Grü­ne wol­len Bäu­me bes­ser schüt­zen

Rheinische Post Moers - - NEUKIRCHEN-VLUYN / RHEURDT - VON STE­FAN GILSBACH

Die Frak­ti­on im Neu­kir­chen-Vluy­ner Rat be­an­tragt ei­ne Baum­schutz­sat­zung. Im­mer öf­ter, ar­gu­men­tiert sie, zeig­ten Bür­ger Un­ver­ständ­nis, wenn durch Bau­maß­nah­men oder aus an­de­ren Grün­den ver­trau­te Ex­em­pla­re ver­schwin­den.

NEU­KIR­CHEN-VLUYN Über das Ver­schwin­den von Bäu­men ist in Neu­kir­chen-Vluyn in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten häu­fig dis­ku­tiert wor­den. Bür­ger drü­cken im­mer häu­fi­ger ih­ren Un­wil­len aus, wenn ver­trau­te Ge­wäch­se plötz­lich der Axt wei­chen. Zu­letzt wur­de über das Schick­sal der Ahor­ne an der Al­ten Rat­haus­stra­ße in den po­li­ti­schen Gre­mi­en be­ra­ten. We­gen der Bau­maß­nah­men dort soll­ten die al­ten Bäu­me ver­schwin­den, das fan­den An­woh­ner nicht gut. Ein Gut­ach­ten un­ter­such­te die Mög­lich­keit, die be­jahr­ten Ahorn­bäu­me um­zu­pflan­zen, kam aber zu dem Schluss, dass dies nicht klap­pen wür­de. In­zwi­schen sind die Ex­em­pla­re ge­fällt wor­den.

Die Frak­ti­on von Bünd­nis 90/ Grü­ne hat­te be­reits an­ge­kün­digt, das The­ma Baum­schutz­sat­zung wie­der auf die Ta­ges­ord­nung der Po­li­tik zu set­zen. Nun ist es so­weit: Die Frak­ti­on hat für den kom­men­den Bau-, Grün­flä­chen- und Um­welt­aus­schuss fol­gen­den An­trag for­mu­liert: „Die Ver­wal­tung wird be­auf­tragt, im Ein­klang mit den be­ste­hen­den Ge­set­zen und Ver­ord­nun­gen, ei­ne Sat­zung zum Schutz von Bäu­men, He­cken und Sträu­chern (Baum­schutz­sat­zung) zu er­ar­bei­ten und ei­nen be­schluss­fä­hi­gen Ent­wurf dem Bau-, Grün­flä­chen- und Um­welt­aus­schuss (BGU) vor­zu­le­gen.“Da­zu sol­len Er­fah­run­gen aus an­de­ren Städ­ten aus­ge­wer­tet wer­den, die ei­ne sol­che Sat­zung be­reits ha­ben. Der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Tho

mas Wa­ge­ner be­grün­det den An­trag: „Fäl­lun­gen stand­ort­prä­gen­der und/oder öko­lo­gisch wert­vol­ler Bäu­me wer­den in der Be­völ­ke­rung kri­tisch wahr­ge­nom­men und unter an­de­rem auch in ent­spre­chen­den Le­ser­brie­fen oder so­zia­len Netz­wer­ken kom­men­tiert. In ei­ni­gen Fäl­len wur­den Fäll­ak­tio­nen auch von Bür­ger­pro­tes­ten und Un­ter­schrif­ten­samm­lun­gen be­glei­tet.“Es ge­be al­so ein öf­fent­li­ches In­ter­es­se, dem durch ei­ne Baum­schutz­sat­zung ent­spro­chen wer­den könn­te.

Das we­sent­li­che Ziel ei­ner sol­chen Sat­zung müs­se es sein, schüt­zens­wer­te Bäu­me und He­cken „unter Be­rück­sich­ti­gung ört­li­cher Ge­ge­ben­hei­ten“zu er­hal­ten. Auch müs­se im Fal­le von Stra­ßen-, Ka­nal- und Hoch­bau­maß­nah­men die­ser Schutz ei­nen „deut­lich hö­he­ren Stel­len­wert“be­kom­men.

Wa­ge­ner fasst zu­sam­men: „Ei­ne Baum­schutz­sat­zung dient so­mit der Si­cher­stel­lung der Leis­tungs­fä­hig­keit des Na­tur­haus­hal­tes, der Gestal­tung, Glie­de­rung und Be­le­bung des Orts- und Land­schafts- bil­des und der Si­che­rung der Nah­er­ho­lung, der Ab­wehr schäd­li­cher Ein­wir­kun­gen auf den Men­schen und auf Stadt­bio­to­pe, dem Er­hal­tung be­zie­hungs­wei­se Ver­bes­se­rung des Stadt­kli­mas und dem Er­halt ei­nes ar­ten­rei­chen Baum­be­stan­des.“Die Sat­zung wür­de nach den Plä­nen der Grü­nen-Frak­ti­on auch al­le Flä­chen im städ­ti­schen Ei­gen­tum be­zeich­nen, auf de­nen ein ge­schütz­ter Be­reich für Bäu­me oder Sträu­cher er­hal­ten oder an­ge­legt wer­den soll.

Es ist nicht der ers­te Vor­stoß der Neu­kir­chen-Vluy­ner Grü­nen in die­ser Sa­che. Bis­lang, so äu­ßer­te Tho­mas Wa­ge­ner jüngst, ha­be die Stadt aber im­mer ab­ge­blockt und er­klärt, es ge­be für so ei­ne Sat­zung kei­nen Grund. Wenn die Grü­nen die­ses Mal im Aus­schuss und dann im Rat mit ih­rem An­trag Er­folg ha­ben möch­ten, müs­sen sie an­de­re Frak­tio­nen über­zeu­gen, vor al­lem die grö­ße­ren, al­so CDU und SPD. Mar­kus Na­cke, der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Christ­de­mo­kra- ten, zeigt sich skep­tisch. „Vor ei­ni­gen Jah­ren ha­ben wir das schon be­ra­ten und da­mals war ei­ne Mehr­heit in den Gre­mi­en da­ge­gen“, be­rich­tet er. Bei den Pro­tes­ten von Bür­gern aus der jüngs­ten Zeit sei es ja meist um Bäu­me im öf­fent­li­chen Raum ge­gan­gen. „Wenn sich da et­was än­dert, be­kom­men wir das als Frak­tio­nen ja oh­ne­hin auf den Tisch“, sagt Na­cke. Ei­ne Baum­schutz­sat­zung be­tref­fe er­fah­rungs­ge­mäß vor al­lem die pri­va­ten Grund­stü­cke. Na­cke fürch­tet, dass die Ein­füh­rung ei­ner sol­chen Sat­zung eher kon­tra­pro­duk­tiv für das Grün in der Stadt ist. „Die pri­va­ten Ei­gen­tü­mer könn­ten sich ver­an­lasst se­hen, rasch noch zur Ket­ten­sä­ge zu grei­fen, um Fak­ten zu schaf­fen, be­vor die Sat­zung in Kraft tritt.“

Tho­mas Wa­ge­ner be­tont, dass die von den Grü­nen ge­for­der­te Sat­zung auch für den pri­va­ten Be­reich gel­ten soll. „Schließ­lich gab es ja auch Be­schwer­den über Baum­fäl­lun­gen, die auf den Ge­län­den von Un­ter­neh­men pas­siert sind.“

Die zweite gro­ße Frak­ti­on im Rat, die der So­zi­al­de­mo­kra­ten, zeigt sich da­ge­gen für den Vor­schlag der Grü­nen auf­ge­schlos­sen. „Nach den jüngs­ten Ge­scheh­nis­sen wol­len wir bei un­se­rer Frak­ti­ons­klau­sur En­de des Monats auch dar­über spre­chen“, kün­digt Frak­ti­ons­vi­ze Gün­ter Zel­ler an.

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