Plas­ti­sches Ge­den­ken an Werner Schma­len­bach

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON BERTRAM MÜL­LER

Werner Schma­len­bach, der kürz­lich im Al­ter von 89 Jah­ren ver­stor­be­ne Grün­dungs­di­rek­tor der Kunst­samm­lung NRW, war in zwei­fa­chem Sin­ne ein an­ek­do­ti­scher Mensch. Er er­zähl­te gern – und bot zu­gleich Stoff zu der­lei klei­nen Ge­schich­ten. An sei­nem 90. Ge­burts­tag, den er nun nicht mehr er­leb­te, tra­fen sich im Trink­aus-Au­di­to­ri­um der Kunst­samm­lung Freun­de und Weg­ge­fähr­ten aus fünf Jahr­zehn­ten, um sei­ner zu ge­den­ken.

Die Ge­sell­schaft der Freun­de der Kunst­samm­lung hat­te ei­ne Eh­rung vor­be­rei­tet, die der über­ra­gen­den Per­sön­lich­keit des Ver­stor­be­nen ge­recht wur­de. Das ist vor al­lem dem in ei­ge­nem Er­le­ben ge­grün­de­ten Vor­trag von Edu­ard Beau­camp (Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung) zu ver­dan­ken, min­des­tens eben­so aber den tref­fen­den, hei­te­ren Er­in­ne­run­gen von Schma­len­bachs frü­he­rem Ver­wal­tungs­di­rek­tor Theo­dor Ja­nisch.

Der be­fand über Schma­len­bach: „Er war ein wun­der­ba­rer Lehr­meis­ter. Und er füll­te ei­nen Raum, so­bald er ihn be­tre­ten hat­te. Das spür­te je­der.“ Schma­len­bach hat­te auch ei­ne ka­ba­ret­tis­ti­sche Ader. Die zeig­te sich, als er ein­mal Ver­se über sei­ne Mit­ar­bei­ter schmie­de­te und sie da­bei als Tie­re dar­stell­te.

Die heu­ti­ge Lei­te­rin der Kunst­samm­lung, Ma­ri­on Acker­mann, ver­blüff­te ihr Pu­bli­kum mit dem Hin­weis, dass sie durch ih­re Mut­ter viel über Schma­len­bachs Ar­beit in Hannover er­fah­ren ha­be, wo er vor sei­ner Düs­sel­dor­fer Tä­tig­keit der Kest­ner-Ge­sell­schaft vor­stand und sich vor al­lem für die Ver­brei­tung und Wür­di­gung des Werks von Kurt Schwit­ters ein­setz­te.

Der ehe­ma­li­ge FAZ-Re­dak­teur Beau­camp cha­rak­te­ri­sier­te Schma­len­bach als ei­nen „glück­li­chen, sou­ve­rä­nen, frei­en Men­schen“ von „bis­wei­len ent­waff­nen­der Of­fen­heit“ und pries des­sen „Düs­sel­dor­fer Mo­dell“: die Tat­sa­che, dass ei­ner al­lein – näm­lich Schma­len­bach – dar­über be­fand, wel­che Wer­ke ins Mu­se­um Ein­gang fan­den. Sein Prin­zip sei es ge­we­sen, „die Gro­ßen stark zu zei­gen und die Tra­ban­ten zu ver­nach­läs­si­gen“.

Beau­camp un­ter­schlug nicht, dass sich Schma­len­bach ei­ni­gen Künst­lern ver­wei­ger­te – dar­un­ter der heu­te über­all hoch ver­ehr­te Gerhard Rich­ter so­wie Mar­kus Lü­pertz.

Un­ter den Gäs­ten sah man meh­re­re Künst­ler: Gott­hard Graub­ner, Kon­rad Kla­pheck, Gün­ther Ue­cker, auch Schma­len­bachs un­mit­tel­ba­ren Nach­fol­ger Ar­min Zwei­te und NRW-Kul­tur­mi­nis­te­rin Ute Schä­fer, die ei­ne Re­de hielt. Fer­ner die Wit­we von Franz Mey­ers, der als NRW-Mi­nis­ter­prä­si­dent zu Be­ginn der sech­zi­ger Jah­re die Initia­ti­ve zur Grün­dung der Kunst­samm­lung er­grif­fen hat­te, so­wie Schma­len­bachs Wit­we und lang­jäh­ri­ge Mit­ar­bei­te­rin An­na Schlü­ter.

RP-FO­TO: WERNER GABRIEL

Werner Schma­len­bach (1920–2010) in sei­nem Bü­ro

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.