EU will Spe­ku­lan­ten stop­pen

Ges­tern stell­te die EU-Kom­mis­si­on ih­re Vor­schlä­ge ge­gen neue Ban­ken- oder Schul­den­kri­sen vor. Die­se sol­len auch ver­hin­dern, dass Staa­ten wie Grie­chen­land oder Ir­land wie­der in Tur­bu­len­zen ge­ra­ten.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON AN­JA INGENRIETH

BRÜSSEL Die EU-Kom­mis­si­on legt Spe­ku­lan­ten Fes­seln an. Sie will den Miss­brauch hoch­ris­kan­ter Fi­nanz­pro­duk­te stop­pen und so ei­ne neue Kri­se ver­hin­dern. Der in­trans­pa­ren­te Han­del mit De­ri­va­ten und Kre­dit­aus­fall­ver­si­che­run­gen wird re­gu­liert. Un­ge­deck­te Leer­ver­käu­fe kön­nen in be­stimm­ten Aus­nah­me­Fäl­len be­fris­tet un­ter­sagt wer­den. Die wich­tigs­ten Punk­te: LEER­VER­KÄU­FE In­ves­to­ren lei­hen sich Ak­ti­en oder An­lei­hen, ver­äu­ßern die­se und hof­fen, sie vor der fäl­li­gen Rück­ga­be preis­wer­ter ein­kau­fen zu kön­nen. Für die­se Pra­xis wird es kein eu­ro­pa­wei­tes Ver­bot ge­ben. Die EU bleibt hin­ter der deut­schen Pra­xis zu­rück. Deutsch­land hat­te be­reits im Früh­jahr un­ge­deck­te Leer­ver­käu­fe ge­ne­rell un­ter­sagt und mit die­sem Al­lein­gang die EUPart­ner ver­är­gert. Nur in Aus­nah­me­fäl­len sol­len nun die EU-Auf­se­her Leer­ver­käu­fe stop­pen kön­nen - be­fris­tet für drei Mo­na­te. Künf­tig muss der In­ves­tor zu­dem in je­dem Fall nach­wei­sen, dass er den Kauf des zu­grun­de­lie­gen­den Pa­piers zu­min­dest schon ver­ein­bart hat. Völ­lig „un­ge­deckt“ kön­nen Spe­ku­lan­ten al­so nicht mehr auf den Ver­fall ei­ner Wäh­rung oder Ak­tie wet­ten. DE­RI­VA­TE Das sind un­ter an­de­rem Ter­min-oder Op­ti­ons­ge­schäf­te, de­ren Preis sich nach den Kurs­schwan­kun­gen ih­rer Ba­sis­wer­te rich­tet, bei­spiels­wei­se Ak­ti­en. Es geht um Ge­schäf­te im Vo­lu­men von rund 478 Bil­lio­nen Eu­ro, die weit­ge­hend un­re­gu­liert statt­fin­den. Fällt ein Part­ner aus, gibt es bis­her kei­ne um­fas­sen­de Ab­si­che­rung. Künf­tig müs­sen Käu­fer und Ver­käu­fer ih­ren Han­del über ei­ne zwi­schen­ge­schal­te­te Ab­wick­lungs­stel­le tä­ti­gen. Die­se fan­gen Aus­fäl­le ei­nes Markt­teil- neh­mers auf, in­dem sie vor­her Si­cher­hei­ten ver­lan­gen. Zu­dem müs­sen De­ri­va­te­ge­schäf­te ei­nem Trans­ak­ti­ons­re­gis­ter der Auf­sichts­be­hör­den ge­mel­det wer­den. BE­TROF­FE­NE Vor al­le, Ban­ken, aber auch an­de­re Un­ter­neh­men. Vie­le Kon­zer­ne si­chern sich mit Ter­min­ge­schäf­ten ge­gen Preis­schwan­kun­gen bei De­vi­sen oder Roh­stof­fen ab. Das soll wei­ter mög­lich sein. Wenn ei­ne Um­satz­schwel­le über­schrit­ten ist, muss aber die Bör­se oder Fi­nanz­auf­sicht in­for­miert wer­den. ZEIT­PUNKT Die strik­te­ren Vor­schrif­ten kön­nen frü­hes­tens 2012 in Kraft tre­ten. Zu­nächst müs­sen das Eu­ro­pa­par­la­ment und die 27 EU-Mit­glieds­staa­ten zu­stim­men. Streit ist pro­gram­miert. Vor al­lem die Bri­ten lau­fen Sturm ge­gen al­le EU-Plä­ne für ei­ne bes­se­re Fi­nanz­auf­sicht. Sie fürch­ten um das Ge­schäft der Lon­do­ner Fi­nanz­welt. Das EU-Par­la­ment will hin­ge­gen strik­te­re Re­geln und Ver­bo­te als die Kom­mis­si­on. AGEN­DA Die EU ar­bei­tet mit den neu­en Vor­schlä­gen die Plä­ne der G20-Staa­ten ab. Das nächs­te gro­ße Pa­ket sind die schär­fe­ren Ei­gen­ka­pi­tal­re­geln für Ban­ken. Sie sol­len An­fang 2011 in eu­ro­päi­sche Ge­setz­ge­bung ge­gos­sen wer­den. Ei­ne star­ke EU-Fi­nanz­auf­sicht soll in Streit und Kri­sen­fäl­len erst­mals Wei­sungs­recht ge­gen­über na­tio­na­len Auf­se­hern ha­ben. WIR­KUNG Die Kri­se ist noch nicht vor­bei. Ex­per­ten fürch­ten, dass Ir­land Li­qui­di­täts­pro­ble­me be­kom­men und die EU um Hil­fe bit­ten könn­te, un­ter an­de­rem we­gen der an­ge­kün­dig­ten Auf­spal­tung der Ang­lo Irish Bank, die Mil­li­ar­den kos­ten dürf­te. Auch Por­tu­gal, Spa­ni­en und Grie­chen­land sind noch nicht über den Berg.

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