Or­gan­spen­de: Ein­trag im Pass soll Pflicht sein

Die Uni­ons­frak­ti­on be­rei­tet ein neu­es Ge­setz vor, um in Deutsch­land zu mehr Or­gan­spen­den zu kom­men, oh­ne die Men­schen zu ver­un­si­chern.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - VORDERSEITE - VON GREGOR MAYNTZ

BERLIN Die Nie­ren­spen­de von SPDFrak­ti­ons­chef Frank-Wal­ter St­ein­mei­er für sei­ne Ehe­frau El­ke Bü­den­be­n­der hat erst jüngst die Auf­merk­sam­keit auf die pre­kä­re Si­tua­ti­on bei den Or­gan­spen­den in Deutsch­land ge­lenkt. Im ver­gan­ge­nen Jahr gab es bun­des­weit nur 1217 Or­gan­spen­den – gleich­zei­tig war­te­ten aber 12 000 Men­schen auf drin­gend be­nö­tig­te le­bens­wich­ti­ge Or­ga­ne. Füh­ren­de Po­li­ti­ker der schwarz-gel­ben Ko­ali­ti­on se­hen des­halb Hand­lungs­be­darf.

„Wir wol­len je­den Men­schen da­zu brin­gen, über ei­ne Or­gan­spen­de nach­zu­den­ken“, er­läu­ter­te Uni­ons­vi­ze Gün­ter Krings im Ge­spräch mit un­se­rer Zei­tung. Des­halb soll künf­tig nach sei­nem Vor­schlag der Hin­weis „Or­gan­spen­der ja/nein“ be­reits in al­len neu­en Päs­sen oder Füh­rer­schei­nen ent­hal­ten sein. Da­mit die je­wei­li­ge Ent­schei­dung auch do­ku­men­tiert wer­den kann, soll je­der be­reits bei der Be- an­tra­gung mit In­for­ma­ti­ons­ma­te­ri­al aus­ge­stat­tet wer­den.

Da Päs­se re­gel­mä­ßig er­neu­ert und künf­tig auch Füh­rer­schei­ne nur noch be­fris­tet ver­ge­ben wer­den, könn­te auf die­sem Weg nach und nach die ge­sam­te Be­völ­ke­rung er­fasst wer­den, be­tont Krings. Die zu­letzt heiß dis­ku­tier­te Al­ter­na­ti­ve kommt für Krings nicht in Fra­ge: „Ein Um­stieg von der Zu­stim­mungs-zur Wi­der­spruchs­re­ge­lung wür­de ge­gen un­ser Men­schen­bild ver­sto­ßen.“ Da­bei geht es dar­um, künf­tig nicht nur die­je­ni­gen als Or­gan­spen­der zu be­trach­ten, die dies aus­drück­lich be­stimmt ha­ben, son­dern grund­sätz­lich al­le, die dem zu Leb­zei­ten nicht aus­drück­lich wi­der­spro­chen ha­ben.

Ein sol­cher Ge­setz­ent­wurf wür­de nach Ein­schät­zung von Krings die Men­schen aber stark ver­un­si­chern, auf rechts­staat­li­che Be­den­ken tref­fen und auch im Bun­des­tag zu ei­ner schwer ab­schätz­ba­ren Ge­wis­sens­ent­schei­dung füh­ren. Des­halb hat sich Krings mit CDU-Ge­sund­heits­po­li­ti­ker Jens Spahn zu­sam­men­ge­setzt und mit ihm an ei­nem Kon­zept jen­seits ei­ner Wi­der­spruchs­re­ge­lung ge­ar­bei­tet.

Wie Spahn er­läu­tert, will die Uni­on da­bei auch zwei wei­te­re Hin­der­nis­se aus dem Weg räu­men. Bis­lang ha­ben nur acht Bun­des­län­der Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen zum be­ste­hen­den Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz er­las­sen. Des­halb soll ei­ne No­vel­le den Druck er­hö­hen, dass bei­spiels­wei­se al­le Kran­ken­häu­ser ei­nen Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten be­nen­nen. Ei­ne Ver­bes­se­rung bei der Ver­gü­tung soll in den Kran­ken­häu­sern zu­dem ei­nen fi­nan­zi­el­len An­reiz set­zen, sich mehr um das The­ma Or­gan­spen­de zu küm­mern. Die Uni­on will das neue Kon­zept jetzt zü­gig mit der FDP dis­ku­tie­ren und mög­lichst noch in die­sem Jahr auf den Ge­set­zes­weg brin­gen. Nie­der­sach­sens In­nen­mi­nis­ter Uwe Schü­ne­mann wies die Pass­be­hör­den sei­nes Lan­des in­zwi­schen an, bei der Aus­stel­lung neu­er Aus­wei­se für Or­gan­spen­den zu wer­ben.

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