Stu­die: Ge­sun­de ge­hen zu oft zum Arzt

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - VORDERSEITE - VON EVA QUADBECK

BERLIN Ge­setz­lich Ver­si­cher­te oh­ne erns­te Er­kran­kung su­chen in Deutsch­land im Durch­schnitt zwei Mal pro Quar­tal ei­nen Arzt auf. Das hat ei­ne Stu­die der Bar­mer/GEK er­ge­ben. Bar­mer-Che­fin Bir­git Fischer for­der­te ei­ne bes­se­re Steue­rung der am­bu­lan­ten Ver­sor­gung. Da­durch könn­ten über­flüs­si­ge Arzt­be­su­che ver­mie­den wer­den, sag­te sie. Als ge­sund stuft die Kas­se die Ver­si­cher­ten ein, die ne­ben den Arzt­be­su­chen we­ni­ger als 100 Eu­ro pro Jahr an Kos­ten ver­ur­sa­chen.

Die Deut­schen sind im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich Spit­zen­rei­ter in Sa­chen Arzt­be­su­che. Je­der ge­setz­lich Ver­si­cher­te geht im Durch­schnitt 18 Mal pro Jahr zu ei­nem nie­der­ge­las­se­nen Me­di­zi­ner. Die gro­ße Men­ge an Arzt­be­su­chen ent­fal­len auf Volks­krank­hei­ten wie Herz­in­suf­fi­zi­enz, Blut­hoch­druck und De­pres­sio­nen. So geht ein Pa­ti­ent, der an Blut­hoch­druck lei­det, im Durch­schnitt 32 Mal im Jahr zum Arzt. De­pres­si­ve su­chen den Dok­tor 44 Mal im Jahr auf, bei Herz­in­suf­fi­zi­enz-Pa­ti­en­ten sind es 48 Arzt­kon­tak­te. Die meis­ten Arzt­be­su­che ma­chen Dia­ly­se­Pa­ti­en­ten, die mehr als 200 Ter­mi­ne in der Pra­xis pro Jahr be­nö­ti­gen. Da schwe­re Nie­ren­er­kran­kun­gen nicht ver­brei­tet sind, tra­gen die­se Pa­ti­en­ten aber nur we­nig zu den ho­hen Durch­schnitts­wer­ten bei.

Die um­strit­te­nen Haus­arzt­ver­trä­ge sind aus Sicht der Bar­merChe­fin ei­ne Mög­lich­keit, im Sys­tem um­zu­steu­ern und über­flüs­si­ge Arzt­be­su­che zu ver­mei­den. Fischer wand­te sich aber da­ge­gen, dass die Ver­trä­ge nur von den Haus­arzt­ver­bän­den aus­ge­han­delt wer­den, die so ei­ne enor­me Markt­macht be­kom­men. Für die Pro­tes­te der Haus­ärz­te, wie ges­tern in Es­sen, wo sich rund 2000 Me­di­zi­ner ver­sam­mel­ten, zeig­te sie we­nig Ver­ständ­nis: „Wir brau­chen ein Bünd­nis für Ge­sund­heit. Es hilft nichts, wenn sich ein­zel­ne Grup­pen auf Ein­zel­in­ter­es­sen ver­stän­di­gen.“

„Wir brau­chen ein Bünd­nis für Ge­sund­heit“

Die Haus­ärz­te pro­tes­tier­ten ge­gen die Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung, die zu er­war­ten­den Mehr­ein­nah­men der Me­di­zi­ner durch die Haus­arzt­ver­trä­ge zu be­schrän­ken. NRW-Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Stef­fens (Grü­ne) sag­te da­zu un­se­rer Zei­tung: „Ob die Haus­arzt­ver­trä­ge ei­ne ech­te Qua­li­täts­ver­bes­se­rung der Ver­sor­gung brin­gen, muss sich erst noch er­wei­sen. Ich ha­be kein Ver­ständ­nis, wenn die Haus­ärz­te ih­re Pro­tes­te auf dem Rü­cken der Pa­ti­en­ten aus­tra­gen, die Pra­xen schlie­ßen und Hor­ror­sze­na­ri­en an die Wand ma­len.“ Stef­fens wies aber auch dar­auf hin, dass die Pra­xis-Ärz­te in Nord­rhein ins­ge­samt zu ge­rin­ge Ho­no­ra­re er­hiel­ten.

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