le im Grun­de ei­nig. „Mee­ting Po­ints“, ge­ne­ra­tio­nen­über­grei­fen­de Treff­punk­te, in de­nen ge­ar­bei­tet, stu­diert, sich aus­ge­tauscht und er­holt wird – das wünscht sich CDU-Kul­tur­po­li­ti­ker Brey­mann. Bri­git­te Beh­rendt, Lei­te­rin der Stadt­bi­blio­thek, sehnt die Er­wei­te­rung her­bei: „Die Zen­tral­bi­blio­thek – in den 60er Jah­ren für Glad­bach kon­zi­piert – war bei ih­rer Er­öff­nung auch räum­lich noch vor­bild­lich, heute lei­det sie heute un­ter mas­si­ver Raum­not.“

FO­TOS (AR­CHIV): IL­G­NER, RICH­TERS

Bri­git­te Beh­rendt, Lei­te­rin der Stadt­bi­blio­thek, er­klärt: „Das Er­folgs­kon­zept liegt im Rau­m­an­ge­bot mit aus­rei­chend Flä­che, ho­her Auf­ent­halts­qua­li­tät und at­trak­ti­ver Ar­chi­tek­tur, denn Be­su­cher kom­men im­mer we­ni­ger, nur um Me­di­en aus­zu­lei­hen.“

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