Der ge­fähr­lichs­te Rad­weg der Stadt

Auf bei­den Sei­ten der Ho­hen­zol­lern­stra­ße sind die Fahr­rad­we­ge Bu­ckel­pis­ten. Wur­zeln der Bäu­me durch­bre­chen über­all die Ober­flä­che. Die Stadt weiß das, aber lässt Rad­fah­rern kei­ne Al­ter­na­ti­ve: Schil­der wei­sen ei­ne Be­nut­zungs­pflicht aus.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON ANDREAS GRUHN

Ur­su­la Piethan fährt ger­ne mit dem Fahr­rad. Wann im­mer sie auf das Au­to ver­zich­ten kann, nimmt sie das Rad. Das Pro­blem ist nur: Sie wohnt in un­mit­tel­ba­rer Nä­he der Ho­hen­zol­lern­stra­ße. Und die Rad­we­ge an die­ser Stra­ße ge­hö­ren zu den schlimms­ten, die Mön­chen­glad­bach zu bie­ten hat. „Ich bin schon vor Jah­ren ein­mal mit dem rech­ten Pe­dal im As­phalt hän­gen­ge­blie­ben, der von ei­ner Wur­zel nach oben ge­drückt wur­de“, sagt die Glad­ba­che­rin. Sie stürz­te – zum Glück aber nicht in Rich­tung Fahr­bahn, son­dern nach rechts auf den Grün­strei­fen. „Gott sei Dank ist mir nicht viel pas­siert, aber ich hat­te so ei­nen Schock, wie ich es noch nie er­lebt ha­be. Die­ser Rad­weg ist un­heim­lich ge­fähr­lich.“

Das Pro­blem an der Ho­hen­zol­lern­stra­ße ist: Fahr­rad­fah­rer ha­ben kei­ne Al­ter­na­ti­ve. Blaue Schil­der wei­sen auf 90 Pro­zent der Stre­cke klar ei­ne Be­nut­zungs­pflicht des Rad­we­ges aus. Rad­fah­rer dür­fen we­der auf den Geh­weg noch auf die Stra­ße aus­wei­chen. Au­to­fah­rer wer­den vor dem schlech­ten Zu­stand ge­warnt: Am obe­ren En­de der Ho­hen­zol­lern­stra­ße weist ein Schild auf „Schä­den in der Fahr­bahn“hin. Die Mags be­tont, sol­che Warn­schil­der ge­be es auch für Rad­fah­rer.

Der de­sas­trö­se Zu­stand die­ser Bu­ckel­pis­te ist der Stadt schon län­ger be­kannt. Im Mas­ter­plan Nahmo­bi­li­tät, der im nächs­ten Rats­zug be­schlos­sen wer­den soll, ist der Ab­schnitt mit „sehr ho­hem“bis „ho­hem“Hand­lungs­be­darf ge­kenn­zeich­net. Eng­stel­len, Ei­n­en­gun­gen, gro­ße Schä­den, Kan­ten, Ab­sät­ze und Wöl­bun­gen so­wie ins­ge­samt ei­ne nicht aus­rei­chen­de Be­schaf­fen­heit der Ober­flä­chen stell­ten die Ex­per­ten des Mas­ter­plans be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr fest. Die Män­gel­lis­te geht aber noch wei­ter: Das Min­dest­maß für Rad­we­ge wird mit ei­ner Brei­te von nur ei­nem Me­ter un­ter­schrit­ten (das Mi­ni­mum ist 1,25 Me­ter), oh­ne dass dies kennt­lich ge­macht ist. Der Mas­ter­plan kenn­zeich­net die Ho­hen­zol­lern­stra­ße über­dies als Un­fall­häu­fungs­stel­le – oh­ne da­bei kon­kre­te Zah­len zu be­nen­nen.

Auch die Bür­ger se­hen das so: In der On­li­ne-Be­fra­gung zum Mas­ter- plan wur­den die Teil­neh­mer nach den ge­fähr­lichs­ten Stre­cken­ab­schnit­ten für den Rad­ver­kehr be­fragt. Die Ho­hen­zol­lern­stra­ße lan­de­te mit gro­ßem Vor­sprung auf dem drit­ten Platz – hin­ter der Bis­marck­stra­ße und der Flieth­stra­ße. Bei der Fra­ge, wo die Si­tua­ti­on für den Rad­ver­kehr dring­lich ver­bes­sert wer­den soll­te, lan­de­te die Ho­hen­zol­lern- stra­ße auf dem zwei­ten Platz hin­ter der Bis­marck­stra­ße.

Stadt­spre­cher Wolf­gang Speen: „Das ist oh­ne Fra­ge ein kri­ti­scher Punkt, den wir ins Au­gen­merk rü­cken müs­sen.“Die Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht und da­mit auch die Haf­tung bei Un­fäl­len lie­ge bei der Mags. Die er­klärt: „Bau­lich kön­nen wir mit den Mit­teln der Stra­ßenun- ter­hal­tung nichts ma­chen.“Wur­zeln und Bäu­me sind nun ein­mal da.

Die Si­tua­ti­on soll an­ders ge­klärt wer­den: Im Rat­haus lau­fen Pla­nun­gen, wie die Ho­hen­zol­lern­stra­ße kom­plett um­ge­stal­tet wer­den kann. Das be­deu­tet kon­kret: Der Rad­weg soll über kurz oder lang ver­legt wer­den. „Die Stra­ße ist vier­spu­rig, mög­li­cher­wei­se sind nicht mehr al­le Fahr­bah­nen zwin­gend er­for­der­lich“, sagt Stadt­spre­cher Speen. An­de­re Über­le­gun­gen se­hen ei­nen Rad­schnell­weg in der Mit­te der Stra­ße auf dem Grün­strei­fen vor, wo heu­te noch Au­tos par­ken.

Bei­des sind lang­fris­ti­ge Lö­sun­gen. Bis da­hin bleibt: ein ge­fähr­li­cher Rad­weg oh­ne Al­ter­na­ti­ve.

FO­TOS (2): ANDREAS GRUHN

An die­ser Stel­le setz­te Ur­su­la Piethan mit der Pe­da­le auf der Ober­flä­che auf und stürz­te – zum Glück nur auf die Wie­se, nicht Rich­tung Stra­ße.

Das ist ein Rad­weg: Wur­zeln der Stra­ßen­bäu­me ha­ben an vie­len Stel­len den As­phalt durch­bro­chen und den Weg zur Bu­ckel­pis­te ge­macht.

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