Kohl und Gen­scher als Mo­dell­flie­ger

Der Rhe­ydter Flug­mo­dell-Club fei­er­te sein 50-jäh­ri­ges Be­ste­hen auf dem Flug­feld. Mit da­bei: die Mi­nia­tur-Pro­mi­nenz.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON CHRIS­TI­AN KANDZORRA

Gut ge­launt sitzt der Kanz­ler in Pi­lo­ten­ja­cke am Steu­er­knüp­pel, gleich da­hin­ter sein Au­ßen­mi­nis­ter mit ei­ner Land­kar­te von Mön­chen­glad­bach und Um­ge­bung in der Hand. Ob Hel­mut Kohl und Hans-Dietrich Gen­scher je­mals zu­sam­men als Pi­lo­ten ein ech­tes Flug­zeug ge­steu­ert ha­ben, ist zwar frag­lich. Aber im Cock­pit des Mi­nia­tur-Mo­tor­seg­lers von Manfred Klin­ger aus Hoch­neu­kirch hat die Po­lit­pro­mi­nenz im Maß­stab 1 zu 2,5 seit 25 Jah­ren ih­ren fes­ten Platz. „Da­mals wa­ren sie ja auch noch in der Po­li­tik ak­tiv“, sagt Klin­ger.

Der 57-Jäh­ri­ge be­leb­te die kürz­lich ver­stor­be­nen Po­li­ti­ker jetzt bei der Ju­bi­lä­ums­fei­er des Rhe­ydter Flug­mo­dell-Clubs ge­wis­ser­ma­ßen wie­der. Kon­kre­ter ge­spro­chen: Er ließ sie in sei­nem Mi­nia­tur­flug­zeug ab­he­ben und wie­der si­cher lan­den. Wenn die Fi­gu­ren von Kohl und Gen­scher auch für vie­le Hin­gu­cker sorg­ten, im Vor­der­grund stand am Wo­che­n­en­de auf dem Flug­feld bei Wey na­tür­lich das Flie­gen.

An­läss­lich sei­nes 50-Jahr-Ju­bi­lä­ums hat­te der Rhe­ydter Flug­mo­del­lClub (RFMC) dort zu ei­nem gro­ßen Freund­schafts­flie­gen ein­ge­la­den, an dem sich trotz des zum Teil reg­ne­ri­schen Wet­ters zahl­rei­che Ver­tre­ter von Mo­dell­flug-Ver­ei­nen aus ganz NRW be­tei­lig­ten. Am Him­mel zu se­hen wa­ren un­ter­schied­li­che Mo­del­le – von Se­gel­flie­gern über Dü­sen­jets bis hin zu He­li­ko­ptern, vie­le selbst­ge­baut. Ei­nes der größ­ten Mo­del­le: ein pol­ni­scher Flug­zeug­schlep­per im Maß­stab 1 zu 3 mit ei­ner Spann­wei­te von stol­zen 3,70 Me­tern und ei­nem Stern­mo­tor mit fünf Zy­lin­dern und im­mer­hin 17 PS. „Das Mo­dell bringt es in der Spit­ze auf ei­ne Ge­schwin­dig­keit von et­wa 120 Ki­lo­me­tern pro St­un­de“, sagt Be­sit­zer Achim Ger­ber aus Jü­lich, der das rot-gel­be Mo­dell ele­gant durch die Luft ma­nö­vrier­te – mit viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl an der Fern­steue­rung. In­ves­tiert hat er in die Ma­schi­ne et­wa 11.000 Eu­ro und un­ge­zähl­te Ar­beits­stun­den. „Ich ver­fol­ge das Hob­by seit mei­nem elf­ten Le­bens­jahr“, sagt der 66-Jäh­ri­ge.

Die Mit­glie­der des Flug­mo­del­lClubs, der ur­sprüng­lich in Mön­chen­glad­bach ge­grün­det wor­den war, aber seit nun­mehr 45 Jah­ren in Wey zu­hau­se ist, wür­den sich si­cher wün­schen, dass sich auch heu­te noch jün­ge­re Men­schen so früh für den Mo­dell­flug be­geis­tern kön­nen.

Doch wie so vie­le Ver­ei­ne kämpft auch der RFMC um den Nach­wuchs. „Wir ha­ben rund 130 Mit­glie­der im Ver­ein, et­wa zehn sind jün­ger als 25 Jah­re. Wir sind sehr of­fen für wei­te­re jun­ge Mit­glie­der“, be­tont Ver­eins­schrift­füh­rer Oli­ver Felt­haus. Ei­ner der Jüngs­ten im Ver­ein ist der 18-jäh­ri­ge Jos­hua Klin­ger, des­sen Groß­on­kel, der mit den Po­li­ti­kern im Cock­pit ist. Der Nach­wuchs-Mo­dell­flie­ger ging am Wo­che­n­en­de mit ei­nem Sty­ro­por-Dü­sen­jet an den Start. Er sagt: „Wenn der Flie­ger in der Luft ist, kann ich kom­plett ab­schal­ten. Dann kon­zen­trie­re ich mich nur noch dar­auf. Das Steu­ern macht gro­ßen Spaß.“Das Mo­dell­flie­gen lie­ge bei den Klin­gers in der Fa­mi­lie: Schon sei­ne Groß­mut­ter sei Mit­glied im Flug­mo­del­lClub RFMC ge­we­sen, als ers­te Frau im Ver­ein.

ARCHIVFOTO: AN­JA TINTER

Manfred Klin­ger, Oli­ver Felt­haus und Gui­do El­ler vom RFCM mit ih­ren pro­mi­nen­ten Schütz­lin­gen im Mi­nia­tur­for­mat in ei­nem ih­rer Mo­tor­seg­ler. „Wir sind sehr of­fen für wei­te­re Mit­glie­der“, sa­gen sie über ih­ren Ver­ein, den RFMC.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.