Mit dem Rol­ler an den Nie­der­rhein

Mit dem Mo­tor­rol­ler die Re­gi­on er­kun­den – das ist das Hob­by von OPINIO-Au­tor Ralf Bee­litz aus Net­te­tal. Ei­ne sei­ner Tou­ren führ­te ihn un­ter an­de­rem ent­lang der deutsch-hol­län­di­schen Gren­ze.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEIL-NACHRICHTEN -

Ent­lang der deutsch-nie­der­län­di­schen Gren­ze er­streckt sich der land­schaft­lich sehr reiz­vol­le Na­tur­park Maas-Schwalm-Net­te. Ebe­ne Flä­chen deh­nen sich hier schein­bar end­los, und nur sel­ten hin­dern Hü­gel sanft den Blick zum fer­nen Ho­ri­zont. Eis­zeit­glet­scher ha­ben das Land platt­ge­schlif­fen und nur we­ni­ge Hö­hen­zü­ge hin­ter­las­sen; da­zu der gro­ße Fluss, in frü­hen Zei­ten häu­fig aus­ufernd – wo­von noch Ar­me mit ver­schlun­ge­nen Ne­ben­läu­fen kün­den. Wir star­ten in der „Se­en­stadt“ Net­te­tal, mit­ten im Her­zen des Na­tur­parks ge­le­gen und ge­prägt durch die be­wal­de­te und feuch­te Fluss­nie­de­rung des Flüss­chens Net­te und die hier­in ein­ge­bet­te­ten zwölf Se­en. Klei­ne, schma­le Sträß­chen und al­te Al­le­en füh­ren uns ent­lang des Kri­cken­be­cker-, De Witt-und Brey­el­ler Sees zur Holt­müh­le, ei­ner über 300-jäh­ri­gen Was­ser­müh­le mit idyl­li­schem Wei­her. Et­wa über ei­nen Ki­lo­me­ter fol­gen wir der asphal­tier­ten Stra­ße, pas­sie­ren nach ei­nem kur­ven­rei­chen, berg­ab füh­ren­den Ab­schnitt die Molz-und Tü­schen­broi­cher Müh­le und schlän­geln uns auf der klei­nen Dorf­stra­ße durch das Ört­chen Sch­waam mit sei­nen ein­zig­ar­ti­gen, reet­ge­deck­ten Fach­werk­hö­fen. Kurz hin­ter Was­sen­berg er­rei­chen wir Hol­land. Ver­wais­te Schlag­bäu­me er­in­nern an ei­ne Gren­ze, die es schon lan­ge nicht mehr gibt. In Vlo­drop ist auf ei­nem uri­gen Bau­ern­hof erst ein­mal Kaf­fee­pau­se an­ge­sagt, und „klei­ne Kö­nigs­ti­ger“ ver­lan­gen ihr Recht. Über Sint Odi­li­en­berg „An der Ro­er“ (dt. Rur) mit sei­ner im­po­san­ten, auf ei­nem Hü­gel ge­le­ge­nen Ba­si­li­ka, schwin­gen wir ge­mäch­lich zur Bi­schofs­stadt Ro­er­mond, im Her­zen Zen­tral-Lim­burgs ge­le­gen. Ei­ne Stadt mit ei­ner rei­chen Ge­schich­te, al­ten statt­li­chen Her­ren­häu­sern und präch­ti­gen Kir­chen. Un­be­stä­tig­ten Ge­rüch­ten zu­fol­ge sol­len hier al­ler­dings Mo­tor­rol­ler und Mo­tor­rä­der schnel­ler ver- schwin­den, als man gu­cken kann. Al­so ver­zich­ten wir ein­fach ganz auf ei­ne Be­sich­ti­gung des his­to­ri­schen Stadt­kerns. Wir über­que­ren die Maas, die sich hier ih­ren Weg durch ei­ne 3000 Hekt­ar gro­ße Was­ser­flä­che – den durch Aus­kie­sung ent­stan­de­nen Maas­plas­sen – bahnt. An bei­den Fluss­ufern, ein­ge­bet­tet in sat­tes Grün, er­streckt sich ei­ne bun­te Ket­te ma­le­ri­scher Dör­fer, de­ren mit­tel­al­ter­li­che Ker­ne zum Ver­wei­len ein­la­den. Wir fol­gen auf win­zi­gen, fast kur­ven­lo­sen Stra­ßen dem Fluss­lauf. Un­ter­wegs er­in­nern Schlös­ser, Ka­pel­len und Weg­kreu­ze in ei­ner ein­zig­ar­ti­gen Na­tur, in der Gal­lo­way-Rin­der und Ko­nik-Po­nys gra­sen, an die Ver­gan­gen­heit. Durch die Deich­kro­nen er­ge­ben sich im­mer wie­der pracht­vol­le Maas­pan­ora­men. Der An­blick des pit­to­res­ken Klos­ter­dorfs Steyl am ge­gen­über­lie­gen­den Fluss­ufer ist be­ein­dru­ckend.

An die­ser Stel­le ein wich­ti­ger Hin­weis: Man muss für die­se Tour nicht nur we­gen der schö­nen Land­schaft et­was mehr Zeit mit­brin­gen; auch die zahl­rei­chen 30er und 60er Zo­nen (au­ßer­halb der Or­te) tra­gen zur „Ent­schleu­ni­gung“ und Wie­der­ent­de­ckung der Lang­sam­keit bei. Zu­sätz­lich sind Grund­kennt­nis­se der nie­der­län­di­schen Spra­che hilf­reich. So soll­te man zwin­gend die Be­deu­tung des Hin­weis­schil­des „Let op! Drem­pels“ ken­nen, wel­ches zahl­reich in der Land­schaft steht. Drem­pel (dt. auch: Kre­fel­der/ Ber­li­ner Kis­sen, Köl­ner Tel­ler, schla­fen­der Po­li­zist, Hub­bel, Kreis­seg­ment­schwel­le, Pol­ter­ram­pe, Rüt­tel­schwel­le, Hol­per­schwel­le und Delf­ter Hü­gel ge­nannt) sind Brems­schwel­len in der Stra­ßen­mit­te. Der von ih­nen beim Über­fah­ren ver­ur­sach­te Stoß soll Au­to-, Mo­tor­rad-und Mo­tor­rol­ler­fah­rer zu ei­ner Ver­rin­ge­rung der Ge­schwin­dig­keit be­we­gen und die Ein­hal­tung von Ge­schwin­dig­keits­be­gren­zun­gen for­cie­ren – und das tun die Din­ger auch!

Bug­genum ist ein wei­te­rer al­ter Ort, der mit be­son­ders schö­nen Häu­sern, vor al­lem ent­lang der Dorps­t­raat, auf­war­tet. Durch die Bäu­me und über die Maas hin­weg sieht man die rie­si­ge An­la­ge der „Maas­cen­tra­le“, ei­nem Was­ser­kraft­werk.

In Baar­lo, dem Dorf der fünf Schlös­ser (da­her „Ka­s­te­l­en­dorp“ ge­nannt), ver­las­sen wir „Moo­der Maas“ (wie die Lim­bur­ger den Fluss lie­be­voll nen­nen) und das Maas­tal und er­rei­chen kurz dar­auf „De Groo­te Peel“, ei­ne idyl­li­sche, was­ser­rei­che Land­schaft mit un­durch­dring­li­chen Moo­ren (Peel), Tei­chen, of­fe­nen Hei­de­ge­bie­ten, Wäl­dern und Sand­dü­nen und ei­ni­gen ver­träum­ten Dörf­chen, zu de­nen auch Gri­endt­s­veen ge­hört. Das denk­mal­ge­schütz­te Dorf zeich­net sich durch sei­ne klei­nen Zug­brü­cken, sei­ne cha­rak­te­ris­ti­schen Häu­ser und die schnur­ge­ra­den Peel­ka­nä­le aus. In der Zeit, in der das Ge­biet De Peel er­schlos­sen wur­de, dien­ten die­se Mo­or­ka­nä­le zum Ab­trans­port des ab­ge­sto­che­nen Tor­fes. Heu­te ver­lau­fen beid­seits der Ka­nä­le schma­le We­ge, die mit ei­ner gan­zen Rei­he von Brü­cken ver­bun­den sind.

Na­tür­lich müs­sen wir auch nach Over­loon, wo es an­geb­lich das le­ckers­te Eis in den ge­sam­ten Nie­der­lan­den gibt.

Blit­ter­s­wi­jk, die pit­to­res­ken Dörf­chen Bro­ek­hui­sen und Bro­ek­hui­sen­vorst mit ih­rem Stra­ßen­pflas­ter aus Mass­kie­seln und das Ro­sen­dorf Lot­tum, das Zen­trum der Ro­sen­zucht in den Nie­der­lan­den, sind die nächs­ten Sta­tio­nen un­se­rer klei­nen Tour. Hier sto­ßen wir auch wie­der auf die sich breit und ru­hig da­hin­schlän­geln­de Maas und set­zen auf ei­ner klei­nen Fäh­re ans an­de­re Ufer über. An Ar­cen – ei­nem be­son­ders idyl­li­schen und be­lieb­ten Aus­flugs­ziel an der Maas – vor­bei, durch das weit­läu­fi­ge Ge­biet der Maas­dui­nen (Flug­s­and­dü­nen, die noch im heu­ti­gen Land­schafts­re­lief er­kenn­bar sind) er­rei­chen wir wie­der hei­mat­li­chen Bo­den. Kei­ne Drem­pel, kei­ne 60er Zo­nen mehr – wun­der­bar! Ge­le­gen­heit, noch ein­mal et­was mit der Gas­hand zu spie­len, ehe wir mü­de, aber glück­lich wie­der Net­te­tal er­rei­chen.

FO­TOS (3): RALF BEE­LITZ

Bei ei­ner Tour mit dem Mo­tor­rol­ler lässt sich ent­spannt die Na­tur

ent­de­cken.

Die Maas bei Ro­er­mond.

Was­ser­rei­che Land­schaft: De Groo­te Peel.

Von Ralf Bee­litz (57), Dipl.-Fi­nanz­wirt aus Net­te­tal. Bei OPINIO schreibt er als Ralf53.

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