Düs­sel­dorfs Trio ganz groß: Gold bei der EM

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT / ROMAN -

DÜSSELDORF (fk) Jan-Ove Wald­ner hat Tisch­ten­nis mit sei­ner spie­le­ri­schen Ele­ganz ze­le­briert. Der ge­nia­le Ball­vir­tuo­se aus Schwe­den, mitt­ler­wei­le 44 Jah­re alt und für Ful­da-Ma­b­er­zell im­mer noch in der höchs­ten deut­schen Li­ga ak­tiv, ge­wann al­le wich­ti­gen Ti­tel. Er war Welt-und Eu­ro­pa­meis­ter, hol­te 1992 in Bar­ce­lo­na olym­pi­sches Gold und gilt als bes­ter Spie­ler al­ler Zei­ten. Weil er aus dem schnells­ten Rück­schlag­spiel der Welt ei­ne Kunst ge­macht hat, nennt man ihn „Mo­zart des Tisch­ten­nis“.

In der tsche­chi­schen Stadt Ostrau schickt sich Ti­mo Boll nun an, ei­nen Re­kord des Stock­hol­mers zu bre­chen. Wald­ner hat in sei­ner un­ver­gleich­li­chen Kar­rie­re elf Ti­tel bei Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten ge­won­nen, und die­sel­be Bi­lanz kann nun auch der 15 Jah­re jün­ge­re Deut­sche vor­wei­sen. Mit Chris­ti­an Süß und Patrick Baum, sei­nen Kol­le­gen von Bo­rus­sia Düsseldorf, griff er ges- tern Abend im Mann­schafts­fi­na­le der EM ge­gen Weiß­russ­land er­folg­reich nach der Gold­me­dail­le. Das Team, als Ti­tel­ver­tei­di­ger an­ge­tre­ten, ge­wann glatt mit 3:0. Mit Sie­gen im Ein­zel und im Dop­pel an der Sei­te von Süß kann Boll bis Sonn­tag nun noch zum al­lei­ni­gen EM-Re­kord­hal­ter auf­stei­gen.

Gleich zu Be­ginn des Fi­na­les sorg­te Süß beim Er­folg ge­gen Vlad­mir Sam­so­nov, Num­mer sie­ben der Welt­rang­lis­te, für ei­ne faust­di­cke Über­ra­schung. Da­mit stell­te er gleich die Wei­chen auf Sieg. Baum, in die­sem Jahr vom TTC Grenzau zu Re­kord­meis­ter Düsseldorf ge­sto­ßen, Ju­nio­renwelt­meis­ter des Jah­res 2005, er­setz­te Di­mi­trij Ovt­cha­rov. Der frü­he­re Düs­sel­dor­fer, mit Boll und Süß Ge­win­ner der Sil­ber­me­dail­le bei den Olym­pi­schen Spie­len 2008 in Pe­king, hat­te nach ei­nem im Vor­schluss­run­den­spiel ge­gen Frank­reich (3:1) er­lit­te­nen Seh­nen­an­riss im lin­ken Fuß auf ei- nen Ein­satz im Fi­na­le ver­zich­ten müs­sen. Er kann auch nicht an den In­di­vi­dual­wett­be­wer­ben teil­neh­men, die heu­te be­gin­nen.

Den Ge­winn des Mann­schafts­ti­tels, zum vier­ten Mal hin­ter­ein­an­der, hat­te Boll selbst zur Pflicht ge­macht – mit ei­nem ge­sun­den Ovt­cha­rov hät­te es an der er­folg­rei- chen Ti­tel­ver­tei­di­gung oh­ne­hin nicht die ge­rings­ten Zwei­fel ge­ge­ben. „Wir sind die Chi­ne­sen Eu­ro­pas“, be­schreibt der Welt­rang­lis­ten­zwei­te die Aus­nah­me­stel­lung des deut­schen Tisch­ten­nis­sports in Eu­ro­pa. Der 29-Jäh­ri­ge ist auch im Ein­zel Fa­vo­rit. Sam­so­nov dürf­te wie­der ein­mal sein größ­ter Ri­va­le sein, soll­te al­les nach Plan lau­fen. Doch nach­dem der Weiß­rus­se nun ge­gen Süß ver­lo­ren hat, für den er bis­her ein Angst­geg­ner ge­we­sen war, er­wächst Boll vi­el­leicht so­gar in sei­nem Düs­sel­dor­fer Kol­le­gen und Dop­pel­part­ner der größ­te Wi­der­sa­cher. Bei den na­tio­na­len Ti­tel­kämp­fen die­ses Jah­res hat­te Süß auch schon mit ei­nem End­spiel­sieg ge­gen Deutsch­lands bes­ten Spie­ler al­ler Zei­ten über­rascht. Es könn­te in Ostrau al­so ein pi­kan­tes Du­ell ge­ben: Bo­rus­sia Dort­munds Fan Boll ge­gen Schal­ke-An­hän­ger Süß. Und dies ei­nen Tag vor dem gro­ßen Fuß­ball-Re­vier­der­by auf Schal­ke.

FO­TO: DPA

Schon drei­mal Eu­ro­pa­meis­ter im Dop­pel: Ti­mo Boll, Chris­ti­an

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