Aria­ne Jä­ger ist die neue Stadt­ar­chi­va­rin

Die 35-Jäh­ri­ge prä­sen­tiert zum öf­fent­li­chen Ein­stand ei­ne Aus­stel­lung zum 150-jäh­ri­gen Be­ste­hen des Leich­lin­ger Bahn­hofs.

Rheinische Post Opladen - - LEICHLINGEN - VON CRISTINA SEGOVIA-BUENDÍA

LEICHLINGEN Es sind zahl­rei­che Sin­nes­ein­drü­cke, die Aria­ne Jä­ger er­lebt, wenn sie ein al­tes Do­ku­ment, ein Stück Ge­schich­te, in den Hän­den hält. Ei­ne Lie­be, die wohl schon im­mer in der Pul­hei­me­rin schlum­mer­te – ihr Va­ter sam­mel­te Zei­tungs­aus­ga­ben, sie liebt die Ord­nung – die al­ler­dings erst wäh­rend ih­res Ma­gis­ter­stu­di­ums in Ger­ma­nis­tik, Phi­lo­so­phie und Ge­schich­te ent­fach­te: „Ich kam mit ei­nem al­ten, hand­schrift­li­chen Do­ku­ment in Be­rüh­rung, ein ech­tes Uni­kat und ich war ein­fach fas­zi­niert. Das weck­te mein In­ter­es­se an der Ar­chiv­ar­beit.“

2009 be­warb sich Jä­ger nach ih­rem Stu­di­um beim Köl­ner Stadt­ar­chiv, das nur we­ni­ge Mo­na­te zu­vor ein­ge­stürzt war und drin­gend Hel­fer brauch­te. Sie half bei der Iden­ti­fi­zie­rung der ver­schüt­te­ten Do­ku­men­te mit, er­fass­te sie und be­rei­te­te die­se für die Re­stau­rie­rung vor. Ne­ben­her ab­sol­vier­te sie ein Mas­ter­stu­di­um in Ar­chiv­we­sen. Fast sechs Jah­re war sie in Köln, ei­ne Zeit, in der sie viel ge­lernt hat. „Köln war sehr span­nend, aber ich woll­te auch zu­rück zu den Kern­auf­ga­ben ei­ner Ar­chi­va­rin und die Din­ge um­set­zen, die ich wäh­rend mei­nes Stu­di­ums ge­lernt ha­be.“Als sie von der of­fe­nen Stel­le in Leichlingen er­fuhr, be­warb sie sich.

Zu der Auf­ga­be ei­ner Ar­chi­va­rin ge­hört es, nicht nur ge­schicht­li­che Do­ku­men­te zu be­wah­ren. Als Stadt­ar­chi­va­rin ar­bei­tet sie eng mit der Ver­wal­tung zu­sam­men, muss Ak­ten aus­wer­ten, be­wer­ten und – im po­si­ti­ven Fall – ar­chi­vie­ren. „Ich muss schau­en, ob Ver­wal­tungs­ak­ten aus his­to­ri­schen oder aus ge­setz­li­chen Grün­den auf­be­wahrt wer­den müs­sen“, er­läu­tert Jä­ger. Dann müs­sen die Ak­ten auch so ver­schlag­wor­tet wer­den, dass sie wie­der­ge­fun­den wer­den kön­nen. Viel Zeit ver­bringt die Pul­hei­me­rin auch ein­fach da­mit, die Do­ku­men­te so vor­zu­be­rei­ten, dass sie mög­lichst lan­ge un­be­scha­det ge­la­gert wer­den kön­nen. Me­tall­klam­mern, die be­son­ders gern von der Ver­wal­tung ge­nutzt wer­den, sind schäd­lich fürs Pa­pier. „Je nach­dem wie sich die Luft­feuch­tig­keit im Ar­chiv ver­än­dert, fan­gen die Klam­mern an zu ros­ten und hin­ter­las­sen fie­se Fle­cken auf dem Pa­pier, die spä­ter von Re­stau­ra­to­ren in Ord­nung ge­bracht wer­den müs­sen.“Die Di­gi­ta­li­sie­rung des Ar- chivs muss sie eben­falls stem­men. Das pas­siert nach und nach.

Jä­gers Auf­ga­ben­feld ist viel­fäl­tig und soll­te von Zeit zu Zeit der Öf­fent­lich­keit prä­sen­tiert wer­den, durch Pu­bli­ka­tio­nen oder, wie es die 35-Jäh­ri­ge nun be­vor­zugt hat, durch ei­ne Aus­stel­lung: An­läss­lich des 150. Ju­bi­lä­ums des Leich­lin­ger Bahn­hofs hat Jä­ger al­te Ar­chiv­bil­der, Zei­tungs­ar­ti­kel und Post­kar­ten zu­sam­men­ge­stellt, die Ent­ste­hung und Ent­wick­lung des Bahn­ho­fes do­ku­men­tie­ren. „Das ist mein Erst­lings­werk“, sagt sie.

Vie­le Wei­te­re sol­len fol­gen. Zur­zeit ar­bei­tet sie an ei­ner Zehn-Jah­res-Chro­nik, in der al­le wich­ti­gen Er­eig­nis­se mo­nats­wei­se zu­sam­men­ge­fasst wer­den. Für die drit­te Eta­ge des Rat­hau­ses, wo das So­zi­al­amt täg­lich vie­le Bür­ger emp­fängt, möch­te Jä­ger die Blü­ten­stadt an­hand von Ar­chiv­bil­dern prä­sen­tie­ren. „Wäh­rend der War­te­zeit kön­nen sie sich so schon mal ei­nen Ein­druck über die Stadt ver­schaf­fen.“ Die Aus­stel­lung zu 150. Jah­re Leich­lin­ger Bahn­hof läuft noch bis En­de des Jah­res und kann wäh­rend der Öff­nungs­zei­ten des Rat­hau­ses auf der zwei­ten Eta­ge des Ver­wal­tungs­ge­bäu­des be­sich­tigt wer­den.

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