Ein­schlä­fern – ei­ne schwe­re Ent­schei­dung

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SERIE -

Je­der Hun­de­hal­ter wünscht sich, dass sein Tier ei­nes Ta­ges oh­ne Schmer­zen al­ters­be­dingt fried­lich da­heim ein­schläft. Lei­der ist dies nur sel­ten der Fall. Viel­mehr wird der Mensch ir­gend­wann vor die schwe­re Ent­schei­dung ge­stellt, ob er sei­nen Hund ein­schlä­fern las­sen soll oder nicht. Doch wann ist der rich­ti­ge Zeit­punkt?

Wird der Hund von ei­nem Au­to an­ge­fah­ren und er­lei­det da­bei schwe­re in­ope­ra­ble Ver­let­zun­gen, blei­ben dem Tier­hal­ter häu­fig nur we­ni­ge Mi­nu­ten, um die­se Ent­schei­dung zu tref­fen. Lang­wie­ri­ger wird es, wenn der Hund un­ter ei­ner chro­ni­schen Er­kran­kung lei­det, wel­che sich schlei­chend ver- schlech­tert. Dann kann es mit­un­ter sehr schwie­rig sein, zu er­ken­nen, wann der Hund lei­det. Es gibt kein Punk­te­sys­tem, nach wel­chem Tier­ärz­te zur Eut­ha­na­sie ra­ten. Hund und auch Herr­chen wer­den als In­di­vi­du­um ge­se­hen, und die Dia­gno­se wird mit Rück­sicht auf die per­sön­li­chen Um­stän­de ge­stellt.

Fol­gen­de Fra­gen kön­nen bei der Ent­schei­dungs­fin­dung un­ter­stüt­zen: Nimmt der Hund am All­tag teil? Ist die Fut­ter-und Was­ser­auf­nah­me be­ein­träch­tigt? Kann der Hund Kot und Urin hal­ten, und hat er Schmer­zen bei des­sen Ab­satz? Hat der Hund Schmer­zen? Oft fällt es schwer, die­se Fra­gen klar zu be­ant­wor­ten. Hilf­reich kann hier die Ein­schät­zung von Freun­den und Be­kann­ten sein. Sie ken­nen den Hund gut, sind aber emo­tio­nal nicht so stark ein­ge­bun­den wie der Hun­de­hal­ter. Selbst­ver­ständ­lich steht ihm da­bei der Haus­tier­arzt be­ra­tend zur Sei­te.

Wenn sich der Be­sit­zer zur Eut­ha­na­sie ent­schie­den hat, ver­ein­bart er ei­nen Ter­min beim Tier­arzt, da­mit dem Tier und ihm selbst un­nö­ti­ge War­te­zei­ten im War­te­zim­mer er­spart blei­ben. Der Arzt wird den Ter­min so le­gen, dass die Si­tua­ti­on für Mensch und Hund so stress­frei wie mög­lich ist. Vie­le Kol­le­gen bie­ten des­halb auch Haus­be­su­che an. Zu­nächst er­hält der Hund vom Tier­arzt ei­ne Nar­ko­se­sprit­ze, da­mit er kei­ne Schmer­zen er­lei­det. Wenn der Hund dann schläft, be­kommt er ei­ne wei­te­re Sprit­ze, wo­durch es zum Herz-Kreis­lauf-Still­stand kommt. Durch die vor­her ge­ge­be­ne Nar­ko­se schläft der Hund so tief, dass er da­von nichts mehr mit­be­kommt. Ab­schlie­ßend un­ter­sucht der Tier­arzt den Hund und stellt den Tod fest.

Haus­tie­re wie Hun­de, Kat­zen, Klein­tie­re und Vö­gel dür­fen nach dem Tier­kör­per­be­sei­ti­gungs­ge­setz im Gar­ten be­gra­ben wer­den. Vor- raus­set­zung da­für ist al­ler­dings, dass das Tier nicht an ei­ner mel­de­pflich­ti­gen Tier­krank­heit ge­stor­ben ist. Zu­dem müs­sen ei­ni­ge Vor­schrif­ten be­ach­tet wer­den. Der Gar­ten darf nicht in ei­nem Was­ser­schutz­ge­biet lie­gen, und zu öf­fent­li­chen We­gen und Plät­zen muss ein Ab­stand von ein bis zwei Me­tern ein­ge­hal­ten wer­den. Das to­te Tier soll­te in ein leicht ver­rot­ten­des Ma­te­ri­al (zum Bei­spiel ei­ne Woll­de­cke) ge­wi­ckelt und mit ei­ner Erd­schicht von min­des­tens 50 Zen­ti­me­ter be­deckt wer­den.

Wer kei­nen ei­ge­nen Gar­ten hat und sein Tier den­noch an­ge­mes­sen be­er­di­gen möch­te, kann sich an Tier­fried­hö­fe wen­den. Au­ßer­dem kann der Tier­arzt die Über­füh­rung in ein Tier­kre­ma­to­ri­um ver­an­las­sen. Dort wird das Tier je nach Wunsch ein­zeln oder mit wei­te­ren Tie­ren ver­brannt und die Asche an­schlie­ßend in ein Ein­zel­grab bei­ge­setzt, an­onym ver­streut oder der Be­sit­zer er­hält die Asche in ei­ner Ur­ne zu­rück. Ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit ist, dass der Arzt den Hund ei­ner spe­zi­el­len Fir­ma zu­führt, wel­che das Tier ver­brennt. Am bes­ten ma­chen sich Hun­de­hal­ter schon früh Ge­dan­ken, was mit ih­rem Hund spä­ter ge­sche­hen soll, da­mit die­se wich­ti­ge Ent­schei­dung nicht über­eilt ge­trof­fen wer­den muss. Der Um­gang mit dem Tod des Hun­des ist im­mer schwie­rig, schließ­lich hat er sei­nen Be­sit­zer vie­le Jah­re be­glei­tet.

Ob und wann man sich für ei­nen neu­en Hund ent­schei­det, muss je­der selbst ent­schei­den. Doch soll­te er kein „Lü­cken­fül­ler“ sein und nicht im­mer mit sei­nem Vor­gän­ger ver­gli­chen wer­den. Je­der Hund hat das Recht, als In­di­vi­du­um an­ge­se­hen zu wer­den und sei­nen ei­ge­nen Platz im Her­zen zu be­kom­men.

Un­se­re Ex­per­tin

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FO­TO: PRI­VAT

Da­ckel­misch­ling Lu­cky.

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