Ei­ne Win­ter­lin­de und ei­ne Ei­be sind die äl­tes­ten Bäu­me im Stadt­ge­biet. In Volks­gar­ten und Buch­hol­zer Wald sind die äl­tes­ten Wald­be­stand­tei­le. Re­vier­förs­ter Wer­ner Stops kennt „sei­ne“Bäu­me. Von An­ge­la Wilms-Adrians

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES -

Im Schat­ten der Oden­kir­che­ner Pfarr­kir­che steht der Me­thu­sa­lem un­ter Mön­chen­glad­bachs Bäu­men: ei­ne Win­ter­lin­de. Mehr als 700 Jah­re zählt der som­mer­grü­ne Laub­baum, der mit den Jah­ren an Sta­bi­li­tät ein­ge­büßt hat. Er muss von al­len Sei­ten ge­stützt wer­den und ist von ei­nem Zaun ein­ge­frie­det. Ei­ne Ta­fel mit halb ver­wit­ter­ter Schrift weist die Ti­lia cor­da­ta, so der fach­kun­di­ge Na­me, als Na­tur­denk­mal aus. Im hoh­len Stamm sor­gen Ei­sen­stan­gen für Halt, nach oben ist der Baum ein­ge­kürzt. Und doch trotzt er der Zeit sein Le­ben ab, wie die noch nicht vom Herbst­wind fort­ge­bla­se­nen Blät­ter be­wei­sen.

Der Laie mag sich wun­dern, dass der Baum über­haupt noch le­bens­fä­hig ist. Doch Re­vier­förs­ter Wer­ner Stops sieht das an­ders. „Im Kern la­gern sich die ab­ge­stor­be­nen Baum­zel­len ab. Der Kern si­chert vor al­lem die Sta­bi­li­tät des Bau­mes. Le­bens­wich­tig ist der sich dar­an an­schlie­ßen­de Splint, über den die von den Wur­zeln auf­ge­nom­me­nen Nähr­stof­fe und das Was­ser nach oben ge­lei­tet wer­den.“Au­ßer­dem sei auch die Wachs­tums­schicht wich­tig, die Kam­bi­um­schicht, die nach in­nen Splint­holz­zel­len und nach au­ßen Bast­zel­len bil­det und Baum­wun­den ver­schließt. „Die Rin­de be­steht aus Bor­ke und Bast. Die durch Pho­to­syn­the­se ge­bil­de­ten As­si­mi­la­te müs­sen in die Wur­zel, und da ist der Bast der Saft­strom von der Kro­ne zu den Wur­zeln“, so der Förs­ter.

Die Win­ter­lin­de an der Ecke der Kir­che hat al­so die Chan­ce, noch ei­ni­ge Hun­der­te Jah­re mehr zu er­rei­chen. Deut­lich über 1.000 Jah­re kann die Spe­zi­es wer­den. Stops er­zählt, dass die Ger­ma­nen Lin­den und Ei­chen als Kult­bäu­me ver­ehr­ten, weil sie wuss­ten, dass die­se Bäu­me sehr alt wer­den kön­nen.

Die Ei­be an der Neus­ser Stra­ße, ge­gen­über der Ein­mün­dung in den Pil­grams­weg, schafft es auf der Lis­te der äl­tes­ten Bäu­me in Mön­chen­glad­bach auf Platz zwei. Zur Stra­ße hin ver­birgt sie ein wei­ßes Ka­pell­chen so­wie ei­nen klei­nen Platz, der mit Bän­ken zum Ver­wei­len ein­lädt. Die Ei­be – be­zie­hungs­wei­se der Ta­xus Bac­ca­ta – zählt mehr Jah­re als das in die­sem Jahr ge­fei­er­te Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um.

Re­vier­förs­ter Stops be­rich­tet, dass Ei­ben bis ins Mit­tel­al­ter sehr ver­brei­tet wa­ren. Dann ver­schwan­den sie viel­fach aus der Land­schaft, weil aus ih­rem Holz Waf­fen ge­ar­bei­tet wur­den, die als ein ers­ter Ex­port­schla­ger aus deut­schen Lan­den über Ant­wer­pen aus­ge­führt wur­den. Zu­min­dest im süd­deut­schen Raum soll es des­halb Fürs­ten ge­ge­ben ha­ben, die den Schutz des Bau­mes ein­for­der­ten.

Recht alt sind auch ei­ni­ge Stilei­chen bei Haus Horst. Die äl­tes­te Ei­che, ein mäch­ti­ger Baum, schätzt Re­vier­förs­ter Stops auf 400 Jah­re. „Die wur­de knapp vor dem 30-jäh­ri­gen Krieg ge­pflanzt“, sagt er, um die im­mer noch gro­ße Zeit­span­ne zu ver­deut­li­chen. Nicht weit ent­fernt von ihr ste­hen drei Art­ge­nos­sen, die es im­mer­hin noch auf et­wa 300 Jah­re brin­gen dürf­ten.

