Teu­re Image-Pfle­ge für Bar­ro­so

Mit ei­ner kost­spie­li­gen Kam­pa­gne will der por­tu­gie­si­sche Chef der EU-Kom­mis­si­on sein Er­schei­nungs­bild in der Öf­fent­lich­keit ver­bes­sern. Fo­to­gra­fen und Ka­me­ra-Teams wer­den Bar­ro­so künf­tig rund um die Uhr auf Schritt und Tritt be­glei­ten. Be­zah­len soll das d

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON AN­JA INGENRIETH

BRÜSSEL Jo­sé Ma­nu­el Bar­ro­so ach­tet sehr auf sein per­sön­li­ches Image – und das der EU. Der Kom­mis­si­ons­Prä­si­dent jet­tet ger­ne als „Ge­sicht“ Eu­ro­pas durch die Welt. 200 Ta­ge wa­ren es im ver­gan­ge­nen Jahr. Mehr als 730000 Eu­ro rech­ne­te der Por­tu­gie­se für Rei­sen und Re­prä­sen­ta­ti­ons­zwe­cke ab. Da­mit war er „Kos­ten­kö­nig“ der Brüs­se­ler Exe­ku­ti­ve. Künf­tig dürf­te sein Job noch teu­rer wer­den. Ein Ka­me­ra-Team soll den „Mr. Nice“ („Herr Nett“) ge­nann­ten Bar­ro­so stän­dig be­glei­ten. Fo­to­gra­fen müs­sen rund um die Uhr be­reit­ste­hen, um ihn ins rech­te Licht zu rü­cken – egal ob er US-Prä­si­dent Oba­ma die Hand schüt­telt oder ei­ne Re­de vor mal­te­si­schen Mit­tel­ständ­lern hält.

Das geht dem EU-Par­la­ment zu weit: „Hof-Fo­to­gra­fen im Schicht­dienst und ein per­sön­li­ches Ka­me­ra­team für Bar­ro­so? Das grenzt für mich an Grö­ßen­wahn”, so Sil­va­na Koch-Meh­rin (FDP), Vi­ze­prä­si­den­tin der Straß­bur­ger Volks­ver­tre­tung, ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. Die FDP will in den Haus­halts­be­ra­tun­gen durch­set­zen, dass je­ne Eta­tTi­tel, aus de­nen Geld für Bar­ro­sos Selbst­ver­mark­tung kom­men könn­te, nicht da­für ver­wen­det wer­den dür­fen. „Es kann ja wohl nicht an­ge­hen, dass die Steu­er­zah­ler für die Image­pfle­ge des Kom­mis­si­ons­Prä­si­den­ten zur Kas­se ge­be­ten wer­den”, so Koch-Meh­rin. „Die­se Gel­der sind da­für da, über die vie­len sinn­vol­len EU-Pro­jek­te zu in­for­mie­ren, et­wa im Bil­dungs­be­reich.“

Die ge­plan­te Charme-Of­fen­si­ve ist Teil ei­ner neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Stra­te­gie. Die­se stammt aus der Fe­der von Kom­mis­sa­rin Vi­via­ne Re­ding. Sie gilt als loya­le Ver­bün­de­te von Bar­ro­so. Ihr Ziel: Der Por­tu­gie­se soll als „Eu­ro­pas Re­gie­rungs- chef“ be­wor­ben, die Au­ßen­dar­stel­lung der EU-Exe­ku­ti­ve ganz auf sei­ne Per­son zu­ge­schnit­ten wer­den. Oh­ne­hin gilt sein Füh­rungs­stil nach in­nen eher als au­to­ri­tär. Viel Platz für die Pro­fi­lie­rung sei­ner Kom­mis­sa­re lässt er dem Ver­neh­men nach nicht. In ei­nem in­ter­nen Brief an den „lie­ben Jo­sé Ma­nu­el“ lis­tet Re­ding ei­ne gan­ze Rei­he von Maß­nah­men auf, um das Er­schei­nungs­bild des Prä­si­den­ten zu ver­bes­sern: Der Fo­to­gra­fen-Pool der Kom­mis­si­on und der EU-Haus­sen­der EBS sol­len per­so­nell auf­ge­stockt wer­den. Acht Web-Ex­per­ten sol­len den In­ter­net-Auf­tritt des Be­hör­den-Chefs auf­hüb­schen – und rund um die Uhr ak­tua­li­sie­ren. Bis zu 15 wei­te­re küm­mern sich um sein Image in In­ter­net-Blogs, auf den Sei­ten Face­book oder Twit­ter. Vier Re­den­schrei­ber mit Son­der­auf­ga­ben sol­len da­für sor­gen, dass die Kom­mis­sa­re ih­rem Prä­si­den­ten in Re­den nicht wi­der­spre­chen. Zu­sätz­lich soll die Kom­mu­ni­ka­ti­on In­si­dern zu­fol­ge so ver­ein­heit­licht wer­den, dass we­ni­ger ver­trau­li­che Do­ku­men­te an die Pres­se ge­lan­gen.

