Bun­des­wehr ver­kauft Übungs­ge­län­de

Die Bun­des­an­stalt für Im­mo­bi­li­en­auf­ga­ben bie­tet ab so­fort ein mehr als 200 Hekt­ar gro­ßes Ge­län­de im Aa­per Wald an. Die Lan­des­haupt­stadt prüft ei­nen Kauf. Na­tur­schüt­zer fürch­ten, dass in dem ge­schütz­ten Ge­biet ge­baut wird.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON MICHAEL BROCKERHOFF UND CHRIS­TI­AN HERRENDORF

Ei­nes der größ­ten zu­sam­men­hän­gen­den Stü­cke Düs­sel­dorfs steht zum Ver­kauf. 202 Hekt­ar misst das Ge­län­de im Aa­per Wald, für das der Bund ei­nen neu­en Ei­gen­tü­mer sucht. Das ent­spricht 2,02 Mil­lio­nen Qua­drat­me­tern oder 404 Fuß­ball­plät­zen. Der Qua­drat­me­ter­preis liegt bei sechs Eu­ro, denn der Bund hat als Preis 12,6 Mil­lio­nen Eu­ro ge­nannt. Nach An­ga­ben der Bun­des­an­stalt für Im­mo­bi­li­en­auf­ga­ben gibt es be­reits In­ter­es­sen­ten und An­ge­bo­te. Die Aus­schrei­bung läuft noch bis zum 30. Sep­tem­ber, nach RP-In­for­ma­tio­nen wird mit

„Es be­steht die Ge­fahr, dass die Stadt Aus­nah­men vom Land­schafts­schutz zu­lässt“

ei­ner Ent­schei­dung für den Zu­schlag bis En­de des Jah­res ge­rech­net.

Auf dem Ge­biet zwi­schen den Stadt­tei­len Knittkuhl, Lu­den­berg und Hub­bel­rath war bis­her ein Stand­ort­übungs­platz der Bun­des­wehr be­hei­ma­tet. Frü­her gal­ten wei­te Tei­le die­ser Flä­che als „Acker­land bes­ter Qua­li­tät“, gibt der Ver­käu­fer an. Ein Vier­tel des Ge­län­des ist be­wal­det, die üb­ri­gen frei­en Flä­chen be­wei­den Scha­fe und die­nen der Heu­ge­win­nung.

Die ge­sam­ten 202 Hekt­ar sind als Land­schafts­schutz­ge­biet fest­ge­setzt. Nach den Be­stim­mun­gen ist auf den Flä­chen nur Wei­de­wirt­schaft mög­lich. Da­für hat ein land­wirt­schaft­li­cher Be­trieb die Flä­chen ge­pach­tet. Zu­dem dür­fen Spa­zier­gän­ger das Ge­biet für Wan­de­run­gen zur Er­ho­lung und für Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten nut­zen. Die­se Be­stim­mun­gen muss auch ein neu­er Käu­fer be­ach­ten, heißt es im Um­welt­de­zer­nat der Stadt. Denn der Land­schafts­schutz wer­de nicht durch ei­nen Kauf hin­fäl­lig.

Wenn ein Käu­fer das Ge­län­de an­ders nut­zen will, et­wa neu­es Acker­land an­le­gen oder Ho­tels zur Er­ho­lung bau­en will, muss er laut Um­welt­de­zer­nat ei­ne Än­de­rung des Land­schafts­plans be­an­tra­gen. Die muss dann nach ei­ner gründ­li­chen Dis­kus­si­on im Land­schafts­bei­rat und den Rats­aus­schüs­sen vom Rat selbst ge­neh­migt wer­den. Fach­leu­te be­zwei­feln da­her, dass sich vie­le Käu­fer für die­ses gro­ße Are­al fin­den wer­den. Der Bund bie­tet vor­sichts­hal­ber auch ei­nen Teil­kauf des Nord-(87 Hekt­ar zu 5,7 Mil­lio­nen Eu­ro) und des Südab­schnitts (115 Hekt­ar zu 6,9 Mil­lio­nen Eu­ro) an.

Als ei­ner der mög­li­chen Käu­fer gilt die Lan­des­haupt­stadt. Die Stadt­ver­wal­tung hat­te sich bis­her mit Aus­sa­gen zu­rück­ge­hal­ten, nun heißt aus dem Pla­nungs­de­zer­nat, die An­ge­le­gen­heit wer­de ge­prüft und man kön­ne kei­ne Aus­künf­te zu ei­nem lau­fen­den Ver­fah­ren ge­ben.

Der Na­tur­schutz­bund Deutsch­land (Na­bu) setzt sich für ei­nen Kauf für die Stadt ein. Er hat die­sen Wunsch be­reits in ei­nem Brief an Ober­bür­ger­meis­ter Dirk El­bers ge­äu­ßert. Nur wenn die Stadt das Ge- län­de kau­fe, sei ge­si­chert, dass die Ziel­set­zun­gen des Land­schafts­plans für die Pfle­ge und Wei­ter­ent­wick­lung der Na­tur in die­ser Re­gi­on wei­ter ver­folgt wür­den und das Ge­län­de wei­ter­hin für Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten zur Ver­fü­gung ste­he.

Nach­tei­le bei ei­nem Ver­kauf an ei­nen pri­va­ten In­ves­tor be­fürch­tet auch Michael Sü­ßer, Vor­sit­zen­der des Düs­sel­dor­fer Bun­des für Um­welt-und Na­tur­schutz Deutsch­land (Bund). „Es be­steht die Ge­fahr, dass die Stadt­ver­wal­tung den In­ter­es­sen ei­nes In­ves­tors nach­gibt und Aus­nah­me­re­ge­lun­gen am Rand des Ge­bie­tes zu­lässt“, sagt der Na­tur­schüt­zer.

In der Ver­gan­gen­heit ha­be die Stadt be­reits sol­che Ge­neh­mi­gun­gen er­teilt, bei­spiels­wei­se bei der Well­ness-Oa­se am Elb­see, oder bei Grund­stü­cken an den Orts­rän­dern von Kai­sers­werth und Angermund. Auch für die Abrun­dung ei­ner Sied­lung, in die­sem Fal­le Knittkuhl, könn­ten Aus­nah­men ver­lo­ckend sein.

Neue Nut­zun­gen im gro­ßen Stil be­fürch­tet al­ler­dings auch Sü­ßer nicht. Denn auch der Re­gio­nal­plan der Be­zirks­re­gie­rung schrei­be für die­sen Be­reich Grün­land und Wei­de­wirt­schaft vor.

GRA­FIK: JEN­NY MÖLL­MANN

Das Luft­bild zeigt, wie groß das Ge­län­de des Trup­pen­übungs­plat­zes ist und wie sich auf ihm Wald­stü­cke und Wei­den ver­tei­len. Der Land­schafts­plan der Stadt sieht vor, die Na­tur in die­ser Re­gi­on zu stär­ken.

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