Ein Plä­doy­er für die We­spen

Vie­le fürch­ten sich vor den In­sek­ten. Ruth Seidel vom Na­tur­schutz­bund er­klärt, war­um das nicht ge­recht­fer­tigt ist, wel­che Fol­gen das im Mo­ment zu be­ob­ach­ten­de In­sek­tenster­ben hat und was Men­schen da­ge­gen tun kön­nen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON FEE GRUPE

In der kom­men­den Wo­che wird Ruth Seidel vom Na­tur­schutz­bund (Na­bu) ei­ne Aus­zeich­nung für ih­ren schmet­ter­lings­freund­li­chen Gar­ten er­hal­ten. „Ich freue mich über je­des In­sekt, das ich se­he“, sagt sie – denn da­von ge­be es im­mer we­ni­ger. In die­sem Jahr sei es be­son­ders schlimm. Im kal­ten Früh­jahr sei es den In­sek­ten oft nicht mög­lich ge­we­sen, ih­re Nes­ter fer­tig­zu­bau­en und ih­re Brut zu ver­sor­gen. „Schuld ist aber nicht nur das Wet­ter, son­dern auch wir Men­schen“, sagt Seidel. „Das Pro­blem ist die Pa­nik.“

Da­mit be­zieht sie sich in ers­ter Li­nie auf We­spen. Ob­wohl nur zwei von vie­len Ar­ten den Men­schen Pro­ble­me be­rei­te­ten, wer­de oft mas­siv ge­gen We­spen vor­ge­gan­gen. „Da­bei brau­chen wir sie un­be­dingt“, sagt Seidel, „Sie wa­ren schon im­mer Teil un­se­rer Kul­tur.“Dass We­spen ein wich­ti­ger Be­stand­teil un­se­res Öko­sys­tems sind, wer­de oft ver­ges­sen. Sie sei­en wich­ti­ge Schäd­lings­be­kämp­fer und jag­ten gro­ße Men­gen an an­de­ren In­sek­ten. Au­ßer­dem be­stäu­ben sie Pflan­zen und die­nen als Nah­rung für Vö­gel. Nur ha­ben sie kei­ne Lob­by wie mitt­ler­wei­le die Bie­nen, de­ren Zahl aber eben­falls stark rück­läu­fig zu sein scheint.

„We­spen sind im Grun­de harm­lo­se Tie­re“, sagt auch der Mön­chen­glad­ba­cher Ludger Horst­mann. „Sie ste­chen nur, wenn sie sich ernst­haft be­droht füh­len. So­bald man da­nach schlägt, um sie zu ver­trei­ben, weh­ren sie sich auch.“Des­halb ist es laut Ruth Seidel in den meis­ten Fäl­len auch nicht not­wen­dig, We­s­pen­nes­ter zu zer­stö­ren: „Meis­tens reicht es, ei­nen Bo­gen um sie zu ma­chen.“

Wei­te­re Ver­hal­tens­re­geln im Um­gang mit We­spen fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te des Na­bu. Ne­ben hef­ti­gen Be­we­gun­gen sei auch das Weg­pus­ten der Tie­re nicht rat­sam, da das im Atem ent­hal­te­ne Koh­len­di­oxid im We­s­pen­nest als Alarm­si­gnal gel­te. Zum Schutz vor der Deut­schen We­s­pe und der Hei­mi­schen We­s­pe, die von Süß­spei­sen und Fleisch an­ge­lockt wer­den, sei es rat­sam, im Frei­en Es­sens­res­te

zü­gig weg­zu­räu­men und Nah­rungs­mit­tel ab­zu­de­cken. Auch sol­le man nicht di­rekt aus der Fla­sche, son­dern am bes­ten mit dem Stroh­halm trin­ken. Wenn man doch ein­mal ge­sto­chen wür­de, hel­fe es, ei­ne hal­bier­te Zwie­bel auf die Stich­stel­le zu drü­cken. Laut Seidel ist die Angst vor We­spen­sti­chen über­trie­ben, so­lan­ge man nicht all­er­gisch ist.

Auch wenn der Mensch nicht ak­tiv ge­gen We­spen vor­geht, lei­den sie un­ter den von ihm ver­ur­sach­ten Le­bens­um­stän­den. „Das be­ginnt beim Laub­blä­ser und geht wei­ter über kah­le Ra­sen­flä­chen“, sagt Seidel. Wenn man In­sek­ten hel­fen wol­le, sol­le man „in­sek­ten­freund­li­che Pflan­zen“in sei­nen Gar­ten set­zen. Da­mit meint Seidel: „Nichts Aus­län­di­sches und kei­ne ge­füll­ten Blü­ten.“Sonst kä­men die In­sek­ten nicht an den für sie le­bens­wich­ti­gen Nekt­ar.

Dass es Men­schen gibt, die im­mer wie­der von ei­ner „We­spen­pla­ge“ spre­chen, kann Seidel nicht ver­ste­hen. „Viel­leicht mag es ei­nem so vor­kom­men, wenn man sich in der Nä­he ei­nes Nes­tes auf­hält“, sagt sie, „Dort sind na­tür­lich mehr Tie­re un­ter­wegs.“Doch wenn man durch die Stadt lau­fe, dürf­te auf­fal­len, dass es in die­sem Som­mer nur we­ni­ge We­spen gibt. Dank­bar kön­ne man da­für nicht sein, denn „wenn man den Zu­sam­men­hang sieht, ist man froh für je­des Tier“. Ihr Gar­ten sei zwar ein An­fang, aber wirk­lich ge­hol­fen sei den In­sek­ten nur, wenn an­de­re dem Bei­spiel fol­gen.

Ei­ne We­s­pe (links) und ei­ne Bie­ne ver­gnü­gen sich ge­mein­sam an ei­ner Wein­trau­be

FO­TOS (3): HORST­MANN

We­spen mö­gen’s süß: Des­halb rät der Na­tur­schutz­bund Na­bu, im Frei­en Es­sens­res­te zü­gig weg­zu­räu­men und Nah­rungs­mit­tel ab­zu­de­cken. Auch sol­le man nicht di­rekt aus der Fla­sche, son­dern mit dem Stroh­halm trin­ken.

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