In der Bungt des Volks­gar­tens ist ein mäch­ti­ger Baum von et­wa 250 Jah­ren zu­hau­se, den Stops’ Vor­gän­ger im­mer als „Kai­se­rei­che“be­zeich­ne­te. „Der Baum wur­de nach­träg­lich ge­tauft“, sagt da­zu Re­vier­förs­ter Rein­hard Hei­se, der eben­so we­nig wie Stops weiß, auf wel­chen Kai­ser sich der Na­me be­zie­hen soll. In Ar­chi­ven könn­te die Ant­wort dar­auf bei­zei­ten ge­fun­den wer­den.

Im Volks­gar­ten und im Buch­hol­zer Wald ste­hen zu­dem die äl­tes­ten Wald­be­stand­tei­le von Mön­chen­glad­bach. In An­spie­lung auf die His­to­rie spre­chen die Forst­leu­te in Ver­bin­dung mit dem Volks­gar­ten vom „al­ten Ab­tei­holz“. Sie er­zäh­len, dass der Bu­chen­be­stand den Na­men des Re­stau­rants „Am Bu­chen­hof“er­klärt. „Hier ste­hen Bu­chen, die 160 bis 180 Jah­re alt sind, dar­un­ter die höchs­te Alt­bu­che des Stadt­ge­biets. Sie reicht bis auf 40 Me­ter Hö­he. Hier wer­den nur Bäu­me ge­fällt, wenn sie ge­fähr­lich wer­den“, sagt Stops.

Er ist na­tür­lich ver­traut mit dem Pro­blem, wenn Bäu­me durch Stra­ßen­ar­bei­ten an­ge­gra­ben wer­den. „Wenn man die Wur­zeln mehr­fach an­schnei­det, ent­ste­hen Ein­tritts­pfor­ten für Schäd­lin­ge“, er­klärt Stops und be­tont, dass ein Baum mit mäch­ti­ger Kro­ne stets auch ein ent­spre­chen­des Wur­zel­werk hat. Im Volks­gar­ten wur­den da­her schon We­ge ver­legt, um Bäu­me zu schüt­zen.

Der Buch­hol­zer Wald im Süd­wes­ten der Stadt bei Wick­ra­th­hahn er­hielt sei­nen Na­men ver­mut­lich we­gen sei­ner mäch­ti­gen Bu­chen. Der Hard­ter Wald ist re­la­tiv jung. Er wur­de erst zur na­po­leo­ni­schen Zeit auf­ge­fors­tet. Vor­her präg­te ei­ne Hei­de­land­schaft das Bild. In der Hei­de stan­den al­ler­dings ver­ein­zelt mäch­ti­ge Bäu­me als Schat­ten­spen­der für die Scha­fe.

Ei­ne gro­ße Bu­che von schät­zungs­wei­se 160 bis 200 Jah­ren steht un­weit des Re­stau­rants „Am Fuchs­bau“. Sie ist ein Ha­bi­tat-Baum, der bis zu 300 Le­be­we­sen von der Flech­te über In­sek­ten, Vö­geln und Pil­zen ei­nen Le­bens­raum bie­tet. Hier lebt un­ter an­de­rem ein Schwarz­specht. „Auch die Bu­che galt den Men­schen als hei­lig. Aus dem Holz der Bu­che wur­den Stäb­chen ge­wor­fen, um et­was über die Zu­kunft zu er­fah­ren. Dar­aus ist spä­ter der Na­me Buch­sta­be ent­stan­den“, sagt Hei­se. Auf dem Ge­län­de der Hard­ter Wald­kli- nik steht ei­ne wei­te­re mäch­ti­ge Bu­che, die die ver­gan­ge­ne Form der Nie­der­wald­be­wirt­schaf­tung er­ken­nen lässt. „Die Wäl­der wur­den ver­schie­den ge­nutzt. Wenn sie nie­der­wald­ar­tig ge­nutzt wur­den, wur­de aus ih­nen Brenn­holz ge­won­nen. Der Baum wur­de im­mer wie­der un­ten ab­ge­schnit­ten und wuchs dann nach“, sagt Stops über den eins­ti­gen Wirt­schafts­fak­tor.

Das Hard­ter Ex­em­plar ist aus min­des­tens drei bis vier Stäm­men zu­sam­men­ge­wach­sen. Aus heu­ti­ger Sicht ist die­ser Baum wirt­schaft­lich nicht wert­voll, da sich glat­te Stäm­me bes­ser zu Mö­beln ver­ar­bei­ten las­sen. Doch für den Wald­be­su­cher ist die­se Bu­che schön an­zu­se­hen. Stops er­kennt in ihr zu­dem ein aus­sa­ge­kräf­ti­ges Do­ku­ment über die frü­he­re Nut­zung von Holz. Er be­tont, dass un­se­re heu­ti­ge Land­schaft das Er­geb­nis meh­re­rer Ro­dungs­pe­ri­oden ist. Einst war hier über­all Wald.

Die Ei­be an der Neus­ser Stra­ße ist mit mehr als 500 Jah­ren der zweit­äl­tes­te Baum der Stadt.

Noch äl­ter als die Ei­be ist nur die­se Win­ter­lin­de in Oden­kir­chen: Mehr als 700 Jah­re alt ist sie schon.

FO­TO: AN­GR

In die­ser Bu­che im Hard­ter Wald na­he des Re­stau­rants „Fuchs­bau“lebt ein Schwarz­specht.

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