Zu den Kos­ten schweigt sich die Kom­mis­si­on aus. Für über­zo­gen hält sie die Plä­ne nicht. „Fra­gen Sie doch mal nach, was na­tio­na­le Re­gie­rungs­chefs al­les ma­chen“, so Re­dings Spre­cher Mat­t­hew New­man ges­tern ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. Das Pro­blem: Die EU ist kein Bun­des­staat mit Re­gie­rungs­chef. Die Rech­nung für Brüssel zah­len die Steu­er­zah­ler in Berlin, Paris, London und Co. Deutsch­land fi­nan­ziert rund 20 Pro­zent des 141 Mil­li­ar­den Eu­ro EU-Etats für 2010.

Ins­ge­samt ste­hen der EU-Exe­ku­ti­ve dar­in 3,6 Mil­li­ar­den Eu­ro zur Ver­fü­gung. „268 Mil­lio­nen sind im wei­tes­ten Sin­ne für Kom­mu­ni­ka­ti­on ge­dacht”, sagt In­ge Gräß­le, CDU-Haus­halts­ex­per­tin im EU- Par­la­ment. „Hof­be­richt­er­stat­tung auf Steu­er­zah­ler­kos­ten” will auch sie nicht zu­las­sen. Die kon­ser­va­ti­ve EVP möch­te da­her das Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Bud­get der Kom­mis­si­on für 2011 um ei­ne Mil­li­on kür­zen, wei­te­re fünf Mil­lio­nen sol­len ein­ge­fro­ren wer­den. „Da be­steht ei­ne Men­ge Er­klä­rungs­be­darf nicht nur für Herrn Bar­ro­so”, meint Gräß­le. Denn bis­her wer­de je­de Men­ge Geld ver­schleu­dert – et­wa für ei­ne „wahn­wit­zi­ge An­zahl von Hoch­glanz-Bro­schü­ren”.

Bar­ro­sos Image-Po­li­tur soll nicht nur da­bei hel­fen, das Bild der EU zu ver­bes­sern. Sie hat auch macht­stra­te­gi­sche Hin­ter­grün­de. Er will Her­man Van Rom­puy die Schau steh­len. Denn der seit De­zem­ber 2009 gel­ten­de Re­form­ver­trag schuf mit dem Pos­ten des stän­di­gen EU-Rats­prä­si­den­ten ei­nen „Ne­ben­kö­nig” an Eu­ro­pas Spit­ze, der Bar­ro­so gar nicht passt. Das Kom­pe­tenz­ge­ran­gel der bei­den geht so weit, dass USPrä­si­dent Oba­ma den letz­ten Gip­fel mit der EU ent­nervt plat­zen ließ. „Eu­ro­pa lei­det an ei­nem Über­an­ge­bot an Prä­si­den­ten”, meint Do­mi­nik Hier­le­mann, Ex­per­te der Ber­tels­mann-Stif­tung.

FO­TO: AFP

Jo­sé Ma­nu­el Bar­ro­so rüs­tet me­di­al auf. Sei­ne Geg­ner wer­fen ihm „Hof­be­richt­er­stat­tung“ auf Kos­ten der Steu­er­zah­ler vor.

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