Neue Metz­ge­rei nur für Pfer­de­fleisch

Tan­ja Jan­ßen mag Pfer­de. Frü­her ist sie auch ge­rit­ten. Ab An­fang No­vem­ber führt die 42-Jäh­ri­ge an der Neus­ser Stra­ße nun ei­ne Pfer­de­metz­ge­rei – dort, wo ih­re El­tern bis 2015 schon ei­ne hat­ten. Sie er­zählt, was sie da­zu be­wo­gen hat.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON SA­BI­NE KRICKE

„Die Men­schen möch­ten al­le, dass die Tie­re, de­ren Fleisch sie ger­ne es­sen, vor ih­rem Tod ein gu­tes Le­ben hat­ten und nicht lei­den muss­ten. Ge­nau das ist auch bei Pfer­den der Fall“, sagt die Mön­chen­glad­ba­che­rin Tan­ja Jan­ßen. Bei den ge­schlach­te­ten und an­schlie­ßend zu Wurst ver­ar­bei­te­ten Pfer­den han­delt es sich laut der Metz­ge­rin oft um Pfer­de, die nicht mehr ge­rit­ten wer­den kön­nen. „Das sind dann zum Bei­spiel Tie­re, die ei­ne Ver­let­zung am Rü­cken ha­ben. Die we­nigs­ten Hal­ter ha­ben dann die Mu­ße oder das Geld, die Tie­re wei­ter zu hal­ten“, sagt Jan­ßen. So sei für vie­le Pfer­de­hal­ter der Weg zum Schlach­ter be­quem und güns­tig.

An der Neus­ser Stra­ße führ­ten Jan­ßens El­tern über 35 Jah­re lang ei­nen Metz­ge­rei­be­trieb. Be­reits mit 16 Jah­ren half die Toch­ter aus. Mit 18 ent­schloss sich Tan­ja Jan­ßen, in die Fuß­stap­fen ih­rer El­tern zu tre­ten, und ar­bei­te­te von da an fest in der Pfer­de­metz­ge­rei. Dass sie Pfer­de ger­ne hat und frü­her auch selbst ge­rit­ten ist, ist für die heu­te 42-Jäh­ri­ge kein Wi­der­spruch.

Im Jahr 2015 ent­schie­den ih­re El­tern, den Be­trieb zu schlie­ßen, und führ­ten statt­des­sen ein Ti­er­nah­rungs­ge­schäft in den Räu­men. Die Toch­ter blieb dem Pfer­de­fleisch aber treu und ver­kauf­te der­weil Wurst­wa­ren auf Wo­chen­märk­ten in Düs­sel­dorf, Lan­gen­feld und Vier­sen. Am 8. No­vem­ber er­öff­net sie das ehe­ma­li­ge Ge­schäft ih­rer El­tern neu – in dem es, wie frü­her, nur Fleisch von Pfer­den ge­ben wird.

„Von der klas­si­schen Sa­la­mi bis zur Mett­wurst, Le­ber­wurst oder Fleisch­wurst ist al­les da­bei“, sagt Jan­ßen. „So wie in je­der an­de­ren Metz­ge­rei halt auch. Es han­delt sich aber eben nur um Pfer­de­fleisch.“Ge­schmack­lich äh­ne­le das Fleisch Rind­fleisch. „Man­che be­haup­ten, es sei ein biss­chen sü­ßer“, sagt Jan­ßen. Das zar­tes­te Stück vom Pferd sei, wie beim Rind, das Fi­let. Zu­be­rei­ten kön­ne man es ge­nau wie das Pen­dant aus Rind­fleisch: „Ru­hig blu­tig, wenn man das mag.“

Das Fleisch be­zieht die Metz­ge­rin aus­schließ­lich von Schlacht­hö­fen aus der Re­gi­on. Bei der Schlach­tung sei es wich­tig, dass die Tie­re kei­ner­lei Me­di­ka­men­te im Blut ha­ben, sagt die Metz­ge­rin. „Das prüft der Ve­te­ri­när vor und noch ein­mal nach der Schlach­tung.“Au­ßer­dem muss je­des Pferd, das für den Ver­zehr ge­schlach­tet wer­den soll, ei­nen gül­ti­gen Equi­den­pass ha­ben. „Das ist so­zu­sa­gen der Aus­weis vom Pferd“, sagt Jan­ßen. So wis­se man si­cher, wo das Pferd her­kommt.

In Ver­ruf ge­ra­ten war Pfer­de­fleisch in Deutsch­land vor al­lem im Jahr 2013. In meh­re­ren eu­ro­päi­schen Län­dern war da­mals Pfer­de­fleisch auf Tel­lern ge­lan­det, das nie­mals hät­te ver­kauft wer­den dür­fen. Ei­ne kri­mi­nel­le Ban­de hat­te jah­re­lang Fleisch von Pfer­den, das nicht für den Ver­zehr ge­eig­net war, in den Han­del ge­schleust. Vor al­lem in La­sa­gne fand sich da­mals we­ni­ger Rind­fleisch, da­für mehr Pfer­de­fleisch. Da­bei hat Pfer­de­fleisch, vor al­lem in der Re­gi­on, ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on. Man den­ke nur an den Rhei­ni­schen Sau­er­bra­te, der üb­li­cher­wei­se mit Pfer­de­fleisch zu­be­rei­tet wird. Jan­ßen ist zu­ver­sicht­lich, dass sich ih­re Metz­ge­rei an der Neus­ser Stra­ße hal­ten wird.

„Die Men­schen kom­men ge­zielt zu uns und kau­fen das Pfer­de­fleisch, weil sie es schät­zen“, sagt die 42-Jäh­ri­ge. Da­bei sei­en die Ge­schmä­cker in­ner­halb der Re­gi­on durch­aus un­ter­schied­lich. „In Vier­sen ist zum Bei­spiel die Fleisch­wurst vom Pferd to­tal be­liebt“, sagt Jan­ßen. Woran das liegt, das wüss­te sie auch ger­ne, sagt sie mit ei­nem Zwin­kern.

Ge­öff­net hat das al­te, neue Ge­schäft ab Mitt­woch, 8. No­vem­ber, an der Neus­ser Stra­ße 221 im­mer mitt­wochs, don­ners­tags und frei­tags von 9 bis 12.30 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr.

FO­TO: TAN­JA JANS­SEN

Tan­ja Jan­ßen mit ih­ren Wurst­wa­ren auf ei­nem Wo­chen­markt in Düs­sel­dorf. In der Zeit, als ih­re El­tern den Metz­ge­rei­be­trieb ge­schlos­sen hat­ten, ver­kauf­te Jan­ßen ih­re Wurst auf vie­le Märk­ten in der Re­gi­on.

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