Tour de Glad­bach

Die Stadt wird in den kom­men­den Jah­ren ihr Ge­sicht an sehr vie­len Stel­len ver­än­dern. Bau­de­zer­nent Gre­gor Bo­nin er­klärt Jour­na­lis­ten und Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­tern auf sei­ner Som­mer­tour die Pla­nungs­stän­de – ei­ne Run­de, die sonst mit In­ves­to­ren ge­fah­ren wird.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON ANDRE­AS GRUHN

Wer mit Gre­gor Bo­nin auf dem Fahr­rad durch Mön­chen­glad­bach fährt, möch­te nor­ma­ler­wei­se viel Geld los­wer­den. Der städ­ti­sche De­zer­nent fürs Pla­nen und Bau­en pflegt mit­un­ter, In­ves­to­ren auf Zwei­rä­dern durch die Stadt zu füh­ren und den be­tuch­ten Be­su­chern Mön­chen­glad­bach zu zei­gen. Mit all sei­nen Brü­chen, die aber zu­sam­men­hän­gen. „Die Stadt ist ein Ju­wel“, sagt Bo­nin, und wer ihm auf der 18,5 Ki­lo­me­ter lan­gen Som­mer­tour auf dem Fahr­rad durch die „wach­sen­de Stadt“folgt, der er­fährt, wo das Ju­wel noch ge­schlif­fen wird in den nächs­ten Jah­ren. Und das sind vie­le Ecken und Kan­ten. Start Die Tour be­ginnt am Rat­haus, und das nicht nur aus zu Bo­nins Bü­ro na­he­lie­gen­den Grün­den. Son­dern weil dort in den nächs­ten Jah­ren ei­nes der größ­ten Bau­pro­jek­te der Stadt an­steht: der Neu­bau ei­nes Rat­hau­ses für gro­ße Tei­le der Ver­wal­tung. 2019 könn­ten Pla­nung und Aus­schrei­bung lau­fen. „Ein ganz wich­ti­ges Pro­jekt, bei dem es nicht um den Stand­ort, son­dern auch um die Struk­tur der Ver­wal­tung geht“, sagt Bo­nin. Gera­de die in­ter­dis­zi­pli­nä­re Zu­sam­men­ar­beit sei ver­bes­se­rungs­wür­dig. „Für Leu­te von au­ßer­halb zählt: Zeig mir den Zu­stand dei­ner Ver- wal­tung, dann kenn ich den Zu­stand dei­ner Stadt“, glaubt Bo­nin. Raus ins Grü­ne Vom Rat­haus geht es ent­lang des Niers­grün­zug- es ki­lo­me­ter­weit nach Nor­den. Am Schloss Rhe­ydt ent­lang bis zum Glad­bach. So viel Grün so nah der Ci­ty – das ma­che Glad­bach aus. Und das be­ein­dru­cke auch In­ves­to­ren. Re­me-Ge­län­de Vom Niers­grün­zug zum Re­me-Ge­län­de. Dort baut ein In­ves­tor ein Wohn­ge­biet mit 300 Ein­hei­ten, meist Ein­fa­mi­li­en­häu­sern. Alt­las­ten­sa­nie­rung und Ab­bruch (Kos­ten 8 Mil­lio­nen Eu­ro, gut 5 Mil­lio­nen ste­hen im Haus­halt) sol­len 2018 be­gin­nen. Ei­nen 800 Me­ter lan­gen Strei­fen ent­lang der Bahn­tras­se re­na­tu­riert die NEW. Dort soll auch der Glad­bach ans Ta­ges­licht ge­holt wer­den. Die Pan­z­er­hal­le soll ste­hen­blei­ben mit klei­ne­ren Ne­ben­ge­bäu­den auf 25.000 Qua­drat­me­tern Gas­tro­no­mie, Nah­ver­sor­gung und klei­ne­re Un­ter­neh­men auf­neh­men. Die Bau­leit­pla­nung, so Bo­nin, könn­te 2020 ab­ge­schlos­sen sein. Ta­fel und Wa­gen­bau­hal­le des Kar­ne­vals müs­sen wei­chen. „Wir wer­den gu­te Lö­sun­gen fin­den“, ver­spricht Bo­nin. Ci­ty-Ost Nur we­ni­ge Me­ter wei­ter er­streckt sich Glad­bachs größ­te Bra- che. Es ist er­staun­lich, wie ru­hig es in der Ci­ty Ost ist trotz der Nä­he zu den Bahn­glei­sen. Ein See und Wohn­be­bau­ung sind dort ge­plant. Au­tos sol­len un­ter die Er­de, ober­ir­disch schnel­le Rad­we­ge mit An­bin­dung zum Bahn­hof. Und da­mit nach Düs­sel­dorf. „Das ist wirk­lich groß­städ­tisch. Wir soll­ten froh sein, dass hier kein Fach­markt­zen­trum steht“, sagt Bo­nin. Die Pla­nung wird noch in die­sem Jahr leicht ver­än­dert. Die Ver­hand­lun­gen mit dem In­ves­to­renKon­sor­ti­um lie­gen in den End­zü­gen, zum Jah­res­wech­sel geht es in die Bau­leit­pla­nung. 2020 soll der ers­te Kran ste­hen. Ma­ria Hilf Mit Zwi­schen­sta­tio­nen am Bahn­hof, am Haus West­land (Pro­jekt „19 Häu­ser“und Um­bau Bus­bahn­hof) so­wie am Al­ten Markt (Markt­hal­le am Ka­pu­zi­ner­platz) geht es zum Kran­ken­haus an der Sand­rad­stra­ße. En­de 2018, so die Pla­nung, soll es um­zie­hen an den dann aus­ge­bau­ten Stand­ort Fran­zis­kus­haus. Und dann be­ginnt der Um­bau zu ei­nem in­ner­städ­ti­schen Quar­tier. Mit­te Ok­to­ber wird es ei­ne ge­mein­sa­me Son­der­sit­zung von Be­zirks­ver­tre­tung und Pla­nungs­aus­schuss ge­ben, an­schlie­ßend soll ein Werk­statt­ver­fah­ren mit Ar­chi­tek­ten, Pla­nern und Bür­gern be­gin­nen. Über ei­ne Wo­che soll noch in die­sem Jahr ge­mein­sam ein Wohn­ge­biet mit 300 Woh­nun­gen ent­wor­fen wer­den. Re­me, Ci­ty-Ost, Ma­ria-Hilf-Are­al – Bo­nin nennt die­se drei Groß­pro­jek­te die „Per­len­ket­te“. Sie hän­gen zu­sam­men. Und sie sind Ju­we­len. Auch der Rat­haus-Neu­bau in Rhe­ydt spielt mit hin­ein: Dann näm­lich soll das Ver­wal­tungs­hoch­haus an der Aa­che­ner Stra­ße ab­ge­ris­sen wer­den. „Die­sen Be­reich kön­nen wir ganz neu in die Pla­nung ein­be­zie­hen.“ Ge­ro­wei­her Kurz ge­sagt: Die Au­tos sol­len weg. Und zwar in ei­ne Tief­ga­ra­ge mit dar­über an­ge­leg­tem, ver­grö­ßer­tem Ge­ro­wei­her. „Das ist die Ge­burts­stät­te der Stadt, und wir ha­ben hier ei­nen Park­platz“, spot­tet Bo­nin. Pla­nung und Aus­schrei­bung sind für 2018 ge­plant. Bruck­ne­ral­lee Nach ei­nem Zwi­schen­stopp am Ber­li­ner Platz, wo die vier­spu­ri­ge Stra­ße Platz für neu­en Bau­grund ma­chen könn­te, geht es über die Bruck­ne­ral­lee zu­rück nach Rhe­ydt. Ge­nau ent­lang der Blau­en Li­nie, der künf­ti­gen Fahr­rad­ver­bin­dung zwi­schen den In­nen­städ­ten. Sie soll im Sep­tem­ber er­öff­net wer­den – als ers­te Fahr­rad­stra­ße in Mön­chen­glad­bach, auf der Zwei­rä­der ge­gen­über Au­tos be­vor­zugt sind. Wie gut die­se Idee ist, zeigt das En­de der Tour: Bo­nins Fahr­rad­grup­pe wird von ei­nem schwe­ren SUV mit Glad­ba­cher Kenn­zei­chen von hin­ten oh­ne Un­ter­bre­chung an­ge­hupt.

Rad­tour mit (v.l.) Bau­de­zer­nent Gre­gor Bo­nin, Re­fe­rent Lud­ger Theu­nis­sen, Stadt­spre­cher Wolfgang Speen (ver­deckt) und E-Mo­bi­li­täts-Ex­per­tin Ca­pri­ce Mat­har.

Das frü­her mi­li­tä­risch ge­nutz­te Re­me-Ge­län­de liegt seit 1992 brach. Die Alt­las­ten­sa­nie­rung und der Ab­bruch der Ge­bäu­de sol­len 2018 be­gin­nen, dann baut ein In­ves­tor auf dem 13,5 Hekt­ar gro­ßen Are­al 300 Wohn­ein­hei­ten.

FO­TOS: JÖRG KNAP­PE, ANDRE­AS GRUHN (5)

Der Niers­grün­zug ent­stand kurz nach der Jahr­tau­send­wen­de und ist ein her­aus­ra­gen­des Bei­spiel für in­nen­stadt­na­hes Grün.

Im Stadt­kern: Bo­nin er­klärt den Be­glei­tern am Müns­ter, war­um der Park­platz Ge­ro­wei­her ei­ne Tief­ga­ra­ge wer­den soll.

Das Ma­ria-Hilf-Are­al ist wahr­schein­lich ab 2019 nutz­bar. Jetzt soll ei­ne Pla­nungs­werk­statt mit Bür­gern statt­fin­den.

In der Ci­ty Ost ste­hen die Ver­hand­lun­gen mit In­ves­to­ren vor dem Ab­schluss.

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