Peer St­ein­brück zieht Bi­lanz

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON ANTJE HÖNING

DÜSSELDORF Mor­gen ist es auf den Tag ge­nau zwei Jah­re her, dass die In­vest­ment­bank Leh­man Bro­thers Plei­te ging und die Welt­wirt­schaft in die tiefs­te Kri­se seit 1929 stürz­te. Peer St­ein­brück war da­mals Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter. Nun legt er sein Buch vor („Un­term Strich“), in dem er ein­drucks­voll die Kri­sen­wo­chen be­schreibt. „Im Kes­sel der Fi­nanz­kri­se“ heißt das Ka­pi­tel. Und wie ein Feld­herr an der Sei­te sei­ner Kai­se­rin (Mer­kel) im Kampf ge­gen den Ab­sturz der Welt­wirt­schaft hat St­ein­brück sich ge­fühlt. „Die Fi­nanz­welt stand nur Mil­li­me­ter vom Ab­grund ent­fernt. Der Ab­sturz hät­te zu ei­ner Kern­schmel­ze des Welt­fi­nanz­sys­tem ge­führt.“

Er be­rich­tet an­schau­lich von den Feh­lern im Sys­tem und dem Ver­sa­gen deut­scher Bank-Ma­na­ger, vom man­geln­den Kri­sen­be­wusst­sein der Ame­ri­ka­ner, die nach Leh­man auch noch den Ver­si­che­rungs­rie­sen AIG Plei­te ge­hen las­sen woll­ten, von den Kri­sen­tref­fen mit Deut­sche-Bank-Chef Jo­sef Acker­mann und von den Ei­tel­kei­ten der deut- schen Po­li­tik. So ran­gel­ten die Kanz­le­rin und er noch et­was, wer denn nun die Spar­ein­la­gen al­ler Spa­rer ga­ran­tie­ren soll­te – am En­de tra­ten sie ge­mein­sam vor die TVKa­me­ras.

Doch das Buch ist – ent­ge­gen vie­len Er­war­tun­gen – nicht nur ei­ne Ana­ly­se der Fi­nanz­kri­se, son­dern ein Buch, über al­ler­lei Fra­gen, die den Öko­no­men und Po­li­ti­ker St­ein­brück be­we­gen – auch im Um­gang mit sei­ner Par­tei. „Frei­heit, So­li­da­ri­tät, Ge­rech­tig­keit“, heißt das Ka- pi­tel, das er der kom­pli­zier­ten Be­zie­hung zur SPD wid­met. Auf die­se Rei­hen­fol­ge – Frei­heit zu­erst – die sich schon auf der ers­te SPD-Fah­ne und in vie­len Re­den Wil­ly Brandts fand, kommt es ihm da­bei an. Auf fei­ne, iro­ni­sche Art rech­net er da­bei mit rück­wärts­ge­wand­ten Ju­sos, dem glück­lo­sen Par­tei­chef Kurt Beck, den Agen­da-2010-Ver­wei­ge­rern und den Sar­ra­zin-Kri­ti­kern („in­to­le­ran­ter Ja­ko­bi­nis­mus“) ab. St­ein­brück ist zwei­fels­oh­ne der ers­te En­kel Helmut Schmidts.

In an­de­ren Ka­pi­teln wid­met sich der Au­tor der Welt­öko­no­mie (der chi­ne­si­sche Dra­che er­wacht, der eu­ro­pä­isch Stier lahmt), den „Flieh­kräf­ten“ der Glo­ba­li­sie­rung und dem deut­schen So­zi­al­staat im Schraub­stock. Nicht al­les neu, aber ori­gi­nell er­zählt – kla­rer Ver­stand trifft so­zi­al­de­mo­kra­ti­sches Herz. St­ein­brück hat, wie er in sei­nem Vor­wort be­tont, Zei­le für Zei­le selbst ge­schrie­ben. Das glaubt man ger­ne. Man hört ihn förm­lich spre­chen. Le­sens­wert.

Peer St­ein­brück:

FO­TO: DDP

Das Buch von Peer St­ein­brück scheint am 16. Sep­tem­ber.

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