Lei­bes­übun­gen für Vier­bei­ner

Dog­dan­cing, Agi­li­ty, Dog-Fris­bee oder Jog­gen – es gibt vie­le Mög­lich­kei­ten, dem Hund sport­lich Be­we­gung zu ver­schaf­fen. Aber: Nicht je­der Hund ist für je­de Sport­art geeeig­net. Trai­ner Michael Bol­te gibt Tipps für Hun­de­hal­ter.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SERIE / ROMAN - VON BAR­BA­RA GROFE

DÜSSELDORF Ei­nen Mops zwei St­un­den lang ne­ben dem Fahr­rad her­lau­fen zu las­sen, grenzt an Quä­le­rei; ei­nen Jack-Rus­sel-Ter­ri­er zum Still­sit­zen zu ver­dam­men ge­nau­so. Der Mei­nung ist Michael Bol­te, Hun­de­trai­ner aus Düsseldorf. Denn: Un­ter­schied­li­che Hun­de­ras­sen, das sagt der Hun­de-Pro­fi, ha­ben un­ter­schied­li­che Cha­rak­te­re und auch un­ter­schied­li­che Vor­lie­ben, was Be­we­gung be­trifft: Es gibt ge­müt­li­che Tie­re, aber auch sol­che, die gern die Welt ent­de­cken. Wer mit sei­nem Hund in der Frei­zeit Sport ma­chen will, muss des­halb vor al­lem eins: das We­sen sei­nes

Ei­gent­lich sind Hun­de Ru­he­tie­re, die viel Zeit zum

Dö­sen brau­chen

Hun­des er­ken­nen und be­ach­ten. „Man kann je­den Hund zwar an fast je­de Sport­art ge­wöh­nen – die Fra­ge ist aber, was der Ge­winn da­bei ist“, sagt Bol­te. Und ob es da­bei wirk­lich um das Tier geht oder wo­mög­lich doch um den Be­sit­zer.

Was vie­le nicht wis­sen: Hun­de sind Ru­he­tie­re. Sie müs­sen für ih­re phy­si­sche und psy­chi­sche Ge­sund­heit viel schla­fen oder ru­hen. „Mein Tipp: 20 St­un­den dö­sen oder ru­hen am Tag sind op­ti­mal“, sagt Bol­te. Dem Tier sei­ne Pau­sen nicht zu las­sen und es durch den Wald zu scheu­chen, weil der Be­sit­zer Sor­ge hat, dass es sonst trä­ge wird, ist al­so denk­bar falsch. „Hun­de brau­chen zwar Be­we­gung und Rei­ze – aber al­les wohl­do­siert und mo­de­rat“, sagt Michael Bol­te.

Das Tier muss vor al­lem Spaß dar­an ha­ben, sich zu be­we­gen, es soll sich von der Ak­ti­vi­tät her­aus­ge­for­dert füh­len. „Ab­wechs­lung und Viel­sei­tig­keit – das ist wich­tig für Hun­de“, sagt Bol­te. Wenn der Be­sit­zer im Stadt­park ei­ne St­un­de lang im­mer wie­der ei­nen Ten­nis­ball weg­wirft und vom Hund zu­rück­brin­gen lässt, ist das stu­pi­de und blo­ße Be­schäf­ti­gungs­the­ra­pie. Ge­fähr­lich kann die nicht nur sein, weil ge­lang­weil­te Tie­re – wie Men­schen – eher auf dum­me Ge­dan­ken kom­men, son­dern auch, weil aus dem Tier ein „Ball-Jun­kie“ wer­den kann, der nur noch auf den Ball fi­xiert ist. .

Hun­de er­for­schen am liebs­ten die Welt ge­mein­sam mit ih­rem Herr­chen. Michael Bol­te ist des­halb Fan von Geo­caching mit dem Hund, ei­ner Art Schnit­zel­jagd mit GPSGe­rät. „Das ist ein ge­mein­schaft­li­cher Spa­zier­gang, bei dem man neue Ge­bie­te er­kun­det, zu­sam­men Auf­ga­ben löst“, sagt der Fach­mann. Aber auch beim Geo­caching gilt: Der Hund muss leis­ten kön­nen, was ihm sein Be­sit­zer zu­mu­tet, für ei­nen Mops kön­nen zwei St­un­den Geo­caching zu viel sein.

Wor­auf es beim Jog­gen oder Rad­fah­ren mit Hund an­kommt: das Tem­po des Tie­res zu be­ach­ten, es nicht zu über­for­dern. Grund­sätz­lich gilt: „Hun­de, die ne­ben dem Jog­ger oder Rad­fah­rer her­lau­fen sol­len, müs­sen äl­ter als ein Jahr sein, da­mit Herz, Kno­chen und Lun­ge aus­rei­chend stark sind“, sagt Bol­te. Wer ganz si­cher ge­hen will, lässt sein Tier von ei­nem Ve­te­ri­när un­ter­su­chen – der prüft die Kon­sti­tu­ti­on des Hun­des.

Ei­ne Trend­sport­art bei Hun­de­be­sit­zern der­zeit ist Agi­li­ty. Da­bei müs­sen die Hun­de – ge­führt von ih­rem Be­sit­zer – ei­nen kom­ple­xen Hin­der­nis­par­cours feh­ler­frei über­win­den. Wich­tig hier­bei: Der Hund soll zu­nächst Spaß am Par­cours ent­wi­ckeln, oh­ne den mensch­li- chen Wett­be­werbs­druck zu spü­ren. Heißt: Kein Zeit­neh­men, kein An­trei­ben, weg mit über­trie­be­nem An­feu­ern. Au­ßer­dem gilt, was auch Men­schen beim Sport be­ach­ten soll­ten: „Die Hun­de müs­sen warm­ge­macht wer­den“, sagt Bol­te. Sonst ist die Ver­let­zungs­ge­fahr zu groß. Und auch hier gilt: Es gibt Hun­de, de­nen die­se Art der Be­we­gung nicht liegt, die kei­ne Hin­der­nis­se über­sprin­gen oder um­lau­fen wol­len. Dann soll­te der Hun­de­be­sit­zer sich von der Idee ver­ab­schie­den, dass sein Tier wo­mög­lich Agi­li­ty­K­reis­meis­ter wer­den kann.

Ei­ne Emp­feh­lung des Ex­per­ten: mit dem Hund „Do­gf­ris­bee“ spie­len. Denn: Bei der Sport­art kom­me es nicht auf Zeit an, nicht auf den Wett­be­werbs­ge­dan­ken, son­dern auf das ge­mein­sa­me Spiel. „Au­ßer­dem kann man Do­gf­ris­bee über­all spie­len, auf je­der Wie­se“, sagt Bol­te.

Der Hun­de-Fach­mann wünscht sich vor al­lem eins: „Dass Men­schen sich auf ih­re In­tui­ti­on ver­las­sen, was ihr Tier be­trifft. Dass sie es ken­nen­ler­nen wol­len, sich da­mit aus­ein­an­der­set­zen, wie es ihm geht und was ge­mein­sam Spaß macht.“ Dann wer­de auch ei­ne Ak­ti­vi­tät ge­fun­den, die bei­den Spaß macht – Hun­de­hal­ter und Hund. S ie sind furcht­los, aber nicht an­griffs­lus­tig: Pe­ki­ne­sen. Ur­sprüng­lich stam­men sie aus Chi­na und ge­hö­ren mit zu den äl­tes­ten Ras­sen der Welt, wie frü­he Darstel­lun­gen klei­ner, lang­haa­ri­ger Hun­de be­le­gen, die dem heu­ti­gen Pe­ki­ne­sen ähn­lich se­hen. Sie gel­ten als treu, dis­tan­ziert ge­gen­über Frem­den, je­doch nicht ag­gres­siv. Dar­um sind sie gu­te Ge­sell­schafts­hun­de, al­ler­dings we­ni­ger ge­eig­net als Strei­chel­tie­re für Kin­der. Es gibt sie in al­len Fell­schat­tie­run­gen.

FO­TO: VARIO

EinWest-High­land -Ter­ri­er springt beim Agi­li­ty-Trai­ning durch ei­nen Rei­fen.

FO­TO: AR­CO

Lang­haa­rig: der Pe­ki­ne­se.

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