Kat­zen­da­me mit „Sprach­feh­ler“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEIL-NACHRICHTEN -

Jörg und mir ist es ge­lun­gen, ein Wort re­gel­mä­ßig zu ver­wen­den, das es laut Du­den in der deut­schen Spra­che nicht gibt: das „Schräpen“.

Das „Schräpen“ lau­ert manch­mal ganz un­er­war­tet in ei­ner Ecke. Wenn ich mir ge­mein­sam mit Kin­dern ein Bil­der­buch mit Tie­ren an­schaue, dann fällt es mir nicht schwer, die ent­spre­chen­den Tier­ge­räu­sche nach­zu­ma­chen. Ein Hund macht „Wau“ oder „Wuff“. Ein Schwein grunzt. Ei­ne Kat­ze macht nor­ma­ler­wei­se „Mi­au“. Ei­ne wort­kar­ge Kat­ze gibt zu­min­dest ein „Mau“ von sich.

Es gibt aber ei­ne Kat­ze, die in ih­rem Sprach­schatz we­der ein „Mi­au“ noch ein „Mau“ hat: Pau­li­na, un­se­re Kat­ze. Pau­li­na macht „Schräääp!“ Herr­chen und Frau­chen brau­chen nor­ma­ler­wei­se kei­nen Über­set­zer für die Ge­räu­sche „ih­res“ Tie­res.

Pau­li­na kann nur „schräpen“

Die Ton­la­ge gibt Aus­kunft dar­über, ob Span­nung, An­span­nung oder Ent­span­nung an­ge­sagt ist. Nor­ma­ler­wei­se. Pau­li­na gibt nicht nur aus­schließ­lich ein „Schräääp“ von sich. Vi­el­leicht könn­ten Jörg und ich noch über die­sen klei­nen Sprach­feh­ler hin­weg­se­hen.

Aber Pau­li­na ver­greift sich auch re­gel­mä­ßig im Ton. Im Zu­stand al­ler­höchs­ter Freu­de, fängt Pau­li­na an, mit fünf Aus­ru­fe­zei­chen zu schräpen. „Schrääääp!!!!!“ Der Laut er­in­nert an ei­ne ros­ti­ge Tür­an­gel, die jah­re­lang nicht ge­ölt wur­de. Und wir sind im­mer wie­der ver­wun­dert, dass so ein pos­sier­li­cher Pelz­pu­schel wie Pau­li­na sol­che Tö­ne über­haupt von sich ge­ben kann.

Un­wei­ger­lich kon­trol­lie­ren wir uns: Ste­hen, sit­zen oder lie­gen wir auf ih­rem Schwänz­chen? Be­fin­det Pau­li­na sich in al­ler­größ­ter Not? Der (für un­se­re Oh­ren) völ­lig un­freund­li­che und ab­wei­sen­de Ton­fall lässt uns re­gel­mä­ßig zu­sam­men­zu­cken. „Schräääp!“ Schock.

Dann Auf­at­men. Pau­li­na geht es rund­um gut. Sie hat nur wie­der ein­mal in ei­nem Ton­fall ge­schräpt, den wir falsch in­ter­pre­tiert ha­ben.

Je vor­wurfs­vol­ler sich das Schräpen für un­se­re Oh­ren an­hört, um­so glück­li­cher scheint Pau­li­na zu sein. Pau­li­na ist ei­ne sehr al­te Kat­zen­da­me. Wir ha­ben uns an das schrul­li­ge Schräpen ge­wöhnt. Macht es un­se­re al­te Kat­zen­da­me doch ver­schro­ben ein­zig­ar­tig.

Jörg legt sich nun manch­mal mit ei­nem Mi­kro­fon auf die Lau­er. Um das Schräpen für die Nach­welt fest­zu­hal­ten. Vi­el­leicht ma­chen wir dar­aus ei­nen Klin­gel­ton.

Von BRIT­TA MEY­ER (39), Dipl.Fi­nanz­wir­tin aus Mo­ers. Bei OPINIO be­kannt als Britta­mo­ers.

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