Rich­ter zwei­feln an Pil­lings Tod

Die Po­li­zei soll ei­nen Wirt­schafts-De­tek­tiv be­fra­gen, der si­cher ist, dass ihn der Mil­lio­nen-Schwind­ler in der vo­ri­gen Wo­che an­ge­ru­fen hat. Mög­li­cher­wei­se täuscht Pil­ling sei­nen Tod vor, um sich ei­ner Stra­fe zu ent­zie­hen.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON WULF KANNEGIESSER

Auf die neue Ent­wick­lung im Fall des an­geb­lich ge­stor­be­nen Mil­lio­nen-Schwind­lers Lutz Pil­ling hat das Amts­ge­richt ges­tern re­agiert. Es hat ver­fügt, dass ein Wirt­schafts­De­tek­tiv aus Ober­hau­sen durch die Po­li­zei be­fragt wer­den soll: Er hat­te be­haup­tet, er ha­be in der ver­gan­ge­nen Wo­che mit dem 62-Jäh­ri­gen te­le­fo­niert. Ein Pa­pier, das Pil­lings An­walt dem Ge­richt vor­ge­legt hat, be­schei­nigt da­ge­gen des­sen Tod im Ju­ni auf Mallor­ca und die Ei­n­äsche­rung der Lei­che. Ge­gen Pil­ling, einst als „Alt­meis­ter der Ab­zo­cke“ be­zeich­net, läuft ein neu­es Be­trugs­ver­fah­ren.

Der De­tek­tiv hat­te aus der RP von Pil­lings an­geb­li­chem Tod er­fah­ren und sich ge­mel­det. Er war in den 1990er Jah­ren von Pil­ling-Op­fern be­auf­tragt wor­den, ih­nen ihr Geld wie­der­zu­be­schaf­fen. Pil­ling (Spitz­na­me „Pil­le“) galt als ei­ner der schil­lernds­ten Be­trü­ger Düs­sel­dorfs. Nach ei­nem Mil­lio­nen­schwin­del mit Bil­li­gak­ti­en (an­geb­li­che Beu­te: 250 Mil­lio­nen Eu­ro) tauch­te er un­ter, wur­de 1996 nach lang­jäh­ri­ger Flucht in Spa­ni­en ge­fasst, in Düsseldorf zu fünf Jah­ren und zehn Mo­na­ten Haft ver­ur­teilt und nach der Hälf­te ent­las­sen.

Un­mit­tel­bar da­nach (so die jet­zi­ge An­kla­ge) soll er von 2001 bis 2003 zwölf neue Geld­ge­ber um ei­ne Vier­tel­mil­li­on Eu­ro ge­prellt ha­ben. Ge­gen ei­nen Straf­be­fehl über ein Jahr Be­wäh­rungs­stra­fe leg­te er Ein­spruch ein. Doch be­vor dar­über ver­han­delt wer­den konn­te, tauch­te die Be­schei­ni­gung auf, die Pil­lings Tod be­le­gen soll.

Nach RP-In­for­ma­tio­nen soll er zwei Ta­ge nach sei­nem Tod auf Pal­ma bei ei­ner Be­stat­tungs­fir­ma ein­ge­äschert wor­den sein. So steht es auf der Ko­pie ei­nes un­schein­ba­ren Form­blatts in spa­ni­scher Spra­che mit Brief­kopf der „Em­pre­sa Fu­n­e­ra­ria Mu­ni­ci­pal“ und ei­ner un­le­ser­li­chen Un­ter­schrift. Les­bar da­ge­gen ist, wer am 10.Ju­ni den Auf­trag zur Ei­n­äsche­rung von Lutz Karl Wil­li Pil­ling er­teilt ha­be: Das nicht­amt­li­che For­mu­lar nennt den Na­men von Pil­lings Mut­ter. Sie hat­te 1996 die Er­mitt­ler des Lan­des­kri­mi­nal­amts un­ge­wollt zum spa­ni­schen Ver­steck ih­res Soh­nes ge­führt. Die Po­li­zei hat­te an ih­rem Au­to ei­nen Peil­sen­der in­stal­liert. Als sie ih­ren Sohn be­su­chen woll­te, muss­ten die Er­mitt­ler ihr nur fol­gen.

Pil­lings Pflicht­an­walt Jan Schä­fer will ab­war­ten, was die Ver­neh­mung des De­tek­tivs er­gibt: „Ich glau­be jetzt erst mal, das mein Man­dant tot ist.“ Über­prüft ha­be er die Ko­pie der Fir­men-Be­stä­ti­gung über Pil­lings Ei­n­äsche­rung aber nicht. Das Schrift­stück ha­be er mit der Post er­hal­ten und di­rekt ans Ge­richt wei­ter­ge­lei­tet. Über den Ab­sen­der oder die Ab­sen­de­rin sagt er nichts – un­ter Hin­weis auf sei­ne Schwei­ge­pflicht als An­walt. Er­weist sich der Zeu­ge jetzt aber als ver­läss­lich und das Ei­n­äsche­rungs-Schrei­ben als frag­wür­dig, fürch­tet An­walt Schä­fer, „wird das Ge­richt wohl ei­nen Haft­be­fehl los­schi­cken“.

FO­TO: AR­CHIV

1996 wur­de Lutz Pil­ling in Spa­ni­en ge­fasst und we­gen Be­trugs zu fünf Jah­ren und zehn Mo­na­ten Haft ver­ur­teilt.

FO­TO: BILD DÜSSELDORF

In die­ser Vil­la auf Mallor­ca leb­te Lutz Pil­ling, da­vor ist sein Ge­län­de­wa­gen zu se­hen.

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