Ba­sel III macht Kre­di­te knap­per

Die Bör­sen re­agier­ten ge­las­sen auf die Ver­schär­fung der Ei­gen­ka­pi­tal-Re­geln. Doch die Spar­kas­sen füh­len sich un­ge­recht be­han­delt. Das Hand­werk fürch­tet, dass es nun schwe­rer wird, Kre­di­te zu be­kom­men.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON ANTJE HÖNING UND BIR­GIT MAR­SCHALL

DÜSSELDORF Die Ver­schär­fung der Ei­gen­ka­pi­tal-Re­geln für Ban­ken hat ein zwie­späl­ti­ges Echo aus­ge­löst. An der Bör­se leg­ten vie­le Bank-Ak­ti­en ges­tern kräf­tig zu, der Eu­ro klet­ter­te um zwei Cent auf 1,28 Dol­lar. Mit dem am Sonn­tag ge­fun­de­nen Kom­pro­miss kön­ne man gut le­ben, so die Bör­sia­ner. Das Hand­werk da­ge­gen fürch­tet, dass in­fol­ge der neu­en Re­geln, die Ba­sel III ge­nannt wer­den, die Kre­dit­ver­ga­be ein­ge­schränkt wird. Was ist das Ziel von Ba­sel III? In der Fi­nanz­kri­se ge­rie­ten vie­le Ban­ken ins Stru­deln, weil sie nicht ge­nug Ei­gen­ka­pi­tal hat­ten, um die plötz­lich in vie­len (Kre­dit-)Ge­schäf­ten an­fal­len­den Mil­li­ar­den­Ver­lus­te tra­gen zu kön­nen. Die Ba­sel-III-Re­geln zwin­gen nun die In­sti­tu­te welt­weit, mehr Ei­gen­ka­pi­tal als Puf­fer für Kri­sen vor­zu­hal­ten. Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Schäu­b­le lob­te sie da­her als „Herz­stück ei­ner neu­en Fi­nanz­re­form“. Was schreibt Ba­sel III vor? Zen­tra­le Grö­ße ist die „Kern­ka­pi­tal­quo­te“. Sie misst das Ver­hält­nis von har­tem, bei Ver­lus­ten so­fort haf­ten­den Ei­gen­ka­pi­tal zur Sum­me der ver­ge­be­nen Kre­di­te. Bis­lang muss­ten Ban­ken ei­ne Kern­ka­pi­tal­quo­te von vier Pro­zent vor­wei­sen. Bis 2015 müs­sen es sechs Pro­zent sein. Zu­dem müs­sen die Ban­ken bis 2019 noch ei­ne Not­re­ser­ve von wei­te­ren 2,5 Pro­zent auf­bau­en.

Ver­schärft wur­de ge­gen den Wi­der­stand Deutsch­lands auch die De­fi­ni­ti­on von „har­tem Ei­gen­ka­pi­tal“. Da­zu zäh­len künf­tig nur noch das Grund­ka­pi­tal und Ge­winn­rück­la­gen, nicht aber Stil­le Ein­la­gen. Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten, al­so die meis­ten pri­va­ten Ban­ken, dür­fen Stil­le Ein­la­gen ab 2013 nicht mehr mit­zäh­len. Für an­de­re Rechts­for­men (Spar­kas­sen, Volks­ban­ken) gilt dies ab 2023. Fol­ge für Ban­ken und Spar­kas­sen? Vie­le In­sti­tu­te wer­den sich nun neu­es Ei­gen­ka­pi­tal be­schaf­fen oder die Kre­dit­ver­ga­be ein­schrän­ken müs­sen, um die schär­fe­ren Re­geln zu er­fül­len. Der Ban­ken-Ver­band rech­net mit ei­nem Ka­pi­tal­mehr­be­darf von 105 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Die Spar­kas­sen sind em­pört, dass die neu­en Re­geln auch für sie gel- ten, ob­wohl sie die Fi­nanz­kri­se nicht ver­ur­sacht ha­ben. Der Chef des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft, Michael Hüt­her, sag­te da­ge­gen un­se­rer Zei­tung: „Dass auch die Spar­kas­sen den Re­geln un­ter­lie­gen, ist nach dem En­de von An­stalts­last und Ge­währ­trä­ger­haf­tung kon­se­quent und rich­tig.“ Ba­sel III sei in der Sum­me rich­tig und ei­ne wich­ti­ge Weg­mar­ke hin zur mehr Fi­nanz­markt­sta­bi­li­tät, so Hüt­her. Was folgt für Bank-Kun­den? Aus Sicht von Kun­den, die Geld an­le­gen, ist Ba­sel III ei­ne gu­te Sa­che. Ihr Geld ist bes­ser ge­schützt. Aus Sicht der Kun­den, die Geld von der Bank ha­ben wol­len, ist Ba­sel III da­ge­gen ein Pro­blem. „Für den Mit­tel­stand be­deu­tet Ba­sel III nichts Gu­tes“, sagt Tho­mas Kös­ter, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer Düsseldorf. Die Kon­di­tio­nen, zu de­nen Be­trie­be Kre­di­te be­kä­men, dürf­ten sich wei­ter ver­schlech­tern. Es sei zu be­fürch­ten, dass sie mehr Si­cher­hei­ten bie­ten oder hö­he­re Ri­si­ko­auf­schlä­ge zah­len müs­sen. Kös­ter be­grüß­te, dass der Bun­des­ver­band der Volks­ban­ken ges­tern an­kün­dig­te, sein Kre­dit­vo­lu­men nicht ein­schrän­ken zu wol­len. Kom­men­tar

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