Fortu­nas Auf­stiegs­spiel un­ter Be­trugs­ver­dacht

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON BERND JOLITZ UND MARC SCHMIDT

DÜSSELDORF Es war das Spiel, mit dem Fortu­na Düsseldorf nach zehn Jah­ren end­lich die Nie­de­run­gen der Dritt-und Viert­klas­sig­keit ver­ließ. Am letz­ten Dritt­li­ga-Spiel­tag der Sai­son 2008/09 be­nö­tig­ten die Düs­sel­dor­fer Fuß­bal­ler noch ei­nen Sieg zum Auf­stieg – und den lan­de­ten sie dann, mit 1:0 ge­gen Wer­der Bre­mens Zweit­ver­tre­tung.

Aus­ge­rech­net die­se Par­tie ist nun in den Fo­kus der Er­mitt­ler zu Eu­ro­pas größ­tem Wettskan­dal ge­ra­ten. Laut ei­nem Be­richt des ARD-Ma­ga­zins Fakt hat sich die Ge­samt­zahl der in Deutsch­land un­ter Ma­ni­pu­la­ti­ons­ver­dacht ste­hen­den Spie­le von 32 auf 54 er­höht – dar­un­ter of­fen­bar das Auf­stiegs­spiel vom 23. Mai 2009. Es gibt je­doch kei­ne In­for­ma­tio­nen da­zu, in wel­cher Form Ma­ni­pu­la­tio­nen vor­ge­nom­men wor­den sein könn­ten. Es bleibt Spe­ku­la­ti­on, ob ver­däch­ti­ge Wet­ten auf Sieg und Auf­stieg oder auf De­tails wie et­wa die Tor­dif­fe­renz plat­ziert wur­den – und ob je­mand Ein­fluss zu neh­men ver­such­te. Fakt zu­fol­ge ist ein ab­ge­hör­tes Te­le­fo­nat Grund für den Ver­dacht. Zu­dem un­ter­lief Bre­mens Tor­hü­ter Sebastian Mie­litz beim Sieg­tref­fer von Mar­co Christ ein ku­rio­ser Feh­ler.

„Die Jour­na­lis­ten er­hal­ten of­fen­bar eher In­for­ma­tio­nen als die Ver­ei­ne“, sagt Fortu­nas Vor­stands­vor­sit­zen­der Pe­ter Fry­muth. „Wir sind seit den Ver­neh­mun­gen zwei­er Spie­ler un­se­rer zwei­ten Mann­schaft von kei­ner Stel­le mehr kon­tak­tiert wor­den, we­der ei­ner staat­li­chen noch ei­ner sport­li­chen.“ Im No­vem­ber 2009 wa­ren die bei­den Ak­teu­re im Zu­ge der Er­mitt­lun­gen um drei Nie­der­la­gen von Fortu­na II in NRW-und Re­gio­nal­li­ga ver­nom­men wor­den. Da­mals sei der Kon­takt zur Staats­an­walt­schaft al­lein von Fortu­na aus­ge­gan­gen, weil die Spie­ler sich beim Vor­stand ge­mel­det hät­ten. Der Ver­ein ha­be kei­ne Chan­ce, sich mit dem The­ma aus­ein­an­der­zu­set­zen, meint Fry­muth, „wir wis­sen nichts über Art und Um­fang der Er­mitt­lun­gen“.

Der Deut­sche Fuß­ball-Bund (DFB) tappt eben­so im Dun­keln wie Fry­muth. „Bis heu­te hat der DFB nicht die voll­stän­di­gen Ak­ten der Staats­an­walt­schaft Bochum er­hal­ten. Von da­her kön­nen wir we­der be­stä­ti­gen noch de­men­tie­ren, ob es Ma­ni­pu­la­tio­nen in die­sem Um­fang ge­ge­ben hat“, sagt DFB-Spre­cher Ralf Kött­ker. Al­lein zwi­schen Mai 2008 und De­zem­ber 2009 sol­len min­des­tens 13 Spie­le der 2. Bun­des­li­ga ma­ni­pu­liert wor­den sein.

Da­bei sieht es im­mer mehr so aus, dass der VfL Os­na­brück im Mai 2009 we­gen Be­trü­ge­rei­en ab­ge­stie­gen sein könn­te. In der Ab­stiegs­Sai­son sol­len acht Punkt­spie­le so­wie ein Freund­schafts­spiel von Spie­lern des VfL ma­ni­pu­liert wor­den sein. Am 6. Ok­to­ber soll der ers­te Pro­zess vor dem Land­ge­richt Bochum be­gin­nen. Beim DFB-Sport­ge­richt sind 16 Ver­fah­ren an­hän­gig.

FO­TO: HOMÜ

Mai 2009: Bre­mens Tor­wart Sebastian Mie­litz lässt den Ball durch.

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