Auf Schloss Rhe­ydt lebt das Mit­tel­al­ter auf

Rund 10.000 Be­su­cher ka­men an drei Ta­gen zum Ritterfest. Sie er­leb­ten ei­nen gro­ßen Markt und vie­le Kämp­fe in der Are­na.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON CHRIS­TI­AN LINGEN

Es war der gro­ße Hö­he­punkt am Sams­tag­abend. Der Tur­nier­platz beim Ritterfest auf Schloss Rhe­ydt stand in Flam­men, die Rei­ter zeig­ten küh­ne St­unts, und das Pu­bli­kum spen­de­te mit Hand­ge­klap­per sei­ne Ap­pel­la­tio ma­xi­ma­les. Nur ei­ner muss­te ta­ten­los da­ne­ben ste­hen, ob­wohl er ei­gent­lich ei­ner der Haupt­dar­stel­ler des Nacht­tur­niers sein soll­te: Joa­chim Fet­ten. Er ist der ein­zi­ge Mön­chen­glad­ba­cher St­untrei­ter beim Rit­ter­tur­nier. Bei ei­ner Vor­füh­rung am Nach­mit­tag ver­letz­te sich sein Pferd am Knö­chel und konn­te am Abend nicht mit­ma­chen. „Das ist wirk­lich scha­de, aber wir müs­sen schau­en, was pas­siert ist“, kom­men­tier­te Fet­ten das Ver­let­zungs­pech. Ges­tern Mor­gen war die Schwel­lung ver­schwun­den, und das Pferd konn­te wie­der mit­ma­chen.

An­ders als in den Vor­jah­ren gab es für die nächt­li­che Show kei­ne Ex­traGe­schich­te. Wie bei den Dar­bie­tun­gen am Nach­mit­tag er­leb­ten die rund 10.000 Be­su­cher, die an den drei Ta­gen zum Schloss Rhe­ydt ka­men, die Ge­schich­te um Mar­tin Lu­ther, der sich so sehr mit ei­nem bö­sen Kar­di­nal strei­tet, dass schließ­lich ein rit­ter­li­ches Tur­nier dar­über ent­schei­den muss, wer denn nun recht hat. Weil am spä­ten Sams­tag­nach­mit­tag ein Stark­re­gen­schau­er über Schloss Rhe­ydt nie­der­ging, er­leb­ten die Be­su­cher am ei­ge­nen Leib, dass das Mit­tel­al­ter nicht ge­ra­de die sau­bers­te Zeit war. Die Wie- sen im Heer­la­ger und am Tur­nier­platz hat­ten sich in ei­ne rie­si­ge Schlamm­land­schaft ver­wan­delt. El­mar Eßer von der Mar­ke­ting­ge­sell­schaft der Stadt war froh, dass ges­tern gu­tes Wetter herrsch­te. „Wir sind heute über­lau­fen wor­den“, sag­te er ges­tern Abend.

Wäh­rend im Rit­ter­tur­nier al­les nur Show war, dro­schen die Kämp­fer im Buhurt, ei­nem aus Ost­eu­ro­pa stam­men­den Voll­kon­takt­sport, mit ech­ten Waf­fen auf­ein­an­der ein. Und zwar so­lan­ge, bis im Kampf fünf ge­gen fünf nur noch ei­ner stand. Schlä­ge mit der Axt auf den Kopf sind im Buhurt ganz nor­mal. Die Kämp­fer reis­ten da­für so­gar aus Bel­gi­en, Frank­reich und Russ­land an. We­ni­ger bru­tal ging es auf dem Mit­tel­al­ter­markt zu. Dort sorg­ten zahl­rei­che Gauk­ler für Kurz­weil, und an rund 70 Stän­den gab es so man­ches zu ent­de­cken. Beim Mäu­se­rou­let­te hör­ten die Kin­der das Mär­chen der Na­ger von Schloss Rhe­ydt, wäh­rend sich die Er­wach­se­nen Lus­t­rol­len, Schand­fle­cken oder Kirsch­bier schme­cken lie­ßen. An vie­len Ecken des Mark­tes, der sich über das ge­sam­te Ge­län­de er­streck­te, dampf­te es. So zum Bei­spiel auch in ei­ni­gen Schmie­den.

Ne­ben ech­ten Hel­men und Waf­fen­at­trap­pen aus Me­tall gab es auch wel­che aus Holz für Kin­der. Ein Falk­ner zeig­te sei­ne Tie­re, und Karl, der Schlei­fer, hat­te ei­nen Ein­horn­schä­del mit­ge­bracht. Für die Da­men gab es Ge­wän­der, Rin­ge und blu­mi­ge Krän­ze für die Haa­re.

Mit­tel­al­ter pur: In der Zeit ent­spre­chen­den Ko­s­tü­men sorg­ten Frau­en und Män­ner mit Fa­ckeln am Abend für die rich­ti­ge At­mo­sphä­re.

In der Ta­ver­ne auf dem Mit­tel­al­ter­markt lock­ten mit­tel­al­ter­li­che Spei­sen wie Schand­fle­cke, Lus­t­rol­len und Kirsch­bier die Be­su­cher an rund 70 Stän­de.

FO­TOS: HANS-PE­TER REICHARTZ (2), JÖRG KNAP­PE (2), CHRIS­TI­AN LINGEN (2)

Furcht­er­re­gend sa­hen man­che der Rit­ter in ih­ren Rüs­tun­gen aus.

Im Buhurt, ei­nem Voll­kon­takt­sport, dro­schen die Kämp­fer mit ech­ten Waf­fen auf­ein­an­der ein.

Mäu­se­rou­let­te mit ei­nem Mär­chen­er­zäh­ler

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