„Wenn man Ers­ter ist, will man da nicht weg“

Die Pro­fis aus Düsseldorf und Duis­burg tref­fen sich am Mon­tag zum Zweit­li­ga-Der­by. In der Ju­gend spiel­ten bei­de für den je­weils an­de­ren Klub.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - BERND JOLITZ UND PATRICK SCHE­RER FÜHR­TEN DAS GE­SPRÄCH.

DÜSSELDORF An ihr bis­her letz­tes Match Tisch­fuß­ball kön­nen sich bei­de nicht er­in­nern. Kn­ei­pen­aben­de mit Bier am Ki­cker­tisch sind für Fuß­ball-Pro­fis eben doch spär­lich ge­sät. Im drit­ten Stock un­se­rer Re­dak­ti­on ho­len An­dré Hoff­mann von Fortu­na Düsseldorf und Tugrul Erat vom MSV Duis­burg so­mit Ver­pass­tes nach. Der For­tu­ne siegt in ei­nem eher un­ter­klas­si­gen Du­ell mit 5:2. „Da­für ge­win­nen wir dann eben am Mon­tag“, sagt Erat. Dann steigt in der Düs­sel­dor­fer Are­na das Zweit­li­ga-Der­by (20.30 Uhr). Hoff­mann und Erat hof­fen, in der Start­elf zu ste­hen. Ne­ben die­sem Wunsch eint bei­de auch ei­ne Ver­gan­gen­heit im je­weils an­de­ren Klub. Sie bei­de ken­nen den an­de­ren Ver­ein aus Ih­rer Ju­gend­zeit ge­nau. Ist das Spiel et­was ganz Be­son­de­res? TUGRUL ERAT Na­tür­lich. Ich ha­be sie­ben Jah­re in Düsseldorf ge­spielt. Ich ha­be 20 Kar­ten für Fa­mi­lie und Freun­de be­sorgt. Und nach un­se­rem Auf­stieg war ei­ner der ers­ten Ge­dan­ken: Wir spie­len ja dann auch ge­gen Fortu­na. Aber es ist ja kein Spiel von Fortu­na ge­gen Tu­gii. Es ist Düsseldorf ge­gen den MSV. Und es wer­den elf MSV-Spie­ler um die Punk­te kämp­fen. ANDRÉHOFFMANN Für mich gilt das­sel­be. Ich war elf Jah­re beim MSV. Es ist nach mei­nem Weg­gang 2013 die ers­te Be­geg­nung mit mei­nem ExVer­ein. Per­so­nell hat sich seit dem Li­zenz­ent­zug aber viel ver­än­dert. Von den ak­ti­ven Spie­lern ken­ne ich da­her nicht mehr so vie­le. Aber drum­her­um sieht das an­ders aus. Die Ver­ein­s­of­fi­zi­el­len und die Spie­ler ver­ste­hen sich meist gut. Bei den Fans sieht das an­ders aus. Ha­ben Sie Be­fürch­tun­gen, dass am Mon­tag et­was aus dem Ru­der lau­fen könn­te? ERAT Klar gibt es ei­ne Ri­va­li­tät. Auf dem Platz wird es auch mit ein paar Tack­lings mehr zur Sa­che ge­hen, aber wir Spie­ler wer­den uns da­nach si­cher noch die Hand rei­chen. Sie sind fast ge­nau gleich alt. Ken­nen Sie sich aus Spie­len in der Ju­gend? ERAT Nein, da wir hat­ten kei­nen Kon­takt. Aber wir ha­ben in der U19Bun­des­li­ga ge­gen­ein­an­der ge­spielt. Wir ha­ben da­mals ge­won­nen (3:0, Sai­son 2010/11, Anm. d. Red.). Al­so, mit „wir“mei­nen Sie in dem Zu­sam­men­hang aber die Fortu­na, um das fest­zu­hal­ten. ERAT Ja, da­mals wa­ren wir noch die Fortu­na. HOFF­MANN Echt? Dar­an kann ich mich nicht er­in­nern. Nie­der­la­gen ver­ges­sen Sie wohl gern? HOFF­MANN Ja, bes­ser ist es. Sie ken­nen je­weils noch Spie­ler aus den an­de­ren Ver­ei­nen. Ist es ge­ne­rell so, dass man als Pro­fi­fuß­bal­ler haupt­säch­lich an­de­re Pro­fi­fuß­bal­ler zum Freun­des­kreis zählt? HOFF­MANN Ja, man be­geg­net na­tür­lich schon vie­len Jungs wie­der. Das ist im Fuß­ball zwangs­läu­fig so. Von da­her hat man vie­le Freun­de, die mit dem Fuß­ball zu­sam­men­hän­gen. Aber es ist auch wich­tig, Freun­de au­ßer­halb zu ha­ben – vor al­lem aus der Schul­zeit. Fuß­ball ist ein Ta­ges­ge­schäft, mit den we­nigs­ten hat man dann wirk­lich lan­ge Kon­takt. ERAT Da hat An­dré recht. Ich ken­ne auch vie­le an­de­re Fuß­bal­ler. Es sind oft kur­ze Ge­sprä­che vor und nach den Spie­len. In der drit­ten Li­ga kann­te ich sehr vie­le. Ich muss­te fast nach je­dem Spiel mein Tri­kot mit je­man­dem tau­schen. Das wird aber ein teu­rer Spaß, oder zahlt das der Ver­ein? ERAT Lei­der müs­sen wir es selbst zah­len. Aber man tauscht es ja ger­ne mit ei­nem Kum­pel. Blei­ben wir kurz beim Pri­va­ten: Woh­nen Sie di­rekt in Düsseldorf be­zie­hungs­wei­se Duis­burg? HOFF­MANN Die ers­te Zeit bin ich aus mei­ner Hei­mat­stadt Es­sen ge­pen­delt, aber mor­gens mit dem Au­to nach Düsseldorf rein­fah­ren ist nicht die bes­te Idee. Des­halb bin ich jetzt rich­tig in Düsseldorf zu Hau­se. ERAT Ich bin ver­gan­ge­nes Jahr aus dem glei­chen Grund nach Duis­burg ge­zo­gen. Wenn man 45 Mi­nu­ten im Stau steht, ist das kein gu­tes Ge­fühl. Zum Spiel: Ziel­set­zung Fortu­nas war Platz eins bis sechs. Jetzt ge­hen Sie als Spit­zen­rei­ter in die Par­tie. Weckt das Lust auf mehr? HOFF­MANN Grund­sätz­lich ist es so: Wenn man Ers­ter ist, will man da oben auch nicht so schnell wie­der weg. Wir wis­sen aber, dass wir auch in Pha­sen rut­schen kön­nen, in de­nen es mal nicht so gut läuft. Wie beim 1:3 in Fürth? HOFF­MANN Ja, aber dar­auf ha­ben wir mit zwei Sie­gen re­agiert. Das ist ei­ne Stär­ke, die wir in der Vor­sai­son nicht hat­ten. Der MSV be­kommt zu Hau­se bis­her kein Bein auf die Er­de, da­für läuft es aus­wärts um­so bes­ser. Sind Sie froh, dass das Der­by in Düsseldorf ist? ERAT Ja schon, klar. Aber wir wa­ren in den Heim­spie­len auch nicht so schlecht, wie die Er­geb­nis­se aus­se­hen. In Düsseldorf wird es schwie­rig, aber ich bin gu­ter Din­ge. Sie ha­ben Stür­mer Bo­ris Tash­chy mit ei­nem Bän­der­riss ver­lo­ren. Wie schwer wiegt das? ERAT Bo­ris ist ein wich­ti­ger Spie­ler für uns. Un­se­re Phy­si­os ar­bei­ten Tag und Nacht, da­mit er viel­leicht Mon­tag doch spie­len kann, aber das wird schwer. Doch wir ha­ben noch an­de­re gu­te Spie­ler. Die hat Fortu­na auch – und das hat da­zu ge­führt, dass Sie zu­letzt zwei Spie­le drau­ßen sa­ßen. Wie groß se­hen Sie Ih­re Chan­ce, am Mon­tag wie­der da­bei­zu­sein? HOFF­MANN Wenn ich mir un­se­re ers­ten sie­ben oder acht Pflicht­spie­le an­se­he, die wir fast al­le ge­won­nen ha­ben, und mei­ne Leis­tun­gen und Trai­nings­leis­tun­gen, dann bin ich schon gu­ter Din­ge, bald auch mal wie­der von An­fang an zu spie­len. Aber das ent­schei­det na­tür­lich der Trai­ner. Es ist un­ser Er­folgs­re­zept, dass wir in der Brei­te sehr gut be­setzt sind und dass für je­den die Mann­schaft im Vor­der­grund steht. ERAT Noch hat auch bei uns Ilia Gruev nichts ge­sagt. Es sind noch ein paar Ta­ge bis zum Spiel, da muss man im­mer Gas ge­ben. Ich wer­de al­les da­für tun, in der Start­elf zu ste­hen – es ist schon ei­ne be­son­de­re Mo­ti­va­ti­on, dass mei­ne gan­ze Fa­mi­lie im Sta­di­on ist. Tugrul Erat hat es we­gen weit­läu­fi­ger fa­mi­liä­rer Ver­bin­dun­gen zum Na- tio­nal­spie­ler Aser­bai­dschans ge­bracht. Ist das nicht Ansporn für Sie, Herr Hoff­mann, auch ein we­nig Ah­nen­for­schung zu be­trei­ben? HOFF­MANN Ich fürch­te, man sieht mir an, dass ich kei­ne Vor­fah­ren in Aser­bai­dschan ha­be. Aber viel­leicht auf den Fä­rö­ern? HOFF­MANN Da muss ich mal nach­hor­chen, aber ich den­ke eher nein. Zu­rück zur Zwei­ten Li­ga: Ist die Auf­stiegs-Eu­pho­rie beim MSV schon et­was ge­dämpft wor­den? ERAT Die Stim­mung ist im­mer noch gut. Wir wis­sen, dass wir aus der Drit­ten Li­ga kom­men, un­ser kla­res Ziel ist der Klas­sen­er­halt. Ist für Fortu­na die Fa­vo­ri­ten­rol­le ei­ne Ge­fahr? Ih­re bes­ten Spie­le ha­ben Sie ge­gen Teams ge­macht, die weit vorn er­war­tet wer­den, da­für beim Ta­bel­len­letz­ten Fürth ver­lo­ren. HOFF­MANN Nein, ei­ne be­son­de­re Ge­fahr se­he ich nicht. Die­se Li­ga ist un­be­re­chen­bar, das zeigt schon der MSV mit sei­nem 4:0-Sieg in Bie­le­feld und dann dem 1:6 ge­gen Nürn­berg. Es ist völ­lig egal, ob man ge­gen den Letz­ten oder den Zwei­ten spielt. Kann man in ei­nem Der­by über­haupt den Geg­ner un­ter­schät­zen? ERAT Düsseldorf wird uns ganz si­cher nicht un­ter­schät­zen. Fortu­na hat in Fürth ein­fach ei­nen schlech­ten Tag er­wischt. Jetzt ist sie Spit­zen­rei­ter, aber wenn wir ei­nen gu­ten Tag ha­ben – war­um sol­len wir sie dann nicht schla­gen kön­nen?

FO­TO: AN­NE ORTHEN

Das Vor­spiel zum Zweit­li­ga-Der­by am Mon­tag in der Düs­sel­dor­fer Are­na: Fortu­nas An­dré Hoff­mann (li.) und Tugrul Erat (MSV) am Re­dak­ti­ons-Ki­cker.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.