Ta­len­te ver­zau­bern Mainz

André Schürr­le gilt als ei­ne der gro­ßen deut­schen Fuß­ball-Hoff­nun­gen. Auch Le­wis Holt­by, von Schal­ke04 aus­ge­lie­hen, spielt stark auf. Der FSV über­rascht als Bun­des­li­ga- Zwei­ter mit drei Sie­gen in drei Spie­len.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON FRIED­HELM KÖRNER

MAINZ/DÜSSELDORF Im nächs­ten Jahr wer­den zah­lungs­kräf­ti­ge Klubs wo­mög­lich Schlan­ge ste­hen – nicht ge­ra­de mit Ab­ord­nun­gen vor der Ge­schäfts­stel­le des FSV Mainz 05, wohl aber doch bei ih­rem Ver­such, André Schürr­le los­zu­ei­sen. Der FSV wird den U21-Na­tio­nal­spie­ler nicht län­ger hal­ten kön­nen, ob­wohl die­ser ei­nen Ver­trag bis 2013 hat. Bay­ern München und Man­ches­ter United sol­len an dem Stür­mer in­ter­es­siert sein, die TSG Hof­fen­heim bot im Som­mer schon zehn Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se­sum­me, und Bayer Le­ver­ku­sens Sport­chef Ru­di Völ­ler sag­te dem „Ki­cker“: „Klar passt Schürr­le in un­ser Such­ras­ter. Er ist ein über­ra­gen­des deut­sches Ta­lent. Wir ma­chen uns ja straf­bar, wür­den wir uns nicht für ihn in­ter­es­sie­ren.“

Schürr­le ist ein neu­es Ge­sicht aus der Rei­he der vie­len Nach­wuchs­leu­te, die der deut­sche Fuß­ball her­vor­ge­bracht hat. Nicht nur in Rhein­hes­sen schwärmt man von dem 19-Jäh­ri­gen, der als Jo­ker ent­schei­den­de To­re er­ziel­te, mit de­nen Mainz die Spie­le in Wolfs­burg (4:3 nach 0:3) und ge­gen Kai­sers­lau­tern (2:1) dreh­te. Der FSV hat wie­der den atem­be­rau­ben­den Kurs ein­ge­schla­gen, der ihn in der ver­gan­ge­nen Spiel­zeit auf Rang neun führ­te. Tho­mas Tu­chel, da­mals un­er­war­tet vom Nach­wuchs-zum Chef­coach auf­ge­stie­gen, schaff­te ei­ne Plat­zie­rung, die nicht ein­mal der Main­zer Trai­ner­le­gen­de Jür­gen Klopp ge­glückt war. Sai­son­über­grei­fend sind die „Null­fün­fer“ seit acht Spie­len un­ge­schla­gen. Nach drei Auf­takt­sie­gen wer­den sie nur von Hof­fen­heim über­trof­fen, das die bes­se­re Tor­dif­fe­renz hat.

Es ist die gu­te Mi­schung von er­fah­re­nen Pro­fis wie Mi­ros­lav Kar­han (34), Ni­kol­ce No­ve­ski (31) und El­kin So­to (30) so­wie der Jung­schar um Schürr­le und Le­wis Holt­by, die für die mit viel Au­gen­maß be­trie­be­ne Per­so­nal­po­li­tik des Klubs steht. Für ei­ne klu­ge Pla­nung, die Ma­na- ger Chris­ti­an Hei­del, ein ehe­ma­li­ger Au­to­ver­käu­fer, um­setzt – frü­her mit Klopp, nun mit Tu­chel. Als Aris­ti­de Ban­cé im Au­gust das Wei­te such­te, um gro­ßes Geld in Du­bai zu ver­die­nen, hielt ihn der FSV nicht vom Wech­sel an den Per­si­schen Golf ab, ob­wohl der An­grei­fer aus Bur­ki­na Fa­so sein bes­ter Tor­jä­ger war. Er­satz war schnell ge­fun­den in Mor­ten Ras­mus­sen. Der für ein Jahr von Cel­tic Glas­gow aus­ge­lie­he­ne dä­ni­sche Na­tio­nal­stür­mer hat zwei der acht Main­zer Li­ga­to­re er­zielt.

Nach dem Aus­gleich ha­be man den Geg­ner be­herrscht „und ein­fach so gut ge­spielt“, sag­te Le­wis Holt­by über die Art, wie sei­ne Mann­schaft das Der­by ge­gen den Süd­west­ri­va­len aus Kai­sers­lau­tern hat­te kip­pen las­sen – und füg­te gleich noch „Kom­pli­ment“ hin­zu. Ein Wort, mit dem sonst ei­gent­lich nur Trai­ner in mitt­ler­wei­le ziem­lich über­stra­pa­zier­tem Maß Leis­tun­gen ih­rer Teams be­schrei­ben, nicht Spie­ler. Aber dass ei­nem wie Holt­by, der das Tor von Ni­ko Bun­gert zum 1:1 selbst­los und tech­nisch ver­siert mit ei­nem Qu­er­pass vor­be­rei­te­te, vor lau­ter Glück­se­lig­keit das Herz über­läuft – wer will es dem Jungspund aus dem Erkelenzer Land ver­den­ken? Nach sei­nem Wech­sel von Aa­chen zu Schal­ke 04 war er von den Gel­sen­kir­che­nern erst nach Bochum (Ab­stieg) und dann nach Mainz aus­ge­lie­hen wor­den, um als Pro­fi zu rei­fen. „Un­ser Ziel ist es, ihn zu ei­nem A-Na­tio­nal­spie­ler zu ma­chen“, hat­te Schal­kes Trai­ner-Ma­na­ger Fe­lix Ma­gath im Ju­li 2009 an­ge­kün­digt. Ob Holt­by aber je­mals wie­der den kö­nigs­blau­en Dress tra­gen wird, ist wohl sehr frag­lich. Jetzt darf der Blond­schopf, der am Sams­tag den 20. Ge­burts­tag fei­ert, erst mal die un­ver­hoff­te Kon­stel­la­ti­on ge­nie­ßen. Mit Mainz auf Rang zwei von oben und Schal­ke auf Platz zwei von un­ten.

„Den Un­sinn, nun neue Zie­le zu for­mu­lie­ren, wer­den wir nicht ma­chen“, be­tont Ma­na­ger Hei­del. „Wir sind nicht be­scheu­ert und re­den nach drei ge­won­ne­nen Spie­len von der Eu­ro­pa Le­ague oder der Cham­pi­ons Le­ague.“ Man bleibt lie­ber schön auf dem Tep­pich in der fuß­ball­kar­ne­va­lis­ti­schen Groß­fa­mi­lie.

FO­TO: AP

Mainz, wie es ju­belt und lacht: Die 19-jäh­ri­gen André

Schürr­le (links) und Le­wis

Holt­by.

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