The­ma Tod ist je­den Tag prä­sent

Fa­bi­an Haupt ist der ers­te Zi­vil­dienst­leis­ten­de des Ho­s­pi­zes am Evan­ge­li­schen Kran­ken­haus. Täg­lich setzt sich der 19-Jäh­ri­ge mit dem The­ma Tod aus­ein­an­der. Den Krebs­pa­ti­en­ten hilft er täg­lich mit Ge­sprä­chen oder klei­nen Be­sor­gun­gen – und manch­mal auch mi

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON JAN WIEFELS

In man­chen Mo­men­ten spielt er ein­fach nur Pia­no – ir­gend­et­was, mal im­pro­vi­siert, mal nach No­ten. Fa­bi­an Haupt ist seit dem 1. Au­gust der ers­te Zi­vil­dienst­leis­ten­de am Ho­s­piz des Evan­ge­li­schen Kran­ken­hau­ses (EVK). Die Men­schen, die er be­treut, ha­ben fast aus­schließ­lich Krebs im End­sta­di­um. 16 Pa­ti­en­ten sind in den sechs Wo­chen, in de­nen Fa­bi­an im Ho­s­piz ar­bei­tet, ge­stor­ben. Mu­sik ist sei­ne Art, das Er­leb­te zu ver­ar­bei­ten.

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„Ich ha­be mich für das Ho­s­piz ent­schie­den, weil ich mich mit dem The­ma Tod aus­ein­an­der­set­zen will“, er­zählt der 19-Jäh­ri­ge. Für ihn sei es be­ein­dru­ckend, wie un­ter­schied­lich die Men­schen mit ih­rem Schick­sal um­ge­hen. „Man­che wer­den ganz ru­hig, an­de­re er­zäh­len sehr viel“, sagt Fa­bi­an. So zum Bei­spiel der ehe­ma­li­ge DDR-Ge­fan­ge­ne, der dem Abitu­ri­en­ten mit Leis­tungs­kurs Ge­schich­te von sei­ner Zeit im Ge­fäng­nis er­zählt hat, und der den Auf­ent­halt im Ho­s­piz trotz al­ler Frei­hei­ten als ein­schrän­kend emp­fin­det. Doch we­gen ih­rer Er­kran­kung kön­nen nicht al­le der ma­xi­mal 13 Pa­ti­en­ten viel re­den. Manch­mal setzt sich Fa­bi­an dann ein­fach zu ih­nen und schweigt.

„Wir sind froh, mit Fa­bi­an end­lich ei­nen Zi­vil­dienst­leis­ten­den ge­fun­den zu ha­ben“, sagt Su­san­ne Hirs­mül­ler, Lei­te­rin des Ho­s­pi­zes am EVK. An­dert­halb Jah­re lang war die Stel­le aus­ge­schrie­ben, ehe sich Fa­bi­an da­für be­wor­ben hat. Es sind eher die Frau­en, die sich für die Ho­s­piz­ar­beit in­ter­es­sie­ren. So gibt un­ter den 19 Pfle­ge­kräf­ten nur ei­nen Mann, auch von den 50 eh­ren- amt­li­chen Hel­fern sind nur vier männ­lich. In ei­nem Vor­ge­spräch wur­de Fa­bi­an über die Ar­beit in­for­miert. „Nicht je­der ist da­für ge­eig­net. Wich­tig ist, dass der­je­ni­ge über ein ei­ge­nes sta­bi­les Um­feld ver­fügt“, so die Ho­s­piz-Lei­te­rin. Wenn Fa­bi­an Pa­ti­en­ten das Es­sen reicht oder klei­ne Be­sor­gun­gen er­le­digt, dann ent­las­te er die üb­ri­gen Mit­ar­bei­ter sehr. „So ha­ben die Pfle­ge­kräf­te mehr Zeit“, sagt Hirs­mül­ler.

Wie sehr sei­ne An­we­sen­heit die Pa­ti­en­ten freut, hat er selbst in den ers­ten sechs Wo­chen häu­fig er­lebt. Ei­nem Mann holt er re­gel­mä­ßig fri­sche Säf­te vom Kirch­platz und be­kommt da­für stets ein Lä­cheln. Als er sich wäh­rend der Ar­beit wie häu­fi­ger zum Kla­vier­spie­len in den sechs­ten Stock zu­rück­zog, lausch­te ei­ne Pa­ti­en­tin, die an­schlie­ßend sag­te, dass sie sich bei sei­nem Spiel ha­be fal­len­las­sen kön­nen. „Wir ver­su­chen, klei­ne Glücks­mo­men­te zu er­zeu­gen. Da­zu trägt Fa­bi­an un­ge­mein bei“, sagt Su­san­ne Hirs­mül­ler

Wenn Fa­bi­an zum Som­mer­se­mes­ter wie ge­plant sein Mu­sik­stu­di­um be­ginnt, nimmt er ei­ne Fül­le von Er­fah­run­gen mit – da­von ist der 19-Jäh­ri­ge über­zeugt. „Ich woll­te im Zi­vil­dienst nicht nur Bet­ten schie­ben. Die Ar­beit ist ei­ne Be­rei­che­rung für mein Le­ben.“

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Als Zi­vil­dienst­leis­ten­der ar­bei­tet Fa­bi­an Haupt im Ho­s­piz mit tod­kran­ken Men­schen. Sei­ne Ein­drü­cke ver­ar­bei­tet er beim Kla­vier­spiel. Pa­ti­en­ten hö­ren ihm da­bei ger­ne zu.

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