Sex and the Ci­ty im Si­li­con Val­ley

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - Richard Gut­jahr ist Mo­de­ra­tor für das Baye­ri­sche Fern­se­hen und Blog­ger. Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: kolumne@rheinische-post.de

Ein Erd­be­ben er­schüt­tert das Si­li­con Val­ley. Das Epi­zen­trum: Moun­tain View, Sitz von Goog­le. Dort hat­te vor ei­ni­gen Ta­gen der Pro­gram­mie­rer Ja­mes Da­mo­re ein Ma­ni­fest ver­fasst, das an die Öf­fent­lich­keit ge­lang­te und seit­dem nicht nur bei Goog­le hef­tig dis­ku­tiert wird. Sind Frau­en un­ge­eig­net für tech­ni­sche Be­ru­fe? In dem zehn­sei­ti­gen Ma­ni­fest lässt der Goog­le-Ent­wick­ler kein Kli­schee aus, um die­se [Iro­nie­mo­dus: an] zu­kunft­wei­sen­de The­se zu un­ter­mau­ern. Der Te­nor: Frau­en sei­en kom­mu­ni­ka­ti­ver, so­zia­ler ver­an­lagt, har­mo­nie­be­dürf­tig und da­her per se we­ni­ger ge­eig­net für tech­ni­sche Be­ru­fe oder gar Füh­rungs­auf­ga­ben.

Be­mer­kens­wer­ter als das Pam­phlet selbst sind die Re­ak­tio­nen dar­auf. Goog­le-Boss Sun­dar Pich­ai un­ter­brach sei­nen Ur­laub. Hoch­ran­gi- ge Mit­ar­bei­ter/in­nen sa­hen sich ge­nö­tigt, Ge­gen­po­si­tio­nen zu for­mu­lie­ren. Der Ver­fas­ser selbst wur­de ge­feu­ert. Was zu­rück bleibt, ist ein scha­les Ge­fühl von Scham und Ohn­macht. Denn ei­nes ist dem Ex-Goog­le-Mit­ar­bei­ter mit sei­nem hoch­um­strit­te­nenPa­pier­durch­aus­ge­lun­gen: Er hat das Si­li­con Val­ley dort ge­trof­fen, wo es am ver­wund­bars­ten ist – bei sei­ner ei­ge­nen Bi­got­te­rie.

Seit je­her tobt hin­ter den bun­ten Ku­lis­sen der selbst­er­klär­ten Welt­ver­bes­se­rer ein Kul­tur- und Ge­schlech­ter­kampf. Zwar wer­den übe­r­all im Si­li­con Val­ley heh­re Wer­te wie Ge­rech- tig­keit und Chan­cen­gleich­heit pro­pa­giert. Ein Blick auf die Ge­schlech­ter­ver­tei­lung in den Kon­zer­nen spricht ei­ne an­de­re Spra­che. Ge­ra­de mal ein Drit­tel der Be­leg­schaft von Goog­le, Face­book oder App­le ist weib­lich. Auf der Füh­rungs­ebe­ne sieht es noch viel düs­te­rer aus. Nur je­der fünf­te Füh­rungs­pos­ten ist mit ei­ner Frau be­setzt.

So schnell und ent­schie­den man sich an der Kon­zern­spit­ze vom Ma­cho-Ma­ni­fest des ei­ge­nen Mit­ar­bei­ters dis­tan­ziert hat­te, nicht we­ni­ge bei Goog­le ha­ben den Ver­fas­ser für sei­nen Text ge­fei­ert. Denn im Grun- de hat der Au­tor nur sicht­bar ge­macht, was vie­le Män­ner im Si­li­con Val­ley noch im­mer den­ken: Frau­en kön­nen al­les - au­ßer Tech­nik. Es wird ver­mut­lich noch Jah­re, wenn nicht Jahr­zehn­te dau­ern, bis auch die größ­ten Web-Vi­sio­nä­re ih­re ei­ge­nen Vor­ur­tei­le über­wun­den ha­ben. We­nigs­tens ein Ge­biet, auf dem wir Deut­sche mit den Ame­ri­ka­nern mit­hal­ten kön­nen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.