Raz­zia bei Te­le­kom-Chef

We­gen des Ver­dachts der Be­ste­chung in Ost­eu­ro­pa er­mit­teln US-Be­hör­den schon lan­ge ge­gen die Te­le­kom. Vor zwei Wo­chen hat die Staats­an­walt­schaft die Woh­nung von Re­né Ober­mann durch­sucht. Er weist je­de Schuld von sich.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON REIN­HARD KOWALEWSKY

BONN Am 14. Au­gust fei­er­te Te­le­kom-Chef Re­né Ober­mann noch mit TV-Mo­de­ra­to­rin Maybrit Ill­ner und rund 100 Gäs­ten die Ehe­schlie­ßung. Am 31.Au­gust war Schluss mit Flit­ter­wo­chen-Stim­mung: Im Rah­men ei­ner bun­des­wei­ten Raz­zia durch­such­te die Bon­ner Staats­an­walt­schaft auch die Pri­vat­woh­nung des Te­le­kom-Chefs in Bonn. Grund der Raz­zia: Auf­grund von Hin­wei­sen des US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums und der US-Bör­sen­auf­sicht SEC er­mit­telt die Staats­an­walt­schaft we­gen Ver­dachts der Be­ste­chung und mög­li­cher­wei­se auch der Geld­wä­sche ge­gen die Te­le­kom so­wie ei­ni­ge an­de­re mög­li­cher­wei­se un­ter­stüt­zen­de Fir­men. Und da Ober­mann in 2005 für al­le Mo­bil­funk­ak­ti­vi­tä­ten welt­weit zu­stän­dig war, wird bei der Staats­an­walt­schaft nicht aus­ge­schlos­sen, dass er mög­li­cher­wei­se et­was über Be­ste­chun­gen zum Er­lan­gen von Han­dy­li­zen­zen wis­sen könn­te – eben­so wie ei­ne Rei­he an­de­rer Füh­rungs­kräf­te, die Be­such vom Staats­an­walt und BKA be­ka­men.

Die Durch­su­chung kommt für Ober­mann zum ab­so­lut un­güns­ti­gen Zeit­punkt. In ei­ni­gen Wo­chen will der Auf­sichts­rat ent­schei­den, ob er ihm für Herbst 2011 ei­ne Ver­trags­ver­län­ge­rung von fünf Jah­ren an­bie­tet – es ist bei Kon­zer­nen üb­lich, dies schon ein Jahr vor­her zu ent­schei­den. Ei­ne Raz­zia beim Chef ei­nes Dax-30-Kon­zer­nes ist al­les an­de­re als all­täg­lich – ent­spre­chend scharf äu­ßert sich Ober­mann: Je­der Vor­wurf ge­gen ihn sei „völ­lig halt­los“. Das wür­de sich „in Kür­ze“ zei­gen. Au­ßer­dem wür­de die Te­le­kom schon seit län­ge­rem die US-Be­hör­den bei der Auf­klä­rung der Vor­wür­fe un­ter­stüt­zen.

Aus dem Auf­sichts­rat gibt es ei­ne ge­wis­se Rü­cken­de­ckung: „Da wird wohl zu scharf ge­schos­sen“,heißt es – doch of­fi­zi­ell gab es ges­tern kei­ne State­ments. Und die Rechts­ab­tei­lung der Te­le­kom er­läu­tert, man ha­be die Staats­an­walt­schaft im­mer­hin von der Durch­su­chung von Ober­manns auch mit Ill­ner be­wohn­ten zwei­ten Woh­nung in Berlin ab­hal­ten kön­nen. „Das wä­re noch un­an­ge­neh­mer ge­we­sen, da hat man am En­de von ab­ge­las­sen.“

Was die Er­mitt­lun­gen nun wirk­lich als Er­geb­nis brin­gen, ist of­fen. Aus Krei­sen der Jus­tiz hat un­se­re Zei­tung im­mer­hin er­fah­ren, dass die US-Be­hör­den Ober­mann selbst nicht der Tat­be­tei­li­gung ver­däch­ti­gen – und die küm­mern sich um die Be­ste­chungs­vor­wür­fe in Ost­eu­ro­pa seit im­mer­hin Jah­ren. Das ges­tern öf­fent­lich vor­ge­tra­ge­ne Ar­gu­ment der Te­le­kom, Ober­mann sei in 2005 gar nicht für die Län­der­ge­sell­schaf­ten in Ost­eu­ro­pa zu­stän­dig ge­we­sen son­dern der frü­he­re Fi­nanz­vor­stand Karl-Gerhard Eick, scheint die Staats­an­walt­schaft da­ge­gen nicht zu über­zeu­gen: Bei Eick gab es bis­her kei­ne Raz­zia. Ober­mann küm­mer­te sich an­schei­nend in­di­rekt doch um ei­ni­ge Ak­ti­vi­tä­ten in Ost­eu­ro­pa und gilt dar­um als ers­ter An­sprech­part­ner zur Auf­klä­rung.

Zu­min­dest für die Be­leg­schaft sind die Vor­fäl­le ein Schock. „Hö­ren die Skan­da­le denn nie auf?“, sag­te ein Ma­na­ger un­se­rer Zei­tung. Zur Er­in­ne­rung: Rie­si­ge Wel­len schlug die Ent­hül­lung, vor zwei Jah­ren, dass Mil­lio­nen Kun­den­da­ten von Te­le­kom-Part­nern ver­scher­belt wor­den wa­ren. Die Bon­ner Staats­an­walt­schaft führt ak­tu­ell ein Straf­ver­fah­ren vor dem Bon­ner Land­ge­richt we­gen der „Spit­zel­af­fä­re“. Drei Te­le­kom-Mit­ar­bei­ter müs­sen er­klä­ren, war­um sie 2005 und 2006 Be­triebs­rä­te, Ge­werk­schaf­ter so­wie Jour­na­lis­ten il­le­gal über­wach­ten. We­gen die­ser spek­ta­ku­lä­ren Af­fä­re wur­de zwei­ein­halb Jah­re lang ge­gen Ex-Vor­stands­chef Kai-Uwe Ri­cke und ge­gen Ex-Auf­sichts­rats­chef Klaus Zum­win­kel als ver­mu­te­te Draht­zie­her er­mit­telt.

FO­TO: DDP

Te­le­kom-Chef Re­né Ober­mann ist ver­är­gert über die har­te Gan­gart ge­gen­über ihm. Er gilt al­ler­dings als „Zeu­ge“, nicht als Ver­däch­ti­ger.

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