Gabriel at­ta­ckiert, Mer­kel kon­tert

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON GREGOR MAYNTZ

BERLIN Jür­gen Trit­tin sah den ori­gi­nel­len Zu­sam­men­hang als Ers­ter: „Da geht so­gar die Son­ne auf“, sag­te der Grü­nen-Frak­ti­ons­chef spöt­tisch, als ein Licht­strahl durch die Reichs­tags­kup­pel auf das Red­ner­pult fiel, an dem Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) ge­ra­de ih­ren ganz per­sön­li­chen Zah­len­ver­gleich an­stell­te: Bei ih­rem Amts­an­tritt ha­be die Ar­beits­lo­sig­keit bei fast fünf Mil­lio­nen ge­le­gen, jetzt sei­en es nur noch knapp über, vi­el­leicht bald auch un­ter drei Mil­lio­nen.

Ir­ri­tiert zeig­te sich die Kanz­le­rin über das Ge­läch­ter der Op­po­si­ti­on, das sich nach Trit­tins Zwi­schen­ruf breit mach­te. Mer­kel war nicht nach La­chen zu­mu­te, sie war bei der zen­tra­len Aus­spra­che über den Kanz­ler­haus­halt – zu­gleich Ge­ne­ral­ab­rech­nung über die Re­gie­rungs­po­li­tik – auf An­griff ge­bürs­tet. Die Op­po­si­ti­on ma­che „Schritt für Schritt ei­ne Rol­le rück­wärts, statt in die Zu­kunft zu bli­cken“. Beim Eu­ro ha­be die SPD „zwei­mal his­to­risch ver­sagt“, als sie 2004 den Sta­bi­li­täts­pakt auf­ge­weicht und sich jüngst im Kampf ge­gen die Eu­ro- Schwä­che mit Ent­hal­tung aus der Ver­ant­wor­tung ge­schli­chen ha­be.

Hef­tig at­ta­ckier­te Mer­kel auch die Grü­nen. Die­se woll­ten re­ge­ne­ra­ti­ve Ener­gi­en, pro­tes­tier­ten aber ge­gen Strom­lei­tun­gen, die die Ener­gie dort­hin bräch­ten, wo sie ge­braucht wer­de. Und sie woll­ten die Schie­ne stär­ken, sei­en nun aber ge­gen das Pro­jekt „Stutt­gart 21“. Zu Haus­halts­kon­so­li­die­rung, Ener­gie­kon­zept und Bun­des­wehr kün­dig­te Mer­kel ei­nen „Herbst der Ent­schei­dun­gen“ an.

Die neue Ent­schlos­sen­heit der Kanz­le­rin hat­te SPD-Chef Sig­mar Gabriel als ers­ter Red­ner be­reits vor­emp­fun­den. Zwar re­gie­re Mer- kel nun, doch „wenn Sie re­gie­ren, be­die­nen Sie im We­sent­li­chen Kli­en­tel­in­ter­es­sen“, warf Gabriel der Kanz­le­rin vor. Noch nie ha­be sich ei­ne Re­gie­rung so sehr „zum Hand­lan­ger von Groß­kon­zer­nen de­gra­diert“ wie die von Mer­kel. „Sie ma­chen sich selbst zur Kanz­le­rin der Kon­zer­ne“, lau­te­te Ga­b­ri­els zen­tra­ler Vor­wurf, den SPD und Grü­ne mit lau­tem Bei­fall fei­er­ten.

Gabriel kün­dig­te an, ge­gen die Lauf­zeit­ver­län­ge­rung für Kern­kraft­wer­ke nicht nur beim Ver­fas­sungs­ge­richt zu kla­gen, son­dern die Ent­schei­dung nach ei­nem Macht­wech­sel rück­gän­gig zu ma­chen: „Bei der nächs­ten Bun­des­tags­wahl en­det die Lauf­zeit die­ses Ge­set­zes ganz si­cher.“

Scharf kri­ti­sier­te der SPD-Vor­sit­zen­de die Steu­er­er­leich­te­rung für Ho­tel­be­trie­be. „Sie neh­men den Kom­mu­nen 2,8 Mil­li­ar­den Eu­ro durch Ihr un­sin­ni­ges Ho­te­lier­ge­setz weg“, rief Gabriel und ver­wies dar­auf, dass sich für die­ses Geld 280000 Kin­der­gar­ten­plät­ze oder 70000 neue Stel­len für Leh­rer schaf­fen lie­ßen, „statt den fal­schen Leu­ten Steu­er­ge­schen­ke zu ma­chen“. Die­ser Kom­pass feh­le Mer­kel.

FO­TOS: DPA

Schlag­ab­tausch zwi­schen SPD-Chef Sig­mar Gabriel und Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU).

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