Mo­di­sche Tipps für Ob­dach­lo­se

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON SAINAB SAN­DRA OMAR

Der ers­te Ein­druck zählt, das weiß auch Fe­lix. Doch für ei­nen woh­nungs­lo­sen jun­gen Mann wie ihn ist es dop­pelt schwer, im Be­wer­bungs­ver­fah­ren al­les rich­tig zu ma­chen. Das fängt bei der Klei­dungs­wahl an. Dank ei­ni­ger prak­ti­scher Tipps und ei­ner neu­en Gar­de­ro­be hat es nun mit dem Job ge­klappt, Fe­lix hat Mut und Mo­ti­va­ti­on zu­rück – und ei­nen Job als Pfle­ger. Mög­lich ge­macht hat dies die Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen dem Fried­richNau­mann-Haus, in dem Fe­lix wohnt, und der Mo­de­de­si­gne­rin Thek­la Till­mann.

Mit drei wei­te­ren jun­gen Män­nern hat sich Fe­lix in ih­re Hän­de be­ge­ben und wur­de von Kopf bis Fuß um­ge­stylt: „Wir woll­ten das Bes­te aus ih­nen her­aus ho­len“, sagt Till­mann, die sonst Mo­de für wohl­ha­ben­de Düs­sel­dor­fer ein­kauft. Nun ha­ben auch Fe­lix, Chris­ti­an, Hen­ning und Stef­fen An­zü­ge, hoch­wer­ti­ge Je­ans und smar­te Shirts in ih­ren Klei­der­schrän­ken hän­gen, die das Mo­de­la­bel Fil­ip­pa K. spen­de­te. Auch die Mit­ar­bei­ter der Wirt­schaft­prü­fungs­ge­sell­schaft KPMG sor­tier­ten ih­re al­ten An­zü­ge aus und stell­ten sie für das Pro­jekt zur Ver­fü­gung.

Na­tür­lich ge­he es nicht dar­um, sich zu ver­klei­den, sagt Thek­la Till­mann. Das sei so­gar kon­tra­pro­duk­tiv. Ein ge­pfleg­ter und selbst­si­che­rer Auf­tritt vor dem Ar­beit­ge­ber sei aber un­er­läss­lich, sagt sie. Das hat vor al­lem bei Chris­ti­an ge­klappt, der sich in sei­nem mo­der­nen An­zug un­ge­wohnt wohl­fühlt. „Das hät­te ich nie für mög­lich ge­hal­ten. Ich bin da­durch auch we­sent­lich selbst­si­che­rer“, sagt der 24-Jäh­ri­ge. Und ge­nau dar­um ge­he es, so Till­mann. Die Per­sön­lich­keit müs­se ge­stärkt wer­den. Über die­se und sei­ne Stär­ken müs­se man sich aber erst­mal klar wer­den. Des­halb hat Thek­la Till­mann mit den vier jun­gen Män­nern im Vor­feld viel ge­spro­chen: So konn­ten sie sich über ih­re Zie­le klar wer­den und dar­über, wie sie die­se er­rei­chen kön­nen, auch fik­ti­ve Be­wer­bungs­ge­sprä­che üb­te sie mit ih­nen. „Ge­nau das brau­chen un­se­re Be­woh­ner“, sagt Ca­ro­la Schü­ler, die seit elf Jah­ren als So­zi­al­ar­bei­te­rin im Fried­rich-Nau­mann-Haus ar­bei­tet. 25 jun­ge Män­ner im Al­ter von 18 bis 35 Jah­ren be­treut sie mit ih­ren Kol­le­gen. „Was den meis­ten fehlt, ist Mo­ti­va­ti­on“, sagt sie. „Wer hier her kommt, ist aus dem Sys­tem ge­fal­len und braucht Un­ter­stüt­zung, um zu ei­nem ge­re­gel­ten Ta­ges­ab­lauf zu­rück zu fin­den.“

RP-FO­TOS: BUSSKAMP

Fe­lix Chris­ti­an und Hen­ning Hop­pe links in ih­rem nor­ma­len Out­fit, rechts im (je­weils Bild­mit­te) half den jun­gen Män­nern mit vie­len Tipps.

Vor­her und nach­her: Stef­fen Kir­ves, schi­cken. Sty­lis­tin Thek­la Till­mann

Block,

Kocks

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