Ren­te auf dem Prüf­stand

Rheinische Post Moenchengladbach - - STIMME DES WESTENS - VON EVA QUADBECK

Als die Ren­te mit 63 ein­ge­führt wur­de, ging es sym­bol­haft um den Dach­de­cker, der nach mehr als 40 Jah­ren im Job die Knie ka­putt hat. Der So­zi­al­staat muss sol­chen Ar­beit­neh­mern auch vor Er­rei­chen des ge­setz­li­chen Ren­ten­ein­tritts­al­ters aus­kömm­li­che Al­ters­be­zü­ge bie­ten. Da­für ist aber kei­ne Re­ge­lung not­wen­dig, die al­le lang­jäh­ri­gen Ver­si­cher­ten in den früh­zei­ti­gen Ru­he­stand ent­lässt.

Viel bes­ser wä­re es, die Er­werbs­min­de­rungs­ren­te so groß­zü­gig aus­zu­stat­ten, dass Ar­beit­neh­mer mit nach­ge­wie­se­nen Be­rufs­krank­hei­ten oder an­de­ren Lei­den frü­her aus dem Job aus­schei­den kön­nen – wenn nö­tig auch mit 60 Jah­ren. Wer aber noch ge­sund ist, dem ist sehr wohl zu­zu­mu­ten, bis zum all­ge­mei­nen Ren­ten­ein­tritts­al­ter be­schäf­tigt zu blei­ben. Das Prin­zip des So­zi­al­staats ist doch, So­li­da­ri­tät mit den Schwa­chen, Kran­ken und Hilfs­be­dürf­ti­gen zu zei­gen, nicht aber das Geld al­ler an ei­ne be­stimm­te Kli­en­tel zu ver­tei­len. Die Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on hät­te die Chan­ce, die Ren­te mit 63 in ei­ne dif­fe­ren­ziert und bes­ser aus­ge­stat­te­te Er­werbs­min­de­rungs­ren­te um­zu­ge­stal­ten. Sie soll­te es tun. BE­RICHT

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