Vul­gär

Rheinische Post Ratingen - - LESERBRIEFE -

Zu „Nah­les hat dem Volk aufs Maul ge­schaut“(RP vom 30. Sep­tem­ber): Es ist ab­so­lut un­sin­nig, dass die ra­bia­te Aus­drucks­wei­se der Frau Nah­les dem nor­ma­len Um­gangs­ton der Be­völ­ke­rung ent­spre­chen soll. Das ist ein­deu­tig Gos­sen-Jar­gon und wenn den heu­ti­gen Par­la­ments­de­bat­ten der ho­he Un­ter­hal­tungs­und Auf­merk­sam­keits­wert frü­he­rer par­la­men­ta­ri­scher Aus­ein­an­der­set­zun­gen fehlt, dann ist die vul­gä­re Aus­drucks­wei­se kein Weg da­hin, wie das nun fälsch­lich pro­pa­giert wird. Frü­he­re Po­li­ti­ker wie Weh­ner, Bar­zel oder Hel­mut Schmidt konn­ten kraft­voll aus­tei­len und wa­ren sprach­lich ori­gi­nell, oh­ne ins Or­di­nä­re ab­zu­rut­schen! Und dass Lu­ther ei­ne raue Spra­che sprach, lag am da­mals üb­li­chen Um­gangs­ton und Lu­ther lieb­te auch die sprach­li- Zu „Nah­les hat dem Volk aufs Maul ge­schaut“(30. Sep­tem­ber): „Dem Volk aufs Maul schau­en . . .“zu­nächst möch­te ich sa­gen, dass ich ge­spannt war, wie lan­ge es dau­ert, bis die­ses Ar­gu­ment ins Feld ge­führt wird. Dass es ge­schah, ist ge­ra­de­zu un­ver­meid­lich. Es war nicht rich­tig, was Frau Nah­les ge­tan hat, die­ses Wie­der­ho­len ei­nes an­geb­li­chen Wit­zes, der schon hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren schlecht war. Aber Lu­ther war ein Mann des Wor­tes, der trotz sei­ner Grob­heit wuss­te, dass man mit Wor­ten auch Scha­den an­rich­tet – und dass dies zum fal­schen Zeit­punkt un­ter­sagt ist. Wenn man über­haupt Frau Nah­les mit Lu­ther in ei­nem Atem­zug nen­nen will, dann soll­te man doch eher an ih­re in­stink­ti­ve Furcht den­ken, auf gar kei­nen Fall als fein­geis­tig und in­tel­lek­tu­ell beim Pu­bli­kum zu wir­ken – so wie einst Lu­thers Zeit­ge­nos­se Eras­mus von Rot­ter­dam. Der ei­ne pol­tert laut und be­grün­det ei­ne his­to­ri­sche Epo­che, der an­de­re denkt epo­chal und wird aber nur Na­mens­stif­ter ei­nes aka­de­mi­schen Aus­tausch­pro­gramms. Kei­ne Sor­ge, es wird kei­ne Nah­les-Epo­che ge­ben. Ul­rich Koch Kre­feld

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.