„Ka­chel­mann oh­ne Emo­tio­nen“

Am drit­tenVer­hand­lungs­tag im Ver­ge­wal­ti­gungs­pro­zess ge­gen Jörg Ka­chel­mann be­rich­te­ten Po­li­zis­ten über die Fest­nah­me des Mo­de­ra­tors am Frank­fur­ter Flug­ha­fen – die er äu­ßer­lich ru­hig über sich er­ge­hen ließ.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - GESELLSCHAFT -

MANNHEIM (RP) Der An­ge­klag­te Jörg Ka­chel­mann (52) lacht ein­mal kurz. Ein Kri­mi­nal­be­am­ter hat am drit­ten Ver­hand­lungs­tag ge­ra­de dem Ge­richt be­rich­tet, wie er und ein Kol­le­ge den Mo­de­ra­tor am 20. März die­ses Jah­res auf dem Flug­ha­fen fest­nah­men. Da­bei schil­dert der Be­am­te auch die Be­grü­ßung Ka­chel­manns durch ei­ne 24-jäh­ri­ge Stu­den­tin aus Leip­zig. Die bei­den, so der Po­li­zist, hät­ten am Air­port rum­ge­knutscht. Die For­mu­lie­rung ge­fällt dem An­ge­klag­ten of­fen­sicht­lich, dem zur Last ge­legt wird, ei­ne lang­jäh­ri­ge Freun­din am 9. Fe­bru­ar 2010 in ih­rer Woh­nung ver­ge­wal­tigt zu ha­ben, nach­dem sie sich we­gen sei­ner Be­zie­hun­gen zu an­de­ren Frau­en von ihm tren­nen woll­te. Ka­chel­mann weist die Be­schul­di­gun­gen zu­rück.

Ges­tern ver­sucht das Ge­richt zu­nächst, die Vor­gän­ge am Mor­gen nach der Tat zu re­kon­stru­ie­ren. Bei der No­t­ruf­zen­tra­le Hei­del­berg ging um 8.11 Uhr ein An­ruf ein. Dort mel­de­te sich der Va­ter des mut­maß­li­chen Ta­top­fers und sag­te: „Ich ge­be Ih­nen mei­ne Toch­ter.“ Sie nann­te ih­ren Na­men und sag­te mit leicht zit­tern­der Stim­me: „Ich bin heu­te Nacht ver­ge­wal­tigt wor­den und weiß nicht, was ich jetzt ma­chen soll.“ Auf die Nach­fra­ge des Po­li­zei­be­am­ten von wem, ant­wor­te­te sie: „Von“ und füg­te nach län­ge­rer Pau­se hin­zu: „Von mei­nem Freund.“ Der Na­me Ka­chel­manns fiel erst spä­ter bei ih­rer Ver­neh­mung. Auf die Fra­ge des Po­li­zis­ten nach ih­rem Be­fin­den, ant­wor­te­te sie: „Ich bin okay“

Ka­chel­mann war an die­sem 9. Fe­bru­ar auf dem Weg zu den olym­pi­schen Spie­len in Van­cou­ver, um dort Wet­ter­vor­her­sa­gen zu ma- chen. Dort, das wird an die­sem drit­ten Ver­hand­lungs­tag erst­mals be­kannt, soll sein mut­maß­li­ches Op­fer nach der Aus­wer­tung von Han­dy-Pro­to­koll­len Ka­chel­mann noch zwei­mal an­ge­ru­fen ha­ben. Die 37-Jäh­ri­ge er­klär­te das der Po­li­zei da­mit, dass sie si­cher sein woll­te, dass er noch im Aus­land ist. Als Ka­chel­mann dann von Van­cou­ver aus nach Frank­furt flog, griff die Po­li­zei zu. Als er im Park­deck zu­sam­men mit sei­ner Freun­din in sei­nen Wa­gen ein­stei­gen woll­te, wur­de er fest­ge­nom­men. Die Freun­din, die ges­tern un­ter Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit be­fragt wur­de, re­agier­te nach der Aus­sa­ge ei­nes Po­li­zei­be­am­ten „mit Ent­set­zen.“ Ka­chel­mann da­ge­gen ha­be kei­ne Em- pö­rung ge­zeigt. Die Fest­nah­me sei ru­hig ver­lau­fen.

Mit Span­nung wer­den nun die Aus­sa­gen von neun wei­te­ren Freun­din­nen Ka­chel­manns er­war­tet, nach­dem Rich­ter Michael Seid­ling ges­tern ei­nen An­trag der Ka­chel­mann-Ver­tei­di­ger ab­lehn­te, auf ih­re Ver­neh­mung zu ver­zich­ten.

Be­reits am vor­her­ge­hen­den Ver­hand­lungs­tag hat­ten die Ver­le­sung ei­nes po­li­zei­li­chen Ver­neh­mungs­pro­to­kolls für Auf­se­hen ge­sorgt. Da­bei sol­le Ka­chel­mann ge­sagt ha­ben, dass er zwei Kin­der hat, von de­nen er spä­ter er­fah­ren ha­ben will, dass sie nicht von ihm sind. „Seit­her ha­be ich ein gro­ßes Miss­trau­en in neue Bin­dun­gen“, soll er da­zu aus­ge­sagt ha­ben. Die Mut­ter sei­ner ver­meint­li­chen Kin­der hat­te er ge­hei­ra­tet, sich spä­ter aber schei­den las­sen. Ka­chel­mann soll eben­falls an­ge­ge­ben ha­ben, dass er nicht zeu­gungs­fä­hig sei. Vor dem Haft­rich­ter soll er ge­sagt ha­ben, dass er auf­grund sei­ner ne­ga­ti­ven Er­fah­run­gen Be­stä­ti­gung bei Frau­en ge­sucht ha­be: „Mei­ne Su­che nach Be­stä­ti­gung ha­be ich si­cher et­was aus­führ­li­cher ge­stal­tet.“

FO­TO: DAPD

Jörg Ka­chel­mann lässt sich zum Ge­richt fah­ren.

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