Bun­te Trüm­mer­hau­fen-Ko­ali­ti­on

In Ber­lin bil­det sich ein schrä­ges Bünd­nis um die Uni­on, die die rech­ten Schmud­del­the­men der AfD über­las­sen will.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - Chris­toph Schwen­ni­cke ist Chef­re­dak­teur des „Ci­ce­ro“und schreibt re­gel­mä­ßig an die­ser Stel­le im Rah­men ei­ner Ko­ope­ra­ti­on. Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: ko­lum­ne@rhei­ni­sche-post.de

Die­se Ta­ge, in de­nen aus Deutsch­land Ja­mai­ka wird, hal­ten ei­ni­ge Köst­lich­kei­ten be­reit. Die SPD ver­sucht sich gleich­zei­tig in ge­schäfts­füh­ren­der Re­gie­rungs­ver­ant­wor­tung und blind­wü­ti­gem Op­po­si­ti­ons­an­griff. In der kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung des 19. Bun­des­ta­ges wird hoch­po­li­tisch, wer wem wie die Hand schüt­telt oder wen an­schaut oder schnei­det.

Was sich jetzt auf der of­fe­nen Büh­ne des Plenar­saals vor al­ler Au­gen ab­spielt, hat vor ge­rau­mer Zeit be­gon­nen. Die­se neue po­li­ti­sche Land­schaft, die sich da bil­det und an de­ren En­de mut­maß­lich die­ses schrä­ge Bünd­nis steht, ist als Mo­dell vor et­wa drei Jah­ren er­schaf­fen wor­den. Es war die Zeit, als in der Uni­on an die Stel­le der Franz-Jo­sef-Strau­ßDok­trin die Matthias-Jung-Dok­trin trat. Bis zu die­ser Zeit galt je­ner Satz des baye­ri­schen Ber­ser­kers, wo­nach es rechts von der Uni­on kei­ne de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­te Kraft ge­ben dür­fe.

Matthias Jung, der Haus­de­mo­skop der CDU-Vor­sit­zen­den und Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel, ver­kehrt die­sen An­satz ins Ge­gen­teil. Als die AfD am po­li­ti­schen Ho­ri­zont auf­tauch­te, be­zeich­net er sie als „Chan­ce“der Uni­on. Als Chan­ce, das „Rech­te“kom­plett die­ser Par­tei CHRIS­TOPH SCHWEN­NI­CKE zu über­las­sen, da­mit die un­ap­pe­tit­li­che Kon­no­ta­ti­on die­ses Wort gleich mit, und statt­des­sen ge­zielt nach links aus­zu­le­gen, über die Mit­te hin­aus, tief hin­ein in das po­li­ti­sche Ter­rain der SPD. Um mit die­ser Land­nah­me si­cher­zu­stel­len, dass die SPD im­mer klei­ner blei­ben wür­de als die Uni­on. Und um so die AfD zur Ab­raum­hal­de des po­li­ti­schen Igitt zu ma­chen.

Die Mis­si­on ist er­füllt. Zwar ist die Uni­on mit mü­den 32,9 Pro­zent bei der Bun­des­tags­wahl durchs Ziel ge­gan­gen. Aber Pro­zent­zah­len sind re- la­tiv, die Schwä­chung der SPD als ein­zi­ger Kon­kur­renz­par­tei um das Kanz­ler­amt ist (un­ter de­ren tat­kräf­ti­ger Mit­hil­fe) ge­glückt, die Kol­la­te­ral­schä­den die­ser Stra­te­gie (star­ke AfD, wei­te­re Zer­split­te­rung des Par­tei­en­sys­tems) las­sen sich für die Uni­on ur­bar ma­chen: Ei­nen Teil des bun­ten Trüm­mer­hau­fens packt man zu ei­ner selt­sa­men Ko­ali­ti­on zu­sam­men. Und die Igitts von der Uni­ons­a­b­raum­hal­de AfD muss man da­für dann eben aus­hal­ten, auch ein Wolf­gang Schäu­b­le, wenn ihm Alex­an­der Gau­land mit ei­nem Bück­ling beim Hand­schlag zur Wahl des Bun­des­tags­prä­si­den­ten gra­tu­liert.

Das kann man al­les so ma­chen. Aber man muss dann auch die lang­fris­ti­gen Fol­ge­wir­kun­gen ak­zep­tie­ren. Und we­nigs­tens ein biss­chen fair blei­ben. So ist zum Ers­ten klar, dass die 12,6 Pro­zent Wäh­ler der AfD nicht al­le­samt als rechts­ra­di­kal ab­zu­ha­ken sind. Dem ist nicht so. Denn: Wenn ich als Uni­on ak­tiv den Raum zwi­schen NPD und mir preis­ge­be, dann ist nicht al­les, was die­sen Raum be­setzt, au­to­ma­tisch NPD.